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In Asendorf soll alter Bahnhof neu gebaut werden

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Von: Anne-Katrin Schwarze

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Alte Postkarte von Bahnhof um 1902
So wie 1902 soll es am Bahnhof in Asendorf bald wieder aussehen, streben DEV und Gemeinde an. © Sammlung Siedler

Asendorf – Asendorf bekommt sein historisches Bahnhofsgebäude wieder. Was bisher eine kühne Vorstellung des Deutsche Eisenbahnvereins (DEV) ist, scheint seit Dienstagabend denkbar. „Die Gemeinde ist gewillt, in die Planung einzusteigen“, signalisierte Bürgermeister Gerd Brüning, nachdem DEV-Vorsitzender Wolf-Jobst Siedler „die Visionen“ des Vereins zum Asendorfer Bahnhof vorgestellt hatte.

Da war der wortgewandte Siedler direkt sprachlos. Während der letzten Sitzung zum Thema Bahnhofsumbau stellte Ratsherr Wilken Meyer noch infrage, ob der Verein überhaupt ein Konzept habe und ob Zuwendungen der Gemeinde möglicherweise „verbrennen“, weil es an Weitsicht fehle. Dabei ging es um einen Zuschuss von 10  000 Euro für eine gepflasterte Fläche unter einer Rübenverladeeinrichtung (wir berichteten). Von Zweifeln war jetzt keine Rede mehr. Meyer wiederholte zwar seine Bedenken, ob „ein Schritt vor dem anderen“ gemacht werde, beteuerte aber: „Sie rennen offene Türen ein. Ihre Idee mit dem Bahnhof ist gut.“ Zustimmung für die Aktivitäten der Museumsbahn gab es schon bei der letzten Sitzung reichlich, und jetzt bestand darüber keinerlei Diskussionsbedarf.

Der Bahnhof Asendorf glich optisch dem mittlerweile sanierten Ost-Bahnhof in Bruchhausen-Vilsen, wie Wolf-Jobst Siedler an einer Postkarte belegte. Ein Gebäude aus roten Steinen mit beige-farbenen Zierelementen über Fenstern und Türen mit angrenzendem Güterschuppen, „übersetzte“ er die auf um 1902 datierte Schwarzweiß-Aufnahme. Die Pläne dafür seien erhalten, informierte Siedler. Weil die Gleise heute anders als um 1900 liegen, müsste der Standort zu einst leicht verschoben werden, bliebe aber grundsätzlich da, wo heute die Gaststätte „Gleis 1“ steht. Sie war in Holzbauweise entstanden, nachdem der zur Gaststätte umgebaute Asendorfer Bahnhof vor Jahren abgebrannt war.

Grundstückseigentümer ist die Gemeinde. Obwohl sie das renovierte „Gleis 1“ gerade an die Firma „Glutrausch“ aus Bruchhausen-Vilsen vermietet hat, die dort ab 1. Mai ihren gastronomischen Betrieb aufnimmt, wisse sie: „Das Gebäude ist irgendwann abgängig“, so Brüning. „Wir brauchen eine fertige Planung“, bat der Bürgermeister den DEV. Um reagieren zu können, wenn sich Fördertöpfe auftun. Dass es für touristische Projekte öffentliche Gelder gebe, hielt Brüning für „sehr wahrscheinlich“.

Ein Bahnhofsgebäude nach altem Vorbild wäre sicherlich ein Hingucker, für Einheimische wie für Touristen. Ihnen in Asendorf etwas zu bieten, ist immer mal wieder im Gespräch. Auch die Idee der Museumsbahn, den Bahnhof aufzuwerten, ist nicht neu. Jetzt aber scheint Bewegung in die Umsetzung der Gedankenspiele zu kommen.

Die Verladeanlage ist ein erster Schritt. Die Bauteile liegen neben dem Lokschuppen, der Aufbau verzögere sich aber, informierte Wolf-Jobst Siedler. Stehe die Konstruktion, könne die Rübenverladung demonstriert werden, wie sie bis in die 1970er-Jahre in Asendorf tatsächlich praktiziert wurde. „Um 1960 war diese Anlage eine Logistik-Innovation“, so Siedler. Eine Ladung Rüben konnten in wenigen Minuten aus einem Ackerwagen auf die Bahn umgeladen werden. „Es ist es wert, dem ein Denkmal zu setzen“, meinte Siedler.

Sind Ladegleis und Weiche erst einmal verlegt, könne man dort nicht nur die Verladung demonstrieren, sondern Güterwagen und landwirtschaftliche Geräte ausstellen. „Das macht den Bahnhof interessant“, gab sich Wolf-Jobst Siedler überzeugt. Wenn die Gäste etwas zu gucken haben, verweilen sie auch, so die Erfahrung des Vereins mit den Bahnhöfen Bruchhausen-Vilsen und Heiligenberg.

Vor allem für Besucher aus Richtung Hannover wolle der Verein den Bahnhof als Blickfang gestalten. „Für sie könnte Asendorf der Ausgangspunkt eines Ausflugs zur Museumsbahn werden“, schlug Siedler vor. Das Gelände in Asendorf, direkt an der Bundesstraße, interessanter zu gestalten, sei das Bestreben des Vereins.

Wörtlich im Weg steht der Planung das Fahrkartenhäuschen aus den 70er-Jahren. Für den Abriss und eine Weiterverwendung habe sich jetzt jemand gefunden, ließ der Bürgermeister wissen.

„Der Bahnhof Asendorf war als Wirtschaftsfördermaßnahme entstanden“, erinnerte Siedler an die hohe Zeit der Kleinbahn Hoya-Syke-Asendorf. Mit den geplanten Veränderungen kann er wieder ein Wirtschaftsfaktor werden. Die acht Kilometer lange Strecke von Bruchhausen-Vilsen nach Asendorf sei eine der wenigen komplett erhaltenen Kleinbahntrassen. Das macht die Museumsbahn für Experten interessant. Mit einem familienfreundlichen Programm ist sie zudem ein touristisches Ziel. In nicht allzu ferner Zukunft auch in Asendorf.

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