Hoffest bei Meyer-Toms: Informationen, Leckereien und alte landwirtschaftliche Geräte

„Wäre nicht der Bauer, hättest du kein Brot“

Der Martfelder Bioland-Bauer August Wessel präsentierte landwirtschaftliche Utensilien von früher.

Schwarme - Von Regine Suling. Wie er den niedersächsischen Landwirtschaftsminister auf seinen Hof gelockt hat? „Ich habe gar nichts dazu getan“, sagte Landwirt Hermann Meyer-Toms am Sonntag lachend, als auf seinem Betrieb der landesweit stattfindende „Tag der Regionen“ von Christian Meyer (Grüne) offiziell eröffnet wurde.

Die Organisatoren hätten dem Minister wohl gesagt, er müsse sich hier sehen lassen, unkte Meyer-Toms, der bereits seit 16 Jahren seinen Bioland-Betrieb regelmäßig am „Tag der Regionen“ öffnet und mit immer wieder neuen Ideen die Besucher begeistert. So wurde sein Hoffest am Sonntag zur Zentralveranstaltung des diesjährigen „Tags der Regionen“ auserkoren – und auch Ulf Schmidt als stellvertretender Landrat und Schwarmes Bürgermeister Johann-Dieter Oldenburg, beide ebenfalls anwesend, freuten sich darüber.

Ob Informationen direkt vom Imker, von der Umweltschutzorganisation Greenpeace oder über Wildkräuter, ein kulinarischer Genuss wie eine Bio-Bratwurst oder das selbst gemachte Eis vom Thedinghäuser Bio-Betrieb Böse-Hartje: Das Gebotene war vielfältig.

Die erwachsenen Besucher ließen sich Kürbissuppe, Kartoffeln und Kuchen schmecken und klönten dabei ausgiebig, während die Kinder spielten. - Fotos: Regine Suling

Auch der Martfelder Bioland-Bauer August Wessel war mit von der Partie. „Wäre nicht der Bauer, hättest du kein Brot“, stand in großen Lettern an seinem Trecker. Der 85-Jährige präsentierte einige Utensilien, die die Landwirte einst genutzt hatten. Einen Pflug zum Beispiel, der komplett aus Holz gefertigt und früher mit Blech beschlagen war. Eine Flachsbrache von 1869 hatte Wessel ebenfalls dabei, mit der die Schale von der Pflanze gelöst wurde. Eine hölzerne Schale hatte einst als Messgerät gedient: „Da passte soviel Saatgut rein, wie man für die Aussaat auf einem Himtsaat benötigte.“ Die alte Maßeinheit entspricht etwa der Fläche von einem Drittel Morgen, also rund 800 Quadratmetern. Auch das Vorderteil eines Webstuhls von 1828 gehört zum Fundus von August Wessel. „Das habe ich auf dem Sperrmüll gefunden“, sagte der Landwirt, dem das Bewahren des Vergangenen wichtig ist.

Zwischen Hokkaidosuppe und Kartoffeln aus einer großen Pfanne erfuhren die Besucher mehr über den neu gegründeten Verein „Kiebitz“, dessen Vorsitzender Hermann Meyer-Toms ist. Der Fokus liegt auf der Arbeit mit Kindern, die er und Jutta Grabowski auf dem Hof bieten. „Außerdem wollen wir hier noch mehr Kulturarbeit machen“, sagte Hermann Meyer-Toms. Aber ohne dabei in Konkurrenz zu den Veranstaltungen in Robberts Huus in Schwarme zu treten, stellte er klar. „Wir möchten einfach die Kultur noch mehr beleben, mit dem Hof im Hintergrund.“

Hoffest auf Hof Meyer-Toms in Schwarme

Schon eine ganze Weile kooperiert Meyer-Toms mit „stadtland-plus“ aus Bremen. „Wir wollen die Stadt-Land-Beziehungen der Verbraucher verbessern“, erklärte am Sonntag Angela Wilhelms, Vertreterin der Firma. So ernteten kürzlich rund 50 Kinder aus einer Bremer Kindertagesstätte bei einem Ausflug zum Hof Meyer-Toms Kürbisse – und nahmen am Ende jeweils einen mit nach Hause. „Die Kinder sollen sehen und schmecken“, erklärte Hermann Meyer-Toms, und Angela Wilhelms ergänzte, dass eine Mutter nach der Aktion erstmals Kürbis zu Brot verarbeitet habe. Das sei ein Beispiel dafür, wie gut Information und Vernetzung über Kinder funktionieren könnten – vom Land in die Stadt.

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