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AG „Schule ohne Rassismus“ verlegt weitere Stolpersteine in Bruchhausen-Vilsen

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Von: Uwe Campe

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Mann mit kleinen Gedenktafeln in der Hand
Der Berliner Künstler Gunter Demnig verlegte die ersten Stolpersteine persönlich in Bruchhausen-Vilsen. © Oliver Siedenberg

Br.-Vilsen – Von Norwegen bis Sizilien, von Spanien bis Russland, in über 20 europäischen Ländern finden sich inzwischen sogenannte Stolpersteine, handliche, knapp zehn mal zehn Zentimeterkleine Gedenktafeln aus Messing, die an das Schicksal der in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgten, ermordeten, deportierten und vertriebenen Juden erinnern sollen. Seit Mitte 2020 gehört auch Bruchhausen-Vilsen zu diesem „Netz des Gedenkens“. Am 22. April werden die noch fehlende Stolpersteine verlegt.

Unterstützt durch den Bauhof sollen am Vormittag acht zusätzliche der kleinen Mahnmale in die Gehwege im Ortskern eingelassen werden, allerdings nicht als öffentliche Veranstaltung. Auf eine zentrale Feierstunde wird angesichts der Pandemie verzichtet. Stattdessen beabsichtigen Schüler, an diesem Tag zwischen 16.30 und 18.30 an den jeweiligen Standorten zu stehen und Interessierten die Möglichkeit zu geben, sich über das Schicksal der betreffenden Personen zu informieren.

Das hierfür erforderliche Wissen haben sie sich im Laufe der Zeit in umfangreichen Recherchen und Quellenstudien gründlich erarbeitet. Die Schüler gehören der die Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus“ des Gymnasiums an, die sich seit Jahren für die Verlegung von Stolpersteinen an sechs Standorten in der Braut-, Bahnhofs- und Bruchhöfener Straße stark macht. Die von Lehrer Tim Schöning betreute AG hat sich schon seit 2016 mit der Geschichte und den Lebenswegen jüdischer Menschen, die vor ihrer Deportation in Bruchhausen-Vilsen lebten, auseinandergesetzt.

Die Schüler haben darüber hinaus die Verlegung der Stolpersteine initiiert, ein Projekt, das jetzt fortgesetzt wird. Denn 2020 sei es nicht möglich gewesen, für jedes Mitglied der Familien Lindenberg, Salomon oder Hanau Tafeln zu installieren, berichtet Sabrina Riemer, eines der Mitglieder der 13-köpfigen AG aus den Jahrgängen 7 bis 11. Freitag folgen acht Stolpersteine mit den Namen der Kinder und Großeltern der betroffenen Familien.

Der Arbeitsgemeinschaft sei das Stolpersteine-Projekt so wichtig, weil die damaligen Geschehnisse für jüngere Generationen immer weiter zurückliegen und dadurch scheinbar an Bedeutung verlieren. Die Schicksale zeigten jedoch, welche schrecklichen Auswirkungen die Diskriminierung einzelner gesellschaftlicher Gruppen nach sich ziehen könnte. „Wir möchten also mit unserer Arbeit einerseits der Familienschicksale gedenken, andererseits aber auch daran erinnern, dass weder Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft noch Religion zu Ausgrenzung und Herabsetzung führen dürften”, stellt Sabrina Riemer die Motivation der Schüler dar.

Zusätzlich besteht ab dem 22. April die Möglichkeit, die jeweiligen Gedenktafeln digital aufzusuchen. Hierfür haben die Schüler in den vergangenen Wochen an der App „StolpersteineGuide“ mitgewirkt. Für diese von der sächsischen Bibliotheksgesellschaft entwickelte App haben sie einen Rundgang in Bruchhausen-Vilsen ausgearbeitet und mit einer Fülle an Informationen über Leben und Wirken der Familien vor Ort gefüllt.

Darüber hinaus ist eine kompakte Version der Informationen auch über einen von den Schülern angefertigten Flyer zu erhalten.

Gunter Demnig und die Stolpersteine

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Auf diesen Satz aus dem Talmud fußt das Projekt Stolpersteine, das der Berliner Künstler Gunter Demnig 1992 ins Leben gerufen hat. Auf jedem Gedenkstein sind der Name, das Geburtsjahr und das Schicksal einer einzelnen Person eingraviert. Verlegt werden sie vor den letzten freigewählten Wohnhäusern der Opfer des Nationalsozialismus – bisher mehr als 75 000 an mehr als 1 300 Orten. Alle Buchstaben werden von Hand in das Messing geschlagen. In der Regel verlegt Demnig die Steine selbst. Vor Dezember 2022 sind dafür keine Termine zu haben, teilt er auf seiner Internetseite www.stolpersteine.eu mit. Da er in Bruchhausen-Vilsen 2020 bereits persönlich anwesend war, hat er der Kommune gestattet, weitere seiner Stolpersteine in seiner Abwesenheit zu verlegen. 

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