Trotz Corona immer einsatzbereit

Jahresbericht: Wetter sorgte für weniger Feuerwehreinsätze in Bruchhausen-Vilsen

Lkw nach Frontalzusammenstoß mit Feuerwehrleuten an der Einsatzstelle
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Der Frontalzusammenstoß von zwei Lkw auf der Bundesstraße 6 gehörte laut Jahresbericht zu den umfangreichsten und forderndsten Einsätzen für die Feuerwehren aus der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen im Jahr 2020.

Bruchhausen-Vilsen – Mit 187 Einsätzen liegt ein vergleichsweise ruhiges Jahr 2020 hinter den zehn Feuerwehren in der Samtgemeinde. Es liegt nahe, das auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu schieben. Doch in diesem Fall war ein anderes Phänomen verantwortlich, das für alles herhalten muss – das Wetter sorgte für deutlich weniger Löscheinsätze während der Erntezeit, erläutert Gemeindebrandmeister Michael Ullmann in seinem Jahresbericht.

Erstmals in seiner Amtszeit hielt er diesen nicht vor Kameraden in einem Feuerwehrhaus, sondern vor Pressevertretern in einem Klassenraum des Schulzentrums, der genügend Platz für Abstand bot. Die Gerätehäuser dürfen seit mehr als einem Jahr nur im Einsatz betreten werden.

Akribisch, so Ullmann, halte die Feuerwehr alle pandemiebedingten Vorgaben ein, um einsatzbereit zu bleiben. Unter den 426 Mitgliedern in den zehn Ortsfeuerwehren habe es nur „einen verschwindend geringen Anteil“ an Corona-Erkrankungen oder -Verdachtsfällen gegeben. „Ich bin stolz darauf, dass die Mannschaft so vorsichtig und bedächtig durchs Leben geht; immer im Bewusstsein, eine Kontamination zu vermeiden“, lobt er die freiwilligen Feuerwehrleute. Im Gegenzug hätten sie bei keinem Einsatz gezögert, Menschen zu retten und sich dabei grundsätzlich der Gefahr einer Ansteckung auszusetzen, betont er.

Mit 134 liege die Anzahl der technischen Hilfeleistungen in der Samtgemeinde auf dem Niveau der Vorjahre, führt Michael Ullmann aus. Darunter fallen sechs schwere Verkehrsunfälle, „die die Feuerwehren stark gefordert haben“. Für drei Menschen kam die Hilfe zu spät, sie verstarben, fünf befreiten die Einsatzkräfte schwer verletzt. Einer der Fahrer, den die Feuerwehr im November bei einem Frontalzusammenstoß zweier Lkw auf der Bundesstraße aus dem Wrack seines Fahrzeugs befreien konnte, befinde sich immer noch in Rehabilitation. „Er wird aber wieder“, berichtet der Gemeindebrandmeister über den Ausgang der aufwendigen Rettung. Bei diesem Einsatz sei das komplette Rettungsmaterial aus Bruchhausen-Vilsen und Asendorf verwendet sowie Hilfe aus Syke angefordert worden.

An diesem Beispiel macht Michael Ullmann fest, welche Konsequenzen der Lockdown für die Feuerwehren bedeutet. Abgesehen von einer kurzen Unterbrechung im vergangenen Sommer, finde seit mehr als einem Jahr keine praktische Ausbildung statt. „Dabei erwarten unsere Bürger eine professionelle Hilfe und einen erfolgreichen Einsatz, wenn die örtlichen Feuerwehren alarmiert werden“, sagt er. Voraussetzung dafür sei aus seiner Sicht, dass Feuerwehrmitglieder umgehend geimpft werden müssten (siehe Kasten).

Mit der finanziellen Ausstattung durch die Samtgemeinde als Träger des Brandschutzes zeigen sich Michael Ullmann und sein Stellvertreter Gerd Schröder zufrieden. Neue Fahrzeuge für Engeln, Martfeld und Asendorf seien planmäßig ausgeschrieben, die Umbaumaßnahmen des Gerätehauses in Süstedt abgeschlossen, in Engeln in den Startlöchern, stellt Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann die größten anstehenden Investitionen vor.

Bleibe die Inzidenz bei etwa 100, könne der Dienstbetrieb in Gruppen mit höchsten neun Teilnehmern wieder aufgenommen werden, informiert Michael Ullmann zur aktuellen Situation. Etwa die Hälfte der zehn Ortsfeuerwehren nutze die Gelegenheit. „Wir stellen das jeder Ortsfeuerwehr frei“, betont der Gemeindebrandmeister. Froh sei er, dass eine Möglichkeit gefunden wurde, dass die etwa 100 Atemschutzgeräteträger aus der Samtgemeinde ihren jährlichen Leistungsnachweis erbringen können und damit einsatzbereit bleiben. Nicht nur bei den 53 Brandeinsätzen des vergangenen Jahres waren sie ganz vorne am Geschehen beteiligt.

Die Bereitstellung von Fahrzeugen und Geräten versetze die Feuerwehren in die Lage, für die Samtgemeinde die Pflichtaufgabe des abwehrenden Brandschutzes zu übernehmen, so Ullmann. Als „dauerhaftes Problem“ bezeichnet er die wachsende Anzahl an Mitgliedern, die nicht in der Samtgemeinde arbeiten. Da auch die Anzahl der Landwirte stetig zurückgehe, stünden tagsüber weniger Einsatzkräfte zur Verfügung; und das in der flächenmäßig größten Kommune des Landkreises. Eine Entwicklung, die die Pandemie befeuern werde, befürchte er. Da die Feuerwehren seit einem Jahr auch nicht für sich werben können, sorge sich das Gemeindekommando um den Nachwuchs (siehe weiteren Bericht).

Dass die Anzahl der Aktiven im vergangnen Jahr leicht auf 416 Männer und zehn Frauen gefallen sei, sehe er jedoch noch als „normale Schwankung“ an.

„Das Ehrenamt wird unter den Folgen der Pandemie leiden, aber die Feuerwehren werden mit einem blauen Auge davonkommen, weil die Mitglieder für ihre Aufgabe brennen“, schätzt Ralf Rohlfing die Situation ein, der im Rathaus den Aufgabenbereich Feuerwehren verantwortet.

„In einem Jahr mit so vielen Veränderungen und schlechten Umständen konnte die Gemeindefeuerwehr alle ihr gestellten Aufgaben und Einsätze erfüllen“, sagt Michael Ullmann und bedankt sich, dass die Samtgemeinde die dafür erforderlichen Mittel bereitgestellt habe. „Wir waren und sind jederzeit voll einsatzbereit“, heißt das Fazit der Feuerwehrführung.

Ab Mai Impfungen für Feuerwehrleute

Noch während Gemeindebrandmeister Michael Ullmann dafür appelliert, dass Feuerwehrmitglieder dringend in der Impfpriorität aufrücken müssten, teilt das Land Niedersachsen am Dienstagabend mit, dass ab Mai auch ehrenamtliche Einsatzkräfte vorrangig geimpft werden sollen. Wie das im Landkreis oder der Samtgemeinde organisiert werden wird, blieb Dienstag noch offen. Die Gemeindefeuerwehr jedenfalls atmet auf: Nicht nur im Einsatz könnten sich geimpfte Feuerwehrleute sicherer fühlen, auch die Schulungen könnten fortgesetzt werden.

„Unsere gute Aus- und Weiterbildung ist bedingt durch die Pandemie nahezu zum Erliegen gekommen. Hier wird es in den nächsten Jahren einen erheblichen Rückstau bei den Anforderungen und Zuteilungen der Lehrgänge geben“, sagt Michael Ullmann. In den zehn Feuerwehren der Samtgemeinde warten allein 20 Nachwuchskräfte auf den Einstiegslehrgang „Truppmann 1“, der die Voraussetzung ist, um an Einsätzen teilnehmen zu können.

Kreiszeltlager 2022 in Bruchhausen-Vilsen

Weniger Personal, ein Rückstau an Aus- und Weiterbildung, gestiegene Ansprüche durch die Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus – in seinem Jahresbericht (siehe weiteren Bericht auf dieser Seite) spricht Gemeindebrandmeister Michael Ullmann von vielen Unwägbarkeiten. Auf die Ausrichtung des Kreiszeltlagers 2022 auf dem Marktplatz in Bruchhausen-Vilsen soll das alles keine Auswirkungen haben. „Wenn ein Zeltlager stattfinden kann, werden wir das auch hinbekommen“, sagt Michael Ullmann. „Das sind wir der Jugendfeuerwehr schuldig“, betont er während eines Pressegesprächs.

Seit mehr als einem Jahr sei der Betrieb in den drei Jugendfeuerwehren komplett ausgesetzt. Nicht nur durch Austritte, sondern vor allem durch das Erreichen der Altersgrenze seien zum Jahresende 2020 nur noch 49 Kinder und Jugendliche Mitglied gewesen – der mit Abstand niedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre, teilt Gemeinde-Jugendfeuerwehrwartin Ramona Raven mit.

„Der Aufwand, ein Kreiszeltlager nach zwei Jahren corona-bedingter Pause erstmals wieder durchzuführen, wird groß sein, aber wir ziehen das durch“, sagt auch Ralf Rohlfing zu, der im Rathaus den Bereich Feuerwehren verantwortet.

Von der einwöchigen Großveranstaltung verspreche sich die Feuerwehr nicht nur für die eigene, sondern auch für die gesamte Kreis-Jugendfeuerwehr eine große und wichtige Werbewirkung.

„Das Kreiszeltlager in Bruchhausen-Vilsen zu veranstalten, ist für uns eine Herzensangelegenheit“, sagt Ullmann im Namen aller zehn gastgebenden Ortswehren. Ursprünglich sollte das Lager bereits in diesem Jahr in Broksen stattfinden.

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