Wolfgang Soller über seine Arbeit bei der einzigen Kunsteisbahn im Landkreis

Warten auf den „Iceman“

Die Eisbahn ist derzeit meistens gut besucht. Das ist nicht immer so gewesen. Foto: Heinfried Husmann

Bruchhausen-Vilsen - Von Janna Silinger. Um halb sechs ist Schluss. Dann greift Wolfgang Soller nach der Trillerpfeife, bläst einmal kräftig rein und ruft „Feierabend“. Einige Schlittschuhläufer schauen enttäuscht auf die Uhr. Nach und nach verlassen sie die Kunsteisbahn in Bruchhausen-Vilsen. Die kleineren Besucher brauchen ein wenig länger. Doch spätestens als Soller „Zamboni“ – den Eishobel – aus der Garage fährt, sammeln sich auch die Kinder am Rand der Bahn. „Oha ist der groß“, ruft ein kleiner Junge.

Wolfgang Soller ist der „Iceman“. Das steht auch auf seiner Jacke. Er ist die rechte und linke Hand vom eigentlichen Betriebsführer der Kunsteisbahn, dem Restaurant Dillertal. Er kennt die Bahn und die Abläufe dort besser als jeder andere. Und er weiß: „Wenn Zamboni raus kommt, ist das für die Kinder ein riesen Spektakel.“

Der Eishobel sei ziemlich alt. „Wenn der mal kaputt geht, dann haben wir ein Problem im Haushalt“, sagt Soller lachend. Neue Geräte seien teuer. Dafür sei die Technik aber ziemlich ausgefeilt. „Bei denen wird das abgeschabte Eis direkt wieder in Wasser umgewandelt und auf die Bahn gelassen.“ Das kann Zamboni nicht. Mit ihm fegt Soller das lose Eis weg und beschichtet die Fläche mit „neuem Wasser“.

Eis machen sei Sollers wichtigste Aufgabe. Damit geht es sechs Tage vor Saisonbeginn los. Jeden Tag spritzt er mit einem dicken Schlauch ein wenig Wasser auf die 1000 Quadratmeter große Fläche. Das Wasser werde mithilfe von 15 Kilometern Kühlschlangen bei einer Temperatur von minus zwölf Grad gefroren. Das wiederholt er, bis die Schicht sechs Zentimeter dick ist.

Er ist der „Iceman“ Wolfgang Soller.

Wenn es kalt genug ist, sei der Energieaufwand gering, sagt Soller. Bei Plusgraden sehe das schon ein wenig anders aus. Aber bis zu zehn Grad Celsius könne die Kühlanlage stemmen.

Die Bahn gibt es in Bruchhausen-Vilsen inzwischen seit 40 Jahren. Wie lange Soller schon mit dabei ist, kann er gar nicht genau sagen. „Aber schon sehr lange!“

Er hat einige Veränderungen mitbekommen in der Zeit. Besonders sei ihm das schwankende Interesse am Schlittschuhlaufen aufgefallen. „Früher war das total beliebt“, berichtet er. „Ich bin jetzt Mitte 50. Als ich so 16 war, gab es bestimmt zwei oder drei Wochen im Jahr, in denen wir auf zugefrorenen Teichen laufen konnten.“ Das gebe es durch die klimatischen Veränderungen heutzutage kaum noch. Vielleicht ein Mitgrund, dass das Interesse zeitweilig im Keller war. „Vielleicht auch, weil es früher keine Laptops und keine Tablets gab“, murmelt er. Die Kinder seien mehr draußen unterwegs gewesen. Im Sommer im Schwimmbad, im Winter auf der Eisbahn. „Damals hatte auch jeder eigene Schuhe.“ Auch das sei inzwischen selten. Ein Grund, warum die Eiskunstbahn in dieser Saison mit neuen Schuhen aufgerüstet hat. „Die alten waren zum Teil 40 Jahre in Benutzung.“ So lange würden die neuen mit Sicherheit nicht halten. „Das ist ja jetzt so viel Plastik dran.“

Wolfgang Soller auf dem Eishobel Zamboni. Für die Kinder ist das immer ein Spektakel. Fotos (2): Silinger

Soller freut sich trotzdem. Denn die vergangene und bislang auch diese Saison laufen ziemlich gut. Es sei eigentlich immer was los. Auf der einen Seite zu den regulären Öffnungszeiten, auf der anderen zu den Zeiten, in denen Gruppen die Bahn mieten können. Schulklassen, Vereine, Kohltourgruppen – da sei alles mit dabei.

Sehr nachgefragt seien derzeit Eishockey und Eisstockschießen. Bei Letzterem ist auch Soller selbst gern mal mit dabei. „Das macht ziemlich Spaß“, findet er. Schlittschuhgelaufen ist er in dieser Saison noch gar nicht. Zu viel zu tun habe er mit der vollen Bahn. Neben den organisatorischen Aufgaben, der Kasse, dem Kiosk, dem Verleih und der Rückgabe der Schuhe, bliebe wenig Zeit dafür. Aber das scheint ihm nichts auszumachen. Seine Aufgabe ist es, den Besuchern eine gute Zeit zu verschaffen. Dazu gehören auch die Fahrten auf Zamboni. Dann heißt es zwar: Runter von der Bahn – aber die Kinder mögen selbst das.

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