1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Bruchhausen-Vilsen

Vorlesen und Höhle bauen

Erstellt:

Kommentare

Verwaiste Klassenzimmer und leere Fahrradständer an einem Dienstagvormittag mitten im Schuljahr. Die Aufnahmen entstanden am Gymnasium. Fotos: Oliver Siedenberg
Verwaiste Klassenzimmer und leere Fahrradständer an einem Dienstagvormittag mitten im Schuljahr. Die Aufnahmen entstanden am Gymnasium. Fotos: Oliver Siedenberg

Samtgemeinde - Von Anne-katrin Schwarze. In der Samtgemeinde können sich die Menschen offenbar selbst recht gut helfen. Gestern musste nur eine Familie die Notbetreuung ihrer schulpflichtigen Kinder in Anspruch nehmen.

Nach Stand der Dinge dürfen die Eltern mit Berufen, auf die man während der Corona-Krise nicht verzichten kann, ihre Kinder in die öffentlichen Einrichtungen schicken. Dort muss eine Betreuung von 8 bis 13 Uhr vorgehalten werden. Lediglich in der Grundschule Bruchhausen-Vilsen musste von dieser Ausnahmeregelung gestern eine Familie Gebrauch machen. „Wir haben einen Plan, nach dem die Lehrkräfte abwechselnd für die Betreuung eingesetzt werden“, schildert Schulleiter Lutz Hoffmeyer.

Wie Einzelunterricht müsse man sich das aber nicht vorstellen. „Es wird hier nicht im Lernstoff vorweg gearbeitet.“ Die Klassenlehrer haben ihre Schüler für die zwei Wochen bis zu den regulären Osterferien und die drei zusätzlichen schulfreien Tage nach Ostern mit Arbeitsblättern versorgt. „Anhand dieser Aufgaben können die Kinder vertiefend üben, was bisher durchgenommen wurde“, erklärt der Schulleiter.

Für den Jahrgang vier zum Beispiel sind das Aufgaben aus den Fächern Mathematik und Deutsch. „Ich hoffe, Dir und deiner Familie geht es gut“, leitet eine Lehrkraft ihren Arbeitsplan ein. „Ich möchte, dass du jeden Tag eine Stunde lang konzentriert arbeitest“, bittet sie die Kinder, die seit Montag die Schule nicht besuchen dürfen, um eine Ansteckung mit dem und eine Verbreitung des Corona-Virus zu vermeiden. Eine halbe Stunde sollen sich die Schüler Aufgaben aus dem Fach Deutsch widmen, eine weitere halbe Stunde mathematischen Fragen. Außerdem sollen sie, nicht nur während dieser zusätzlichen freien Zeit, jeden Tag etwa zehn Minuten laut vorlesen.

Gerade von diesem Lernprogramm kann auch die übrige Familie profitieren, die in den meisten Fällen wohl ebenfalls zu Hause sein muss. Eine Vorlesezeit kann etwas Gemütliches haben und an den ungewohnt langen Tagen zu Hause für Abwechslung sorgen. Asendorfs Schulleiter Torben Wittmershaus macht darüber hinaus auf der Homepage der Schule Vorschläge, wie man „diese gewonnene Familienzeit auch nutzen“ könne. Die Kinder können Bücher lesen und über das Programm Antolin (www.antolin.de) Fragen zum Buch beantworten. „Falls Sie die Zugangsdaten nicht mehr haben, wenden Sie sich an die Klassenlehrkraft“, schlägt er Eltern vor. „Spielen Sie mit Ihrem Kind Gesellschaftsspiele oder bauen Sie vielleicht eine Höhle“, heißt eine weitere Idee gegen allzu große Langeweile. Manchmal müsse ein Kind jedoch auch Langeweile haben, „denn Abwarten und Aushalten gehört zur Entwicklung dazu“, macht er denen Mut, die sich zu Hause nicht den ganzen Tag ausschließlich mit ihren Kindern im Grundschulalter beschäftigen können. Letzter, wenn nicht wichtigster Punkt in seiner Liste: „Da sein!“

Auch das Gymnasium versorgt seine Schüler über die Klassenlehrer mit Aufgaben, um die tägliche Routine des Lernens aufrechtzuerhalten. Diese Aufgaben werden nicht benotet, sondern sollen helfen, das Gelernte über die unerwartet lange Freizeit von mindestens fünf Wochen zu festigen. Darüber hinaus schlägt Schulleiterin Lisa Peitzmeier-Stoffregen auf der Homepage ausgewählte Medienangebote vor. Für Kinder zwischen sieben und 13 Jahren halte der NDR jetzt das zusätzliche Programm „Mikado Extra“ vor. „Täglich von 9 bis 13 Uhr helfen dort Hörspiele, Lesungen und unterhaltsame Wissensangebote, den langen Vormittag zu strukturieren.“ Eine weitere Empfehlung vor allem für ältere Schüler: Der Bildungskanal ARD-alpha.

Alle Schulen sind derzeit vormittags über die Nummer des Sekretariats erreichbar sowie über die allen Eltern bekannte E-Mail-Adresse. „Am liebsten ist uns eine Kommunikation über E-Mail“, bittet Lutz Hoffmeyer. Auf diesem Kanal erreichten ihn bisher zahlreiche Rückmeldungen. „Alle waren im Ton sehr nett. Diese Zeit schweißt offenbar zusammen“, beobachte er. „Diese Situation ist für uns alle neu. Wir schaffen das!“, ermutigt er die Familien seiner knapp 300 Schützlinge.

Auch interessant

Kommentare