DEV und Flecken stellen Gerät vor

Neue Stopfmaschine für die Eisenbahner: Mindestens so wertvoll wie ein edler Wein

Die Maschine zum Stopfen des Gleisbetts stellten Museumsbahner und die Repräsentanten des Fleckens Bruchhausen-Vilsen jetzt in der Nähe des Bahnhofs Heiligenberg vor (von links): Bürgermeister Lars Bierfischer, Jens Böcker, Alexander Angerhausen, Gemeindedirektor Bernd Bormann, Guido Tschigor und Robert Angerhausen. Foto: Horst Friedrichs

Br.-Vilsen - Von Horst Friedrichs. „Manch einer von uns ist seit seiner Geburt dabei“, sagt Guido Tschigor. Solchermaßen ins Schwärmen geraten Museumseisenbahner wie er, wenn sie ins Erzählen kommen. Anlässe dafür sind meist technischer Art. Und haben viel mit Gleisen, Schwellen, Schotter und Dampfloks zu tun. So einen Anlass gab es jetzt an der Bahnstrecke Bruchhausen-Vilsen - Asendorf, unweit des Bahnhofs Heiligenberg. Dorthin hatten der Deutsche Eisenbahn-Verein (DEV) und der Flecken Bruchhausen-Vilsen eingeladen, um eine gemeinsam angeschaffte nagelneue Stopfmaschine vorzustellen.

Das gute Stück ist für die Museumsbahner mindestens so wertvoll wie edler Wein. Der Vergleich drängt sich auf, denn: „Die Maschine stammt aus der Nähe von Bordeaux in Südfrankreich“, erklärt Jens Böcker vom DEV bei der Besichtigung an einem Bahnübergang auf weiter Flur, nur einen Katzensprung vom Dillertal entfernt. Der weite Weg, den das kompliziert aussehende Gerät von der Fabrik im berühmten Weinanbaugebiet bis zu seinem Bestimmungsort in Norddeutschland zurücklegte, erklärt sich aus der Art seiner Verwendung.

„Große Eisenbahnen können eine derart kleine Stopfmaschine nicht gebrauchen“, sagt Guido Tschigor, ebenfalls vom DEV. „Deshalb gibt es nur einen begrenzten Markt dafür.“ Der aber besteht aus Museumseisenbahnen, ähnlich der in Bruchhausen-Vilsen. „Wir haben herumgefragt“, ergänzt Jens Böcker. „Diese Maschine, für die wir uns letztlich entschieden haben, hat sich bei vielen kleinen Eisenbahnen in Europa bewährt.“ Dank der Unterstützung durch den Flecken Bruchhausen-Vilsen fiel die Kaufentscheidung nicht schwer. „Wir konnten 15.000 Euro beisteuern“, erklärt Gemeindedirektor Bernd Bormann beim Termin am Museumsbahngleis. „Und wir haben es gern getan“, fügt Bürgermeister Lars Bierfischer hinzu. „Denn wir wissen, dass die Museumsbahner eine harte Arbeit leisten - allesamt ehrenamtlich. Dazu müssen sie Können und Kraft aufbringen.“

DEV muss 3000 Euro selbst zahlen

Beim Endpreis von 18.000 Euro blieben für den DEV 3000 Euro, die er selbst tragen muss. „Das können wir verkraften“, sagt Jens Böcker. „Wir sind der Gemeinde sehr dankbar.“ Die neue Stopfmaschine bringt nun auf der acht Kilometer langen Museumsbahnstrecke zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf eine wesentliche Erleichterung.

DEV und Flecken stellen neue Stopfmaschine vor

 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Fried richs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs
 © Horst Friedrichs

Die Schwellen der Gleisanlage zwischen den beiden Orten ruhen auf einem Bett aus Schotter oder Kies, wobei letzterer, weil schnell verfügbar, die ursprüngliche Form des Gleisbaus in der Region war. In beiden Fällen aber muss das Gleisbett unterhalb der Schwellen regelmäßig gestopft - verdichtet - werden, um Schäden am Schienenstrang zu vermeiden. Dazu dringen die sogenannten Stopfpickel tief in Schotter oder Kies ein und rütteln die steinigen Brocken zurecht.

Arbeit geht nun zehnmal schneller als zuvor

Früher geschah das in reiner Handarbeit mit entsprechend hohem „Personalbedarf“, mussten die Stopfarbeiten doch mit Ein-Mann-Geräten erledigt werden, die Presslufthämmern ähnelten. „Mit der neuen Stopfmaschine sind wir jetzt zehnmal so schnell wie vorher“, kalkuliert Guido Tschigor. Vorher - das bedeutete 200 Meter Gleis und eine Weiche, die pro Jahr gestopft werden konnten. „Die Maschine ist jetzt jederzeit benutzbar“, sagt Jens Böcker. „Wir müssen keine Aufträge mehr an Firmen vergeben, die uns bislang bei der Arbeit geholfen haben und sich natürlich an ihren eigenen Zeitplan hielten.“ Den berufstätigen Museumsbahnern steht indes nur ihre Freizeit am Wochenende oder im Urlaub zur Verfügung, um sich der Arbeit am Schienenstrang zu widmen.

Auch die Bauingenieurs-Studenten aus Bremen und die Studenten der Technischen Universität Hamburg-Harburg werden es künftig leichter haben, wenn sie zweimal im Jahr zu praktischen Arbeiten bei der Museumsbahn Bruchhausen-Vilsen anrücken. Die schweißtreibende Schwerstarbeit am Gleis gehört dort nun der Vergangenheit an - dank einer kleinen aber feinen Maschine aus dem Bordeaux.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

EU-Parlament verschiebt von der Leyens Kommissions-Start

EU-Parlament verschiebt von der Leyens Kommissions-Start

Nienburg: Händler präsentieren sich bei Autoschau

Nienburg: Händler präsentieren sich bei Autoschau

Brexit-Unterhändler arbeiten an den letzten Hindernissen

Brexit-Unterhändler arbeiten an den letzten Hindernissen

Neue E-Book-Reader: Dem kleinen Tolino geht ein Licht auf

Neue E-Book-Reader: Dem kleinen Tolino geht ein Licht auf

Meistgelesene Artikel

Grippeimpfung: Der beste Zeitpunkt ist jetzt

Grippeimpfung: Der beste Zeitpunkt ist jetzt

Im Haus verschanzt: Diepholzer bedroht Polizei mit Axt

Im Haus verschanzt: Diepholzer bedroht Polizei mit Axt

Halt in Diepholz fällt aus: Bis 14. Dezember kein Intercity am Morgen

Halt in Diepholz fällt aus: Bis 14. Dezember kein Intercity am Morgen

Hallendach droht einzustürzen - Feuerwehr pumpt Regenwasser ab

Hallendach droht einzustürzen - Feuerwehr pumpt Regenwasser ab

Kommentare