Kirche Bruchhausen-Vilsen plant Heiligabend Gottesdienst auf dem Marktplatz

Weihnachten mobile Andachten auf den Dörfern

Wegen der Abstandsregeln stehen derzeit nur wenige Plätze in den Kirchen zur Verfügung. Dieses Bild entstand bei der Ordination von Mathias Hartewieg.
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Wegen der Abstandsregeln stehen derzeit nur wenige Plätze in den Kirchen zur Verfügung. Dieses Bild entstand bei der Ordination von Mathias Hartewieg.

Br.-Vilsen – Heiligabend, kurz vor 17 Uhr. Küsterin und Kirchenvorstände suchen die Bankreihen ab, ob nicht doch irgendwo noch jemand zusammenrücken kann. Damit keine Sitzmöglichkeit übersehen wird, steigt der Pastor bereits vor dem Glockenläuten auf die Kanzel. Von dort oben überblickt er die Masse umso besser. Doch es ist kein Platz mehr in dieser Herberge. Die 550 Sitze in der Vilser Kirche sind längst besetzt, Kinder werden auf den Schoß genommen, Konfirmanden wechseln auf die Stehplätze. Alle Jahre wieder dasselbe Szenario. Volle Kirchen an Weihnachten 2020? Egal, wie sich die Corona-Lage in den nächsten fünf Wochen entwickeln wird, weder die Vilser Kirche noch irgendein Gotteshaus wird denen Platz bieten können, die in diesem besonderen Jahr das innige Bedürfnis haben, die Geburt des Heilands zu feiern. „Wir ziehen aus“, heißt die Lösung der evangelischen Gemeinden Bruchhausen und Vilsen. Geplant ist eine Laternenandacht auf dem Marktplatz.

Nein, mit einer Anfrage zu Weihnachten überrasche man sie nicht, sagt Pastorin Mareike Hinrichsen-Mohr sechs Wochen vor dem Fest. „Schon lange“ befassten sich die Beteiligten mit der Frage, wie Kirche und Menschen zusammenkommen können, wenn die Bedarf am größten ist, die Vorgaben aber nur Kleinstgruppen zulassen. Die Vilser Kirche Heiligabend corona-gerecht nur für 80 oder 90 Gottesdienstbesucher zu öffnen, in Broksen stehen sogar nur 32 Einzelplätze zur Verfügung – dieser Gedanke scheidet nahezu aus. Auf wen sollte die Wahl treffen? Auf die, die immer zur Kirche kommen? Auf die, die nur, aber gerade zu Weihnachten den Weg finden? Auf die, die sich früh genug in eine Warteschlange eingereiht haben?

In diesem Jahr haben die beiden Gemeinden reichlich praktische Erfahrungen gesammelt, wie man aus der Not eine Tugend machen kann. Dieses Repertoire soll nun das Weihnachtsfest retten.

Statt der beiden Familiengottesdienste nachmittags mit Krippenspiel und statt der beiden festlichen Christmessen am frühen Abend kommt die Kirche – nach jetzigem Stand der Planungen – zu den Menschen und vor ihre Haustüren. Nach dem Vorbild, das Pastor Florian von Issendorff im Frühjahr mit dem mobilen Abendsegen entwickelt hat.

Zwei Teams sollen Heiligabend auf die Dörfer und durch den Ort ziehen und in weihnachtlicher Atmosphäre die frohe Botschaft verkünden. Die Pastoren Mathias Hartewieg und Karsten Damm-Wagenitz machen sich in Begleitung von Kirchenmusiker Dietrich Wimmer auf den Weg und werden jeweils auch eine Krippe dabeihaben, schwebt Pastorin Hinrichs-Mohr der Ablauf vor. Um möglichst viele Menschen aufsuchen zu können, werden die einzelnen Andachten kurz ausfallen. „15, höchsten 20 Minuten“, so die aktuellen Überlegungen. „Wir können froh sein, wenn wir eine Woche vorher halbwegs verbindlich planen können“, sieht sie der Entwicklung der Pandemie und ihrer Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben entgegen.

Wie bereits erprobt, kann der Marktplatz auch unter strengen Abstandsauflagen vielen Menschen Platz bieten. Die beiden Gemeinden wünschen sich dort einen Freiluftgottesdienst am späten Abend. Dafür stehe man mit der politischen Gemeinde als Eigentümerin der Fläche im Gespräch.

Einen Plan B muss es auch für andere Gottesdienste in dieser Zeit geben. Während viele auf öffentliche Feierstunden zum Volkstrauertag verzichten, bieten die Gemeinden morgen Andachten an den Ehrenmalen an: um 10 Uhr in Broksen, um 11 Uhr in Vilsen.

Auch den mehr als 60 Verstorbenen dieses Jahres gedenken die Gemeinden am Ewigkeitssonntag in neuer Form: Die Kirche habe die Angehörigen gezielt zu fünf kurzen Andachten auf den Friedhof eingeladen. Zwischen 9.30 und 15 Uhr soll dort Raum und Zeit sein, an seine Lieben zu denken. „Viele Familien durften sich wegen der Auflagen nur im kleinen Kreis verabschieden. Manchmal konnten nicht einmal alle Enkel an der Trauerfeier teilnehmen“, erinnert die Pastorin. Unter freiem Himmel soll allen das Gedenken am Totensonntag, 22. November, ermöglicht werden.

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