Walter Kohl (Sohn von Helmut Kohl) hält bewegenden Vortrag

Von Kraftquellen und dem biografischen Rucksack

Ja, er ist der Sohn des Altkanzlers. „Meine Bürde ist meine Herkunft, mein Name“, sagt Walter Kohl. - Foto: Elena Zelle

Ochtmannien - Von Elena Zelle. Was macht uns glücklich? Wodurch bekommt das Leben einen Sinn? Wie schließt man innerlich Frieden? Und wie schöpft man Kraft daraus? Solche schwierigen Fragen wurden am Dienstagabend im Gasthaus Puvogel in Ochtmannien gestellt.

Sehr persönlich, bewegend aber auch motivierend und unterhaltsam beantwortet hat sie Walter Kohl in seinem Vortrag „Kraftquellen für Entscheider – Versöhnung und Sinn“. Die Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen hatte den Unternehmer, Coach und Autor zum „Wirtschaftsgespräch“, einer Veranstaltungsreihe für Unternehmer, eingeladen.

Und wer sich nun fragt: „Ist das nicht der Sohn vom Kohl?“ Ja, ist er! Und schon ist man auch mitten im Thema des Abends. Denn genau diese Frage gehört zu den Dingen, die Kohl jahrelang zu schaffen gemacht hat, die er in seinem „biografischen Rucksack“ hat – so nennt er Probleme, die man in seinem Leben mit sich herumträgt. „Meine Bürde ist meine Herkunft, mein Name“, sagt Kohl. Er habe seinen Frieden damit gemacht. „Ich bin der Sohn vom Kohl.“ Und er ist inzwischen natürlich auch noch viel mehr: Buchautor, Redner, Unternehmer, Ehrenamtler, Ehemann, Vater.

Aber der Reihe nach. Um die schwierigen Fragen nach Glück und dem Sinn des Lebens beantworten zu können, sollte jeder für sich ganz konkret festlegen, was Glück für ihn im aktuellen Lebensabschnitt bedeutet, erklärt Kohl. Er selbst hat das für sich getan, zeigt vier Bilder, die das illustrieren.

Das erste Bild – ein glückliches, älteres Paar – steht für ihn für gute Beziehungen und dafür, dazu zu stehen, wer man ist und wer eben nicht. Er appelliert an die Zuhörer: „Tun Sie etwas für die wichtigen Beziehungen!“ Das zweite Bild zeigt ein lachendes Baby mit strahlenden Augen. Man muss offenbleiben, das sei die Grundvoraussetzung für Weiterentwicklung, betont Kohl. Das dritte Bild zeigt die Aussicht von einem Berg – es steht für Klarheit, wie Kohl erklärt. Er meint damit Klarheit gegenüber belastenden Dingen aber auch in Bezug auf seine Ziele: Wofür tut man etwas? Auf dem letzten Bild ist Geld zu sehen – viel Geld. Man solle sich die Frage stellen, wie man damit umgehen würde, wenn über Nacht alles weg wäre – könnte man dann noch glücklich sein? Diese Gedanken seien sehr heilsam, sagt Kohl.

Am Grab seiner Mutter, Hannelore Kohl hat sich 2001 das Leben genommen, sei ihm der Gedanke gekommen, dass man immer in drei Zeitzonen lebt: der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Dieses Bewusstsein kann man sich zunutze machen: Wer seinen Frieden mit der Vergangenheit schließe und Sinn in seiner Zukunft sehe, könne daraus Kraft für die Gegenwart schöpfen, erklärt Kohl. Er habe aus dem Suizid seiner Mutter Kraft geschöpft: Er engagiert sich ehrenamtlich als Schirmherr von Frans, dem Frankfurter Netzwerk Suizidprävention.

Diesen Dreiklang aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft illustriert für ihn eine Skulptur: Der „Felix“ ist aus Holz, besteht aus drei Köpfen und wandert im Gasthaus durch die Reihen der Zuschauer. „So erinnern sie sich hoffentlich an den Typen mit dem Holzkopf“, kommentiert Kohl.

Wie hat er es nun geschafft, seinen Frieden mit seiner Herkunft oder dem Tod seiner Mutter zu schließen? In fünf Schritten, wie er sagt. Zunächst sollte man das Anliegen definieren. Es sollte sauber formuliert sein und im eigenen Handlungsspielraum liegen – „der soll sich entschuldigen“ funktioniert also nicht. Im zweiten Schritt kommt alles auf den Tisch: Man schreibt sich selbst einen Brief, wie Kohl erklärt. Im dritten Schritt gilt es, den Schmerz zu erkennen und ihn in eine neue Antwort zu wandeln. Im vierten Schritt setzt man einen Friedensvertrag mit sich selbst auf – dieser sollte so formuliert sein, dass er mindestens zehn Jahre Bestand hat. Im fünften Schritt soll man die neue Kraft im Fluss des Alltags nutzen. So schließt Kohl seinen Vortrag – und bekommt lange Applaus. Die schwierigen Fragen nach Glück und Sinn muss zwar jeder für sich selbst beantworten, aber die Zuhörer am Dienstag haben hilfreiche Impulse bekommen.

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