Seniorenheim in Bruchhausen-Vilsen

Bewohner genießen die wiedergewonnene Freiheit

Bewohner des Seniorenheims Landleben in Bruchhausen-Vilsen beim Bowling
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Gemeinsam in der Sonne: Alle Bewohner sind doppelt geimpft und haben ihre Freiheit zurück. Die 85-jährige Ingrid Dorst aus Thedinghausen hält Bowlingkugeln hoch und hofft, vor Publikum alle Pins abzuräumen.

Bruchhausen-Vilsen – „No one is safe, until everyone is safe“ (Niemand ist sicher, bis alle sicher sind) macht sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag den Leitspruch der Vereinten Nationen zur Corona-Pandemie zu eigen. Dass die Aussage nicht pauschal gilt, beweist Birgit Falldorf mit ihrem Pflegeheim für Senioren. Sie ist Geschäftsführerin des Landleben am Vilser Holz in Bruchhausen-Vilsen.

Ihre Bewohner sind sicher, und müssen keine Masken tragen.

Alle Bewohner und viele der Mitarbeitenden der Einrichtung sind geimpft. Angehörige können ihre Verwandten viel und häufig besuchen. Die Senioren können wieder zusammen essen, spielen und leben. „Das ist Lebensqualität“, betont die Leiterin. Falldorf erinnert an Bilder aus Heimen, wo Senioren teilweise immer noch hinter Acrylglas-Wänden von ihren Verwandten getrennt säßen, während die sie besuchen. „Durch die Impfung haben unsere Bewohner ihre Freiheit zurück“, freut sich Falldorf. „Worauf wollen wir warten? Bis ganz Deutschland durchgeimpft ist? Die Menschen in unserem Mikrosystem brauchen ihre Normalität zurück. Jeder Tag zählt.“

Während der Hochphase der Pandemie hielten auch strenge Regeln im Haus am Vilser Holz Einzug. Maskenpflicht, Testungen und Abstandsregeln. Beispielsweise musste jeder zweite Platz im Speisezimmer frei bleiben und die Bewohner durften nur zu bestimmten, unterschiedlichen Zeiten essen gehen. Das Büfett blieb geschlossen und Angehörige durften nicht immer ins Haus. Einiges musste im Pflegeheim heruntergefahren werden. „Hier ist so etwas wie der Marktplatz“, sagt Falldorf und zeigt auf einen Aufenthaltsbereich. „Wir wollen ein offenes Haus sein und sind verzahnt mit allen unseren Angeboten in der Bergstraße 9b und 9c“, in dem Türen offen seien, ohne Testung und Laufwegesteuerung.

Kritik an der Kommunikation des Landkreises Diepholz während der Corona-Krise

Falldorf bemängelt die aus ihrer Sicht fehlende Kommunikation seitens des Landkreises Diepholz während der Corona-Krise. „Proaktiv haben wir uns um Informationen über neue Verordnungen bemüht“, erinnert sie sich über das Ringen, stets auf dem aktuellen Stand der staatlichen Maßnahmen zu sein. Eine Informationspflicht seitens des Kreises gebe es jedoch nicht, sagt Mareike Rein, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Diepholz.

„Jeder musste sehen, dass er seine Institution durch die Pandemie bekommt“, sagt Falldorf. Sie habe daher in einem Newsletter an Angehörige über Verschärfungen und Lockerungen informiert sowie einen Flyer über geltende Corona-Regeln für Besucher erstellt – bereits in der zehnten Auflage. Auch gibt es sogenannte Besucher-Betreuer am Haupteingang.

Die ersten Impfungen für Bewohner des Pflegeheims gab es bereits am 5. Januar. „Wir sind die Ersten im Landkreis, die durchgeimpft waren“. Der letzte Piks für die Tagespflege erfolgte am 26. März, betont Geschäftsführerin Falldorf. „Alle können sich nun wieder frei im Haus bewegen und das Leben geht gepflegt weiter.

Viele Bewohner haben laut ihrer Aussage keine Angst vor dem Coronavirus. „Viele haben den Krieg erlebt und Corona ist eben eine neue Krankheit, die auch wieder geht, sagen sie“, erzählt Falldorf. Die Bewohner vertrauten zudem der modernen Medizin. „Sonst wären wir nicht so alt geworden“, zitiert sie die Stimmung im Haus.

Freude über die wiedergewonnene Freiheit

Über die wiedergewonnene Freiheit freut sich auch Ingrid Dorst (85). Sie greift sich im Außenbereich zwei Bowlingkugeln im Kreise einer großen Runde von Senioren und genießt die Sonne. Endlich wieder gemeinsam essen und spielen. Die Thedinghauserin lebt seit rund zwei Jahren im Haus am Vilser Holz und ist froh, dass die Pandemie – zumindest für sie – vorbei ist.

Dass sich die Bewohner auch in Pandemiezeiten bewegen, ist Birgit Falldorf sehr wichtig. „Unbegründete Bettlägerigkeit wird hier nicht akzeptiert“, sagt sie. Personalmangel habe sie nicht und bezahle Angestellte nach Tarif. „Wir haben den Anspruch jeden – wenigstens für kurze Zeit am Tag – zu mobilisieren, der es nicht mehr alleine kann“, meint Falldorf. Sie fügt hinzu: „Jeder wird in seiner Mobilität unterstützt.“

Am neuartigen Coronavirus hatte sich in der Pflegeeinrichtung nur eine Bewohnerin infiziert. Die Frau wurde laut Falldorf von ihrer Familie im Spätherbst entgegen der Empfehlung des Hauses abgeholt. „Wir können das nicht verhindern“, sagt Falldorf. Zu Hause habe es dann ein Familientreffen mit mehreren Haushalten gegeben – Hygiene- und Abstandsregeln seien missachtet worden (wir berichteten). Die Tochter offenbarte sich und die hausinternen Schnelltests deckten das Virus auf. Glück im Unglück: „Ein Lauffeuer konnten wir bei uns im Haus durch schnelles Handeln verhindern“, sagt Falldorf. Dadurch sei viel Vertrauen gewonnen worden.

Mitarbeiter noch pflichtbewusster was die Hygiene angeht

Für die Zukunft hätten sich neue Arbeitsweisen in der Seniorenresidenz etabliert, sagt Falldorf. Seit der Pandemie arbeiteten die Mitarbeiter noch pflichtbewusster, was Fragen der Hygiene betrifft und auch die Bewohner desinfizierten sich selbstständig die Hände. „Desinfektionsspender sind selbstverständlich geworden“, so die Leiterin. Positiver Nebeneffekt: „Kein anderes Virus – wie eine Grippe – hat seitdem den Weg ins Haus geschafft.“

Früher AWO

Die Seniorenresidenz Landleben am Vilser Holz war vor sechs Jahren ein Kurzentrum der Arbeiterwohlfahrt, bevor Birgit Falldorf das Haus übernahm. Derzeit gibt es 63 Plätze im Haupthaus, und 21 Wohnungen im Nebengebäude.

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