Drastische Konsequenz

G.d.S. Martfeld: Vorsitzender Friedrich Holtorf tritt aus Interessengemeinschaft aus

Zwei Männer in einem Frühlingsgarten
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Friedrich Holtorf (rechts) musste aus der G.d.S. Martfeld austreten, um das Amt des Vorsitzenden abgeben zu können. Seine Aufgaben übernimmt vorerst kommissarisch Jürgen Rosenhagen.

Martfeld – Der Weihnachtsmarkt im Dezember, die passende Beleuchtung im ganzen Ort dazu, der „Service-Bus“, der in der Region einmalig ist und Menschen zum Einkaufen nach Martfeld bringt: Die Aktivitäten der Gemeinschaft der Selbstständigen (G.d.S.) Martfeld sind vielfältig. Allein die Bereitschaft, sich als Vorsitzender zu engagieren, fehlt. Seit Jahren findet sich kein Nachfolger für Friedrich Holtorf.

Und solange die Pandemie keine Neuwahlen zulässt, muss Holtorf laut Satzung weiter im Amt bleiben. Dem entzog er sich jetzt durch einen drastischen Schritt: Der amtierende Vorsitzende trat aus der G.d.S. aus.

Ein formaler, aber bewusster Schritt, wie er im Gespräch mit der Kreiszeitung darlegt. Nur so ist der Weg frei, dass sein Stellvertreter den Posten übernehmen kann. Zumindest kommissarisch.

Zur Erinnerung: Mehrfach hatte sich Friedrich Holtorf bereit erklärt, seine Amtszeit um jeweils ein Jahr zu verlänger. Immer mit dem Appell an die Mitgliedschaft, in dieser Zeit einen Nachfolger zu finden. Sogar die Satzung änderte der Verein, um einen Geschäftsführer beschäftigen zu können, der das Tagesgeschäft übernehmen und damit den Vorsitzenden entlasten könnte. Vergebens – ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin fand sich auch durch diese Maßnahme nicht. Somit zog Friedrich Holtorf die Konsequenzen und verließ die G.d.S. Martfeld.

„Das war die einzige Möglichkeit, um mein Amt als Vorsitzender niederzulegen“, sagt der 70-Jährige. Ansonsten hätte er bis zur Wahl eines Nachfolgers im Amt bleiben müssen. „Ich hatte meinen Rücktritt aber doch dreimal angekündigt“, sagt Friedrich Holtorf, der das Bedürfnis hatte, Fakten zu schaffen.

Damit ist sein Stellvertreter Jürgen Rosenhagen nun kommissarischer Vorsitzender. „Ich habe jetzt die Mütze auf“, sagt der ebenfalls 70-Jährige. „Mein Bemühen geht dahin, dass wir einen Vorsitzenden finden“, erklärt Jürgen Rosenhagen.

Er selbst stieg als junger Martfelder in die G.d.S. ein und wünscht sich, dass jetzt andere Selbstständige nachrücken. Seit 27 Jahren gibt es die G.d.S. – „jetzt muss die jüngere Generation ran“, sind sich Holtorf und Rosenhagen einig. 42 Mitglieder zählt die G.d.S. aktuell. In der Vergangenheit organisierte sie Gewerbeschauen wie die „Martfelder Meile“ oder beteiligte sich an der Messe „regiolife“ in Bruchhausen-Vilsen. „Riesige Gewerbeschauen wird es nicht mehr geben“, glaubt Jürgen Rosenhagen. Der Aufwand dafür sei einfach zu hoch, meint er.

Als Friedrich Holtorf 2013 die Leitung des Vereins übernahm, habe er „ein Trümmerfeld“ vorgefunden. Von seinem Vorgänger habe er keinerlei Unterlagen erhalten. Er arbeitete die Mitgliederliste auf, stellte die monatliche G.d.S.-Sonderseite in der Kreiszeitung auf die Beine, auf der sich Mitgliedsbetriebe vorstellen können, und organisierte regelmäßige Treffen zu bestimmten Themen. Friedrich Holtorf kümmerte sich um die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung und die Organisation des vergünstigten Einkaufs von Strom und Gas für die G.d.S.-Mitglieder. Die Selbstständigen unternahmen zudem einige Tagesfahrten. Die Containerverladung in Hamburg sei ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben, erinnert sich Friedrich Holtorf.

Dass er aus der G.d.S. austreten musste, um sich von seinem Amt zu trennen, gefiel ihm nicht. „Das ist das erste, was wir an der Satzung ändern müssen, wenn wir uns wieder treffen dürfen“, unterstreicht Jürgen Rosenhagen. Er findet aber auch klare Worte zum weiteren Vorgehen: „Wenn sich kein neuer Vorsitzender findet, muss der Verein abgewickelt werden.“ Das hätte sichtbare Konsequenzen für den ganzen Ort: „Dann gibt es keinen Service-Bus, keinen Weihnachtsmarkt und auch keine Weihnachtsbeleuchtung mehr“, sagt Friedrich Holtorf.

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