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Wichtige Naturschutz-Schritte schon vor dem Start

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Von: Anke Seidel

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Naturschutz im Fokus: (v.l.) Torben Garbers, Thomas Suermann, Detlef Tänzer und Sabrina Schilling bei der Podiumsdiskussion von Attac.
Naturschutz im Fokus: (v.l.) Torben Garbers, Thomas Suermann, Detlef Tänzer und Sabrina Schilling bei der Podiumsdiskussion von Attac. © Anke Seidel

Der Niedersächsische Weg gilt als vorbildliches Projekt einer fundierten Partnerschaft zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Land. Aber was ist in den zwei Jahren seit seiner Gründung wirklich passiert? Diese Frage stellte die globalisierungskritische Organisation Attac im Gasthaus Mügge in Bruchhausen-Vilsen. Die überraschende Erkenntnis:

Eigentlich hat es den Niedersächsischen Weg schon vor seiner Gründung gegeben – zumindest im Landkreis Diepholz.

Die Resonanz auf den Attac-Abend ist enorm: Rund 70 Teilnehmer sitzen im Saal. Viele stellen am Ende kritische Fragen, verkünden aber vor allem ihre persönliche Meinung. Moderator Thomas Suermann beendet den lebhaften Austausch nach zweieinhalb Stunden. Selbst das Saatgut für Blühstreifen ist thematisiert worden.

Forderung: Schneller in die Praxis umsetzen

Unstrittig ist, dass der Niedersächsische Weg mit seinen Vereinbarungen zwischen Landwirten, Naturschützern und Landespolitik eine verlässliche Basis ist – aber schneller in die Praxis umgesetzt werden muss.

Manfred Radtke vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Rotenburg ist „heilfroh“, dass es die Vereinbarung gibt.“ Nur viele wüssten nicht, was genau vereinbart worden war. Deshalb klärt er gründlich auf – und stellt fest, dass der geplante Biotop-Verbund „sehr, sehr schleppend“ laufe. Viele Bürgermeister würden sich „unheimlich schwer“ tun mit den Randstrukturen für den Gewässerschutz. Und obwohl die geplante Verringerung der Flächenversiegelung ein Ziel sei, würden neue Baugebiete ausgewiesen.

Noch keine Ausgleichszahlungen an Landwirte

Landwirte wollen durchaus Flächen für den Naturschutz bereitstellen, betont deren Vertreter Torsten Garbers – soweit möglich, auch unentgeltlich. Dabei gebe es aber Grenzen, so der 33-Jährige – weil der Anbau von Feldfrüchten Lebensgrundlage der Landwirte sei. „Sind bei den Landwirten schon Ausgleichszahlungen angekommen?“, hinterfragt Thomas Suermann die praktische Wirkung des Niedersächsischen Wegs. Torsten Garbers verneint – und stellt klar, dass die Landwirte gemeinsam mit ihren Partnern erfolgreich für den Naturschutz wirken wollen.

Dass es längst einen „Diepholzer Weg“ gibt, stellt Detlef Tänzer als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Kreisentwicklung klar. Er berichtet von mittlerweile 3 600 Hektar landkreiseigenen Naturschutzflächen und begrüßt die Flurbereinigung. Denn durch diesen Landtausch könnten Maßnahmen so gestaltet werden, „dass am Ende alle zufrieden sind“. So habe der Landkreis 500 Hektar Moorfläche gewonnen. Tänzer berichtet außerdem über das seit Jahren geltende Wiesenvögel-Schutzprogramm, in dessen Bereich Beutegreifer wie der Fuchs mit Fallen entfernt würden. Das habe aber auch dazu geführt, dass die Zahl der Gänse von 800 auf 5 000 angestiegen sei. Sie würden Schilf im Dümmer fressen, das Nährstoffe aus dem überfrachteten See filtert.

Dünge-Beratung wirkt

Dass diese Einträge spürbar zurückgegangen seien, ist laut Fachdienstleiter der seit Jahren praktizierten Dünge-Beratung für Landwirte zu verdanken. Ganz neu, sprich seit 1. März dabei, sind in der Kreisverwaltung zwei Mitarbeiter, die sich nun um den Niedersächsischen Weg kümmern sollen.

Auch im Landschaftspflegeverband Diepholzer Moorniederung wird der Niedersächsische Weg längst gelebt, stellt dessen Vertreterin Sabrina Schilling fest – und berichtet über ganz handfesten Einsatz sowie Unterstützung bei Förderanträgen für Landwirte und Schäfereien: „Naturschutz lebt von Projekten.“ Politik, Landwirtschaft und Naturschutz arbeiten gemeinsam für die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der Kulturlandschaft.

Kommunen haben Schlüsselfunktion

Eine Schlüsselfunktion haben die Kommunen. Deshalb gehört Lars Bierfischer als Bürgermeister von Bruchhausen-Vilsen zu den Referenten – und beschreibt auf Nachfrage des Moderators die Begrenzung der Flächenversiegelung als „sportliche Aufgabe“. Bruchhausen-Vilsen setze auf Verdichtung im Ort: „Es geht in die Höhe statt in die Breite.“ Auch Bürgermeister Lars Bierfischer begrüßt die Flurbereinigung. Denn dadurch sei es gelungen, Flächen für Blühstreifen zu generieren. Davon gebe es in der Samtgemeinde mittlerweile 36,5 Hektar: „Wir sind ziemlich gut dabei, wir müssen uns nicht verstecken.“

Von Anke Seidel

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