Der Ort Büngelshausen feiert am 27. Juli sein 250-jähriges Bestehen

„Wer hier reich wird, wird nie wieder arm“

Anneliese Schlake und Richard Klausen freuen sich, dass dieser alte Büngelshauser Türbalken auf Umwegen über Bremen rechtzeitig zum Jubiläum nach Büngelshausen zurückkehrt. Foto: HEINER BÜNTEMEYER

Büngelshausen - Von Heiner Büntemeyer. Nachdem der Siebenjährige Krieg (1756-1763) mit dem Frieden von Hubertusburg geendet hatte, kehrten die Soldaten in ihre Heimatdörfer zurück. Der Krieg hatte für Preußen ein gutes Ende genommen, König Friedrich II („Der alte Fritz“) war seinen Soldaten Dank schuldig und entschädigte sie mit Ländereien. Das hatte wirtschaftlich den Nutzen, dass Ödland kultiviert wurde, auch in unserer Region, wo es 1769 bereits die Dörfer Adolfshausen und Neu-Holtum gab, in denen ehemalige Soldaten gesiedelt hatten.

1769 sollten sich weitere 16 Anwärter in Martfeld ansiedeln. Das gefiel den Martfeldern überhaupt nicht. Dabei mag auch ein gewisser Neid auf die Neusiedler eine Rolle gespielt haben, denn sie brauchten fünf Jahre lang keine Steuern zu entrichten.

Aber es gab da im Norden des Dorfs bei der abgelegenen „Schanze“ noch Ödland, das wurde den ehemaligen Soldaten zugewiesen. Jedes Grundstück war vier Himtsaat (3 332 Quadratmeter) groß.

Die Büngelshauser Richard Klausen und Anneliese Schlake berichten, dass es auf dem Gelände bei der Schanze damals mindestens drei Moorkuhlen gab, die später zugeschüttet wurden, aber noch bis in die 60er-Jahre bildeten sich dort an Regentagen und im Frühjahr Tümpel.

Entlang der Straße nach Hustedt entstanden nach einem einheitlichen Plan und in gleichen Abständen zur Straße die ersten sieben Häuser. Sie zeigten mit dem Giebel zur Straße, hatten vorne rechts den Kuhstall und links den Schweinestall. Der „Halfdörsgang“ trennte den Wohnbereich von den Ställen und führte auf beiden Seiten des Hauses zu einer Seitentür. „Wenn alle Halfdörstüren geöffnet waren, konnte man durch alle sieben Häuser hindurchblicken“, berichtet Richard Klausen.

Der erste Anbauer war Peter Bünger auf der Hofstelle 119. Das bedeutet, dass es 1769 in Martfeld 118 Bauernstellen gab, da die Hausnummern bei der Fertigstellung eines Hauses fortgeschrieben wurden. Obgleich die Anbauern fünf Jahre abgabenfrei waren, führten sie ein schweres Leben, denn der Boden war von schlechter Bonität. „Wer in Büngelshausen reich wird, der wird nie wieder arm“, lautet ein Sprichwort. Es bedeutete, dass es nur extrem sparsame und fleißige Menschen in Büngelshausen zu Wohlstand bringen können. Oder sie hätten die uralte Kirchenglocke geborgen, die einer Sage nach in der „Schafskuhle“ versunken ist. In dieser Moorkuhle badeten die Hustedter Bauern vor der Schur ihre Schafe. Angeblich konnte man an stillen Abenden die Glocke schlagen und den Taucher, der bei ihrer vergeblichen Bergung ertrunken ist, rufen hören.

Wozu gehört Büngelshausen?

Inzwischen stehen in Büngelshausen 25 Häuser. Die letzten wurden vor etwa zehn Jahren errichtet. Politisch gehört Büngelshausen zu Martfeld, wo die Büngelshauser auch zur Kirche gehen und die Schule besuchen. Warum es lange Jahre hindurch postalisch zu Hustedt gerechnet wurde, weiß auch Friedrich Klausen nicht. Er kann sich nur noch an die Verzögerungen bei der Postzustellung erinnern.

Auch die Büngelshauser Schützen gehören zu Hustedt. 1962 verließen sie unter Protest den Martfelder Schützenverein, weil sich die Martfelder Schützen weigerten, ihren Büngelshauser Schützenbrüdern die Königsscheibe zu bringen. Der Weg war ihnen zu weit.

Anneliese Schlake und Richard Klausen haben die Ortsgeschichte(n) zusammengetragen und unter fachlicher Beratung durch Hartmut Bösche ist daraus eine Chronik entstanden, in der auch alle 25 Häuser dargestellt sind.

Die „Keimzelle des Dorfes, die ersten neun Häuser, sind nur noch an ihrer Lage zu identifizieren. Das erste Haus von 1769 brannte 1946 nach einem Blitzschlag nieder, die anderen Häuser wurden umgebaut und erweitert.

Nur noch Relikte erinnern an die alte Zeit

Nur Relikte sind noch vorhanden. Vor dem zweiten Haus liegt noch das alte Katzenklopfpflaster in der Hofeinfahrt und der alte Türbalken ist auch noch erhalten. Dort steht auch noch ein altes Backhaus, doch den Kuchen zum Jubiläumsfest backt Richard Klausen in seiner Bäckerei, die früher der alte Dorfladen war, und viele Frauen haben sich bereit erklärt, Torten zu backen.

„Unsere Dorfgemeinschaft funktioniert“, freuen sich Anneliese Schlake und Richard Klausen. Diese Gemeinschaft zeigte sich auch bei der Planung der Feier während eines Einwohnertreffens, als der Vorschlag gemacht wurde, das Fest in Martfeld zu feiern. „Das fehlt uns noch“, meinte die Büngelshauserin Veronika Blome, und das Thema war vom Tisch. Trotz dessen wird zum Jubiläumsfest auch Martfelds Bürgermeisterin Marlies Plate erwartet.

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