Gabriel spricht über Patriotismus, Bücher und den Tod

Gunter Gabriel: „Die Vilser vertragen ungehobelte Sprüche“

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Gunter Gabriel war mit dem Publikum in Bruchhausen-Vilsen sehr zufrieden: „Alles bestens hier bei euch!“ - Foto:

Br.-Vilsen - Gunter Gabriel ist mit Abstand der liebste Interviewpartner unseres Reporters Ulf Kaack. Fragen muss man sich vorher nicht zurechtlegen, denn das Urgestein der deutschen Schlager-, Country und Rock-’n’-Roll-Musik erzählt gern und viel, so Kaacks Erkenntnis aus mehreren Begegnungen. Gabriel spricht schnörkellos und geradeaus. Im Umfeld seines Auftritts beim Maifestival im Vilser Ortskern trafen die beiden sich auf einen Plausch.

Gunter, fühlst du dich wohl hier, so tief in der Provinz mit einer Lkw-Ladefläche als Bühne?

Gegen den Ort, aus dem ich stamme – Bünde in Westfalen – ist Bruchhausen-Vilsen eine pulsierende Metropole. Das Publikum ist gut drauf und verträgt ganz offensichtlich meine ungehobelten Sprüche ganz gut. Beleidigt weggelaufen ist keiner, so weit ich gesehen habe. Also: Alles bestens hier bei euch!

Seit Kurzem wohnt ein Kollege von dir hier in Bruchhausen-Vilsen, und das nur wenige Meter entfernt: Nino de Angelo. Seid ihr euch mal begegnet?

Klar, das ist in der Branche unumgänglich. Ich kenne Nino noch von ganz früher her, über meinen Kumpel und Weggefährten Drafi Deutscher, der ihn entdeckt hat. Er war damals noch ganz am Anfang, schoss dann mit „Jenseits von Eden“ kometenhaft nach oben, um anschließend umso heftiger abzustürzen. Er hat den kurzen Ruhm in vollen Zügen und über Maßen ausgekostet, ist dabei fast vor die Hunde gegangen. Keiner hat ihn behütetet vor dem, was auf ihn anrollt. Freut mich, dass Nino offensichtlich wieder auf Kurs ist. Diese Lebenslinien verbinden uns, denn meine ist ähnlich, wahrscheinlich noch extremer. Was uns noch verbindet, sind unsere Namen: De Angelo bedeutet der Engel. Und Gabriel? Der Erzengel.

Du hattest in der Vergangenheit gesundheitlich zu kämpfen. Bist du wieder fit?

So fit wie man eben ist mit 75. Jeden Morgen, wenn ich aufwache, denke ich ans Sterben. Nicht aus Angst, das tut man wohl in dem Alter ganz einfach. Aber ich habe noch nicht vor, hier die Platte zu putzen. Zwei Herzinfarkte habe ich überstanden. Da ist nichts nachgeblieben, meine Pumpe läuft einwandfrei. Auch die Vergiftung, die ich mir durch einen Schlangenbiss im Dschungelcamp eingefangen habe, ist restlos auskuriert. Alkohol trinke ich nicht mehr, Drogen sind eh seit ewig kein Thema mehr. Und auch die Zigaretten lasse ich seit einiger Zeit konsequent aus dem Hals. Einzig mein Übergewicht plagt mich. Ich bin zu fett und das geht auf meine Gelenke. Dringend muss ich mal wieder Fasten und Sport treiben.

Maimarkt mit Gunter Gabriel

Und der branchenübliche Stress?

Stress habe ich nicht, kenne ich nicht. Ich bin Musiker, und mein Job ist es, meine Songs vor Leuten zu spielen. Egal, ob das ein Wohnzimmer-Konzert in einem Dixi-Klo – das hab ich schon gemacht – ist, ein netter Gig vor ein paar hundert Menschen wie hier im sonnigen Bruchhausen-Vilsen oder vor einem Millionenpublikum im TV. Das befeuert mich, das inspiriert mich, das ist mein Leben. Wenn ich hier bei euch fertig bin, geht’s gleich weiter nach Hannover zu einem Benefizkonzert für einen guten Zweck. Das ist kein Stress, das ist pure Lebensfreude.

Du lebst seit über zwei Jahrzehnten auf deinem Hausboot auf der Elbe in Hamburg. Hast du Kontakt zu der dort sehr lebendigen Musik- und Medienszene?

Nur ganz verhalten. Kontakt ja, zu alten Weggefährten wie Lindenberg oder Lechtenbrink. Der Rest interessiert mich nicht. Ich treibe mich auch nicht in den einschlägigen Locations rum, wo der vermeintliche Glamour sich trifft. Ich bin ein bekennender Einzelgänger und am liebsten allein auf meinem Boot oder eben bei euch auf der Bühne.

Du giltst als sehr belesen. Welches Buch hast du gerade in der Mache?

Momentan komme ich gerade mal dazu, die großen Tageszeitungen zu lesen. Es stapeln sich so einige Titel bei mir, Sachbücher die sich mit Themen aus Wirtschaft und Politik auseinandersetzen. Seit meiner Jugend habe ich meine Nase immer wieder in einem monumentalen Werk. Ich nenne es das Grundbuch: „Der alte Mann und das Meer“ von Ernest Hemingway. Mit fortschreitendem Alter wird es mir immer wichtiger.

Eben auf der Bühne hast du eine Gitarre gespielt, die in den deutschen Nationalfarben lackiert ist. Warum?

Weil ich dieses Land liebe und ein Patriot bin. Meine Wurzeln liegen ganz tief in der Country-Musik, deren wesentliches Element der Patriotismus ist. Auch Johnny Cash, mein Freund und Weggefährte, brannte für sein Land, egal welche Scheiße in den Staaten gerade verzapft wurde. Ich bekenne mich zu Deutschland und den Menschen hier, denn das ist meine Heimat. Die Gitarre habe ich übrigens 1972 in New York gekauft. Der Lackierer in Manhattan wusste mit der Farbkombination Schwarzrotgold nichts anzufangen. Ein typischer Ami. Dort nimmt man Europa kaum zur Kenntnis, so meine Erfahrung.

Willst du Botschaften mit deinen Songs vermitteln?

Nur bedingt. Ich bin kein Lehrmeister und kein Ideologe, jeder muss schlussendlich mit sich selber klarkommen. Ich habe halt nur eine Menge Erzählenswertes erlebt in meinem Leben, woraus die Menschen ihre eigenen Schlüsse ziehen können. Höhen, vor allem aber Tiefen. Dabei habe ich riesige Fehler gemacht, für die ich teuer bezahlt habe. Von meinem Geld wurden diverse Kindergärten und Schulen finanziert, hoffentlich keine Panzer.

Was kann man in Zukunft noch von dir erwarten?

Ganz sicher jede Menge kleine und große Live-Konzerte. Außerdem gibt es zwei Angebote für Fernsehshows mit mir als Moderator. Da bin ich gerade am Verhandeln. Und ein neues Album ist auch schon lange mal wieder fällig. Songs habe ich reichlich geschrieben, die müssen nur noch aufgezeichnet werden. Nennen wir das alles mal einen kreativen Schwebeprozess.

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