Wegfalls des Sterbegelds belastet Kommunen / Wenn Angehörige ermittelt werden, müssen sie zahlen

Zahl der Sozialbeerdigungen steigt

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Sozialbeerdigungen sind oft Feuerbestattungen.

Br.-Vilsen - Von Andree Wächter. Im Haushalt der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen stehen 8000 Euro für Bestattungen. Eine Kommune ist dafür zuständig, wenn von einem Verstorbenen kein Angehöriger ausfindig gemacht werden kann, erklärt Fachbereichsleiter Volker Kammann. Und die Anzahl der sogenannten Sozialbestattungen steigt. 2010 gab es solche Fälle nicht.

In den vergangenen beiden Jahren gab es jeweils vier Sozialbeerdigungen, und in diesem Jahr sind es schon zwei. Geregelt sind deren Abläufe in den Bestattungsgesetzen der Länder. In allen Bundesländern besteht eine Bestattungspflicht.

Bei einer Sozialbestattung übernimmt die Kommune (Sozialamt) die Kosten für eine einfache Erd- oder Feuerbestattung. Voraussetzungen dafür sind: dass der Verstorbene hat kein Geld und das keine Angehörigen ausfindig gemacht werden können. Angehörige die Sozialhilfeempfänger sind, können einen Zuschuss beantragen.

Wer als Angehöriger (als erstes) zahlen muss, ist im Bestattungsgesetz festgelegt. Oben auf der Liste steht der Ehepartner, gefolgt von Kindern, Eltern und Geschwistern. Zur Zahlung können Verwandte bis zum dritten Grad herangezogen werden (Onkel, Tante, Neffe, Nichte und Urenkel). Die Bestattungspflicht ist nicht an das Erbrecht gekoppelt. Beim Ausschlagen einer Erbschaft besteht weiterhin die Pflicht zur Kostenübernahme.

Der klassische Fall in der Samtgemeinde ist, dass ein Senior im Altenheim stirbt. Sollte der Bewohner bereits Sozialleistungen beziehen und keine Sterbegeldversicherung haben, müssen die Verwandten zahlen. „Häufig sind Ehepartner, Kinder oder Geschwister schon verstorben oder haben sich zerstritten“, sagt Kammann. Zur Seuchenabwehr ordnet die Verwaltung die Beerdigung an. Feuerbestattungen sind die kostengünstigste Variante. „Ist im Testament ausdrücklich eine solche Bestattung nicht gewünscht, ordnen wir eine Sargbestattung an“, sagt Volker Kammann. Eine Feuerbestattung hat den weiteren Vorteil, dass die Urne vor der Beisetzung länger gelagert werden kann – Zeit um Angehörige zu suchen, bevor die Beerdigung stattfindet. „Ist die Suche ergebnislos, begraben wir die Urne anonym auf einem Friedhof in Verden“, sagt Kammann.

Die Suche kann durchaus über ein Jahr dauern. Werden Angehörige ausfindig gemacht, fordert sie das Sozialamt zur Zahlung auf. „Wer nicht zahlt, bekommt ein Bußgeldbescheid. Dieser wird auch vollstreckt.“

Eine Sozialbestattung kostet rund 2000 Euro. Darin enthalten sind die Leichenschau, Ausstellung einer Todesbescheinigung und die einfache, aber würdige Bestattung.

Ein Grund für die steigende Zahl von Sozialbestattungen war die Streichung des Sterbegelds durch die Krankenkassen 2004. Weitere Gründen sind, dass die Betreuung durch Pflegepersonal und die Zahlung aller Leistungen mit dem Tod enden. „Besser wäre es, wenn die Betreuung und Leistungen mit der Beerdigung enden würde“, wünscht sich Amtsleiter Volker Kammann.

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