Premiere von „Jümmer Arger mit Wotan“ sorgt für Heiterkeitsausbrüche

Zum Wiehern komisch

Rechtsanwalt Dr. Rainer Grimm (Werner Sudmeyer) überlebte Wotans finale Attacke und endete im Rollstuhl – bemitleidet von (von links): Sybille Grimm (Vanessa Lange), Isolde Gräfin von Beerenstein (Gunda Dohmeyer), Klara Epsen (Sigrid Gantke), Dr. Wolfgang Kleinwort (Heinrich Meyer-Thomas), Hannes Mattson (Wilfried Brückner) und Pastorin Henriette Thomsen (Renate Thies). Foto: HORST FRIEDRICHS

Schwarme - Von Horst Friedrichs. Von „Romantik pur in der Natur“ schwärmt Hannes nur zu gerne, und immer spielt Klara, seine Angebetete, die Hauptrolle in seinen Wunschvorstellungen. Aber Klara will nicht wirklich etwas von ihm wissen, und daran ändert auch sein eigentlich beeindruckendes Talent, Dinge in Reimform auf den Punkt zu bringen, so gut wie gar nichts. Sigrid Gantke spielt Klara Epsen, Wilfried Brückner verkörpert Hannes Mattson, und beide sind Hauptdarsteller in der plattdeutschen Komödie „Jümmer Arger mit Wotan“, deren Premiere am „Snabend“ für ein volles Robberts Huus in Schwarme sorgte.

Ein weiterer Hauptdarsteller, der Kaltbluthengst „Wotan“, erschien zwar nicht auf der Bühne, war bei unterschiedlichen Anlässen dank Tontechnik aber laut und deutlich von außerhalb des Hauses zu hören: fordernd und ungeduldig, wenn er von seiner Eigentümerin Klara Futter verlangte, und wutschnaubend wiehernd, wenn sich ein Mannsbild auf seine Wiese verirrte. Denn das zog sich als roter Faden durch das heitere plattdeutsche Stück: Klara schätzte ihren Wotan mehr als jeden Verehrer. Und genau das schien der kluge Wotan instinktiv verinnerlicht zu haben, indem er keinen Kerl auf seiner Grünfläche duldete. So sorgte Wotan mit Zorneswiehern und Huftritten dafür, dass er Klara für sich allein hatte.

Die Verzwickungen, die sich aus dieser Konstellation ergaben, waren durchaus gut für wieherndes Lachen. Allerdings hörten sich die Heiterkeitsausbrüche des Schwarmer Publikums weit weniger wild an als Wotans Attackentöne.

Maßgebliche Männer umschwärmten Klara Epsen, Bestattungsunternehmerin, Antiquitätenhändlerin und Großgrundbesitzerin in ihrem Haus. In der Eile achteten die um Klaras Gunst Werbenden wider besseres Wissen nicht auf Wotans Wegsperrung, wenn sie seine Wiese als Abkürzung benutzten.

So erschien Klaras Nachbar, der Viehhändler Hannes Mattson, gleich in der ersten Szene des Stücks mit blutigen Blessuren und zerrissener Kleidung. Ein guter Grund, sich von Klara verpflastern und umsorgen zu lassen und auch einen „Schluck“ nicht abzulehnen. Ähnlich schlimme Schrammen trugen auch die übrigen Männer davon, wenn sie Klaras Wohnzimmer ansteuerten.

Letztlich geht es allen um Wotans Wiese, denn die ist der Handlungsschwerpunkt des ursprünglichen Dreiakters, aus dem Schwarmes „Uhlenspeeler“ einen Vierakter gemacht haben. Das erläuterte Werner Sudmeyer als fegender Hausmeister, bevor es auf der Bühne von Robberts Huus rund ging.

Die fragliche grüne Wiese, sollte nicht länger Wotan dienen, sondern betuchten, Golf spielenden „Recreation“-Gästen als exquisites Grün. Die Investoren, die das in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat planten, setzten alles daran, Klaras gesamtes Land, einschließlich ihres Reiterhofs zu erwerben, um ein Golf- und Erholungszentrum zu bauen.

Die spielsüchtige und hochverschuldete Pastorin Henriette Thomsen (Renate Thies) mischte nach Kräften mit, ging es ihr doch um eine Friedhofserweiterung und um die Erlösung von ihren Spielschulden. Die Kaufinteressenten in Sachen Erholungszentrum, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Rainer Grimm (Werner Sudmeyer) setzten alles daran, sich Klaras Land unter den Nagel zu reißen. Deshalb schreckten sie auch nicht davor zurück, mit einem Enteignungsverfahren zu drohen. Willfährige Unterstützer fanden sie dabei im Gemeinderat, vertreten durch den stellvertretenden Bürgermeister und Arzt Dr. Wolfgang Kleinwort (Heinrich Meyer-Thomas).

Während „Raini“ Grimm sich mit Vehemenz für das lukrative Projekt einsetzte, entstand mit dem Zusammentreffen seiner beiden Frauen ein Nebenschauplatz, auf dem es ebenso um Scheidung und Eheversprechen ging, wie um den möglichen finanziellen Reibach. Ehefrau Sybille Grimm (Vanessa Lange) und potentielle Zweitehefrau Isolde Gräfin von Beerenstein (Gunda Dohmeyer) schmiedeten nach anfänglichen Feindseligkeiten ein Komplott zum gegenseitigen Nutzen, in das schließlich auch Klara Epsen mit einbezogen wurde. Das war möglich, als sich ein Happy End anbahnte, bei dem lediglich Rechtsanwalt „Raini“ den Kürzeren zog, indem er Wotans finale Attacke zwar überlebte, aber nur noch im Rollstuhl sitzen und zusammenhanglose Gesänge von sich geben konnte. Währenddessen rückt sich Hannes Mattson in seinem Werben um Klara erfolgreich in ein besseres Licht. Mehr soll an dieser Stelle über den überraschenden Schluss der Komödie nicht verraten werden, zumal es für die weiteren Aufführungen in Robberts Huus noch Karten gibt.

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