Weltenbummler Heinrich Mehlhop

Auf Kreuzfahrtschiffen und in Oerdinghausen zu Hause

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Auf einer Landkarte hat Heinrich Mehlhop in verschiedenen Farben seine Reiserouten eingezeichnet. Hawaii, Südafrika und die Transsibirische Eisenbahn stehen noch auf der Liste.

Oerdinghausen - Von Vivian Krause. Es ist der 11. September 2001. Heinrich Mehlhop schaltet den Fernseher an. „Ich dachte, da läuft ein Science-Fiction-Film“, erinnert er sich. Doch als auf nahezu allen Sendern die Bilder vom Terroranschlag auf das World Trade Center in New York zu sehen sind, stockt ihm der Atem.

„Ich bin so oft in diesem Gebäude gewesen, so oft auf dem Gebäude gewesen.“ Die Anschläge haben Mehlhop persönlich getroffen. Denn er reiste nicht nur mehrere Male nach New York, er lebte dort sogar für rund ein Jahr – 1974, kurz nachdem die Türme eingeweiht worden waren. „Ich war einer der Ersten, die auf der Aussichtsplattform gestanden haben“, sagt er. Big Apple war jedoch nur eine Station im Leben des 65-Jährigen, der sich selbst als „Weltenbummler“ bezeichnet.

Geboren und aufgewachsen ist Heinrich Mehlhop in Oerdinghausen. Er betreibt das Gasthaus Mehlhop, ein Familienunternehmen. Gäste, die in den Flur treten, blicken direkt auf eine riesige Weltkarte, die an einer Stellwand befestigt ist. Darauf sind in Grün, Rot und Schwarz verschiedene Routen eingezeichnet. „Privat, geschäftlich und Kreuzfahrten“, erklärt Mehlhop die Farben. Daneben Bilder von ihm auf seinen Ausflügen. „Meine Gäste wollen alles von den Reisen wissen“, sagt der Oerdinghauser.

Türen des Gasthauses sind einfach mal zu

Doch zeitweise schließt Mehlhop die Türen des Gasthauses. „Das wissen die Leute. Sie kennen mich ja“, sagt er und lacht. Denn dann heißt es für Mehlhop: Sachen packen und die Welt bereisen. Zuletzt ging es mit einem Kreuzfahrtschiff für sechs Wochen nach Neuseeland, Australien und Indonesien. Das einzig Negative: der Flug nach Auckland. „Da ist man 24 Stunden unterwegs.“ Mehlhop reist alleine, ist dabei aber niemals einsam: „Ich habe auf dem Schiff ja immer Leute um mich herum.“

Die Passion für Kreuzfahrten entwickelte er peu à peu. Seine erste führte ihn vor rund fünf Jahren nach Südamerika. Danach folgten weitere Reisen – Kanarische Inseln, Indien, Sri Lanka, Nordkap, Kanada. „Dann wagte ich mich auf eine Flusskreuzfahrt auf dem Rhein“, sagt er. „Das hätte ich nicht machen dürfen.“ Wer zuvor die Weltmeere unter sich hatte und jetzt auf einem Fluss schippert, ist mehr gewohnt. „Das bringt nichts“, sagt er lächelnd.

Das Besondere für Mehlhop bei seinen Reisen sind Land und Leute. Das Kennenlernen der unterschiedlichsten Menschen an Bord und beim Landgang fasziniert ihn. Ausflüge zur Perlenstadt Broome in Australien, die Begegnung mit Komodowaranen in Indonesien oder der Genuss von Bier nach deutschem Reinheitsgebot in Afrika. „Das schmeckt wirklich gut“, beteuert der Wirt.

Auslandseinsatz bei der UNO

Den privaten Reisen ging die berufliche Pflicht voraus. Nachdem Heinrich Mehlhop sich gegen den „früher üblichen Weg“ in der Landwirtschaft entschieden hatte, zog es den Sohn eines Land- und Gastwirts mit 22 Jahren nach Hannover. Sein Ziel: der Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei). Nach einer „ganz schön harten“ Aufnahmeprüfung folgte die Ausbildung zum Sicherheitsbeamten. Bereits nach rund zwei Jahren bekam er die Möglichkeit zu einem Auslandseinsatz bei den Vereinten Nationen (UNO), die er dankend annahm.

So kam es zum ersten Besuch der USA, zur ersten Begegnung mit New York. „Die Stadt verblüfft einen jeden Tag wieder.“ Mehlhop wohnte in einer Vierer-WG im 24. Stock in der 87. Straße in Manhattan. Auch der Lärm ist ihm in Erinnerung geblieben. „Den ganzen Tag Krankenwagen, Feuerwehr und Polizei.“ Das zu der Zeit noch extrem kriminelle Harlem war nicht weit entfernt von der Wohnung. Seine damalige Bleibe suchte er bei späteren, privaten Besuchen wieder auf.

Früher reiste er beruflich, heute privat

Die nächste berufliche Etappe: die deutsche Botschaft in Paris. „In gleicher Mission“, sagt Mehlhop. Als er ein Angebot, für rund ein Jahr nach Ankara (Türkei) zu gehen bekam, lehnte er dies ab. „Dort wollte ich nicht hin. Damit waren meine Auslandseinsätze beendet“, erinnert er sich. Es ging zunächst zurück nach Hannover.

Nach rund drei Jahren nutzte Mehlhop die nächste Chance. Er wurde Begleiter auf Flügen von ausgewiesenen Personen, die nicht freiwillig in ihr Heimatland zurückkehren wollten. Das machte er neun Jahre lang, und „das war nicht immer einfach“. Unter der Woche war er somit immer unterwegs – vorwiegend ging‘s nach Kenia, aber auch in den Sudan und nach Somalia. „Da hatte man auch Aufenthalt, wo man Land und Leute kennenlernen konnte.“ Zuweilen wurden bereits die Flüge zum Erlebnis. Einmal war zum Beispiel Vieh der Einheimischen mit an Bord.

Am Wochenende ging es nach Oerdinghausen. „Das ist meine Heimat. Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich Nachbarn, Freunde, Verwandte“, sagt Mehlhop und betont, dass er nach seinen Auslandsaufenthalten immer wieder gerne dorthin zurückkommt.

Schicksalsschläge folgten

Dann folgte ein Schicksalsschlag auf den nächsten: Zunächst ein Unfall, bei dem Mehlhop sich das Ellenbogengelenk und den Oberarm brach und für zwei Jahre krankgeschrieben war. „Doch danach bin ich nie wieder gesund geschrieben worden.“ 

Dann folgte die Pflege seiner kranken Mutter. Nach ihrem Tod fasste der Oerdinghauser den Entschluss, dass er wieder reisen würde. „Du kannst nicht immer zu Hause rumsitzen.“ Er entdeckte ein Angebot für eine Südamerikareise auf der MS Hamburg. Obwohl Mehlhop anfangs etwas skeptisch war, dachte er sich: „Das kannst du ja einmal mitmachen.“ Der Anfang einer Reise-Arie. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagt der 65-Jährige.

Die nächsten Ziele des Wirts: die amerikanische Westküste mit Hawaii, Südafrika sowie eine Reise auf der Transsibirischen Eisenbahn, der längsten Eisenbahnstrecke der Welt – und vielleicht noch einmal nach New York zum 9/11 Memorial am Ground Zero.

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