Schneeketten und Gasbrenner

Winterwetter fordert die Feuerwehren in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen

Feuerwehrfahrzeug mit Schneeketten
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Sicher über die Straßen: Die Feuerwehr Asendorf hat vorsichtshalber Schneeketten aufgezogen. Damit kommt sie auch auf nicht geräumten Wegen voran.

Samtgemeinde –  Weder die Corona-Pandemie noch das frostige Wetter halten die Feuerwehren in der Samtgemeinde davon ab, zu Einsätzen auszurücken und Menschenleben zu retten. Doch Kälte, Schnee und Glätte stellen die Einsatzkräfte vor Herausforderungen. Um diese zu meistern, müssen sie in die Trickkiste greifen.

„Alles dauert bei diesen Witterungsverhältnissen etwas länger. Besonders der Anfahrtsweg“, sagt Stephan Thöle, Ortsbrandmeister in Bruchhausen-Vilsen, auf Nachfrage. Um bei den Schneemassen sicher unterwegs sein zu können, hat beispielsweise die Ortsfeuerwehr Asendorf auf eines ihrer Einsatzfahrzeuge Schneeketten aufgezogen. Diese seien ihr bei einem Einsatz bereits sehr nützlich gewesen, sagt Pressesprecher Cord Brinker. „Solche Maßnahmen sind aber eher die Ausnahme. Eigentlich können wir mit den Fahrzeugen auch ohne zusätzliche Hilfsmittel in einem normalen Winter gut vorankommen“, meint Ortsbrandmeister Thöle.

Nützlich seien sie bei extremen Schneemengen, auf die sich die Feuerwehren jetzt vorbereitet hatten, auch, wenn man dann höchstens 40 Kilometer pro Stunde fahren darf. „Liegt kein Schnee, kann sich sicherlich jeder vorstellen, wie unangenehm es ist, auf diese Weise zu fahren“, erzählt Stephan Thöle lachend.

Die Feuerwehr Bruchhausen-Vilsen setzt deshalb auf eine andere Strategie, und zwar auf gute Vorarbeit. „Falls wir bei außergewöhnlich viel Schnee zu einem Einsatz gerufen werden sollten, lassen wir einen Schlepper oder einen Schneeflug vorausfahren, der uns den Weg freiräumt.“

Verschneite Straßen seien aber nicht das einzige Problem, mit dem sich die Feuerwehrleute an diesen ungewöhnlichen Wintertagen herumschlagen müssen. Die Hydranten, die das im Brandfall rettende Wasser spenden sollen, seien im Schnee kaum auffindbar. Deswegen sei es hilfreich, wenn die Anwohner diese freiräumen würden, um weitere Verzögerungen zu verhindern. „Gerade nachts sind die Hydranten nur sehr schwer zu finden“, berichtet Stephan Thöle. Die sogenannten Unterflurhydranten befänden sich meistens auf den Gehwegen oder im Straßenraum. Ihre genaue Position sei durch ein Hinweisschild markiert.

Auf dem Marktplatz in Bruchhausen-Vilsen gibt es beispielsweise gleich ein halbes Dutzend, zwei davon sind Überflurhydranten. Diese seien aber mittlerweile „aus der Mode gekommen“, da sie oftmals im Weg stünden und nicht wie die Unterflurhydranten befahrbar seien. „Aber sie sind wenigstens im Schnee schneller auffindbar“, meint Stephan Thöle.

Innerorts liegen die Hydranten meist relativ dicht beieinander, aber nicht an jedem Haus ist ein Hydrant vorzufinden, betont der Ortsbrandmeister. „In ländlicheren Gebieten ist der Abstand durchaus größer.“ Das bereite der Feuerwehr bei einem Einsatz jedoch zumeist keine Probleme. „Wir haben genügend Schläuche, um bis zu 2 000 Meter Strecke zu überbrücken“, beschreibt der Ortsbrandmeister.

Wenn dann aber doch mal alle Stricke reißen und nirgendwo ein Anschluss zu entdecken ist, kann sich die Feuerwehr auch aus den nahegelegenen Gewässern, wie dem Kohlwührensee oder dem Koppelsee, bedienen – sofern diese bei dem aktuellen Wetter für eine Wasserentnahme verfügbar sind. Darüber hinaus gebe es in Bruchhausen-Vilsen auch unterirdische Löschwasserbehälter, sogenannte Zisternen. Erforderlich sei eine solche Vorrichtung beispielsweise auf größeren Betriebensgeländen. Das Fassungsvermögen betrage bis zu 300 Kubikmeter.

Ein Hydrant sei aber immer noch die einfachste Quelle. Hat man einen von ihnen unter der Schneedecke entdeckt, muss das aber nicht immer das Ende der Arbeit bedeuten. Denn bei diesen eisigen Temperaturen könne es vorkommen, dass die Kappe des Anschlusses zugefroren ist. „Deswegen haben wir neben einem Schneeschipper auch immer einen Gasbrenner mit im Fahrzeug, um den Deckel schnell aufzutauen“, erklärt der Ortsbrandmeister. Angst davor, dass das Wasser darunter vereisen könnte, hat er nicht: „Es handelt sich dabei ja um die normale Wasserversorgung, aus der sich jeder Haushalt bedient. So lange das fließt und in Bewegung ist, gibt es keine Probleme.“

Wenn auch das Wasser im Hydranten nicht gefrieren kann, das im Schlauch kann es auf jeden Fall. „Damit das nicht passiert, muss das Wasser nach einem Einsatz noch kurz weiterlaufen und es muss zügig abgebaut werden“, erklärt Stephan Thöle, mit welchen Problemen die Feuerwehren bei diesem Wetter zu tun haben können.

Eine weitere Herausforderung: nicht-geräumte Wege. „Die meisten Anwohner kommen ihren Pflichten nach, aber falls nicht, müssen wir bei einem Einsatz zu unserem Eigenschutz erst einmal streuen“, schildert der Ortsbrandmeister. Dadurch kann im Winter wertvolle Zeit verstreichen.

Besonders für den Rettungsdienst stellen verschneite Wege zu den Häusern ein Hindernis dar, weil „die Rollen der Ambulanzliege durch den Schnee blockiert werden“, sagt er im Namen derer, die für die medizinische Hilfe zuständig sind.

Für jeden Haushalt hat er im eigenen Interesse einen weiteren Tipp parat: Abflüsse sollten freigehalten und die Außenwasserleitungen abgestellt werden. „Wenn es taut, können die Leitungen platzne, und wir bekommen es mit vollgelaufenen Kellern zu tun“, weiß Stephan Thöle aus Erfahrung.

Das Hinweisschild:

Ein Hydrantenhinweisschild haben die meisten schon einmal gesehen, wie dieses allerdings zu lesen ist, weiß nicht jeder. Doch einzig durch das richtige Ablesen lässt sich auch die Position des Anschlusses feststellen. Die obere Buchstaben-Zahlen-Kombination, beispielsweise „H200“, steht für die Nennweite des Wasserohrs in Millimetern. Die Zahl unter dem Strich links zeigt hingegen die Entfernung des Hydranten vom Schild nach links an. Auf der rechten Seite das gleiche Spiel: Diese Zahl steht für die Entfernung vom Schild nach rechts. Im unteren Bereich ist eine weitere Ziffer angegeben. Diese sagt etwas über die Entfernung des Hydranten vor oder unter dem Schild aus. In diesem Beispiel steht der Hydrant also eineinhalb Meter nach links und 5,8 Meter nach vorn vom Schild entfernt und könnte durch Ausmessen gefunden werden, sollte er von Schnee bedeckt und „unsichtbar“ sein.

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