Henning Rodekohr aus Bruchhausen-Vilsen

Vilsa-Chef im Interview: Rückbesinnung auf Glasflaschen

In vierter Generation führt Henning Rodekohr die Firma Vilsa-Brunnen.

Br.-Vilsen - Von Burkhard Peters. Heiße Sommer und Gesundheitsbewusstsein bescheren den deutschen Mineralwasserbrunnen ein dickes Umsatzplus – auf der anderen Seite bringen Politik und Verbraucherschützer simples Leitungswasser, das nicht erst über weite Strecken herbei geschafft werden muss, als klimafreundliche Alternative zu Mineralwasser ins Gespräch.

Henning Rodekohr, Geschäftsführer der Firma Vilsa-Brunnen in Bruchhausen-Vilsen, spricht mit kreiszeitung.de* über Chancen und Sorgen der Branche.

Der zweite Hitzesommer in Folge endet. Knallen bei Ihnen die Sektkorken?

Nein, mitten in der Saison schon gar nicht, vielleicht am Ende eines guten Jahres. Je heißer es ist, desto größer der Absatz. Wir müssen sehen, dass wir bei hoher Nachfrage vernünftig liefern können. Kommt genug Leergut zurück, können unsere Zulieferer genug Verschlüsse bereitstellen, reichen die Lagerflächen, fahren genug Lastwagen? Unsere größte Herausforderung ist die Logistik. Lücken lassen sich in einem Sommer wie diesem nicht immer vermeiden, aber im Großen und Ganzen haben wir das gut gemeistert.

Welche Produkte verkaufen sich am besten? Limonaden oder Mineralwasser?

Eindeutig Mineralwasser. Hierbei greifen die Kunden am liebsten zu Medium mit einem mittleren Kohlensäure-Gehalt. Auch unser leichtperliges Wasser mit sehr wenig Kohlensäure entwickelt sich gut. Bis in die 1970er-Jahre dominierte die Limonade in unserem Sortiment klar, heute verkaufen wir zu 80 Prozent Mineralwasser. Die übrigen 20 Prozent Schorlen und Limonaden aus. Bei denen geht der Trend zu leichten Produkten mit wenig Kalorien.

Viele andere Hersteller setzen auf kalorienfreie Zero-Limonaden mit Süßstoffen. Eine Option für Sie?

Vilsa ist Natur pur. Bei uns wird es keine Süßstoffe geben, das passt nicht zu unserem Selbstverständnis. Unsere Spritzer-Produkte bieten Fruchtgeschmack völlig ohne künstliche Aromen und mit leichter Kohlensäure bei gerade 15 Kalorien auf 100 Milliliter. Unser Mineralwasser mit einem Hauch Zitronengeschmack ist sogar komplett kalorienfrei.

Auf dem Mineralwasser-Markt tummeln sich viele namhafte Marken, aber auch viele Discount-Produkte. Wo steht Vilsa?

Vilsa ist, gemessen am Absatz, die zweitstärkste deutsche Mineralwassermarke und die stärkste inhabergeführte. Wir haben uns aus einer starken Kernregion heraus entwickelt. Einen Schub brachten die 1980er-Jahre. Damals kam die Diskussion um zu viel Natrium in der Nahrung und auch im Wasser auf. Da setzte ein starkes Umdenken ein, das die gesamte Brunnen-Landschaft durcheinandergewirbelt hat. Davon konnten wir profitieren. Heute bekommt man Vilsa-Produkte sogar in Süddeutschland in einigen Supermärkten.

Ist der Export für Sie ein Thema?

Der läuft im Moment noch auf sehr kleiner Flamme, vor allem in den Nahen und Mittleren Osten und nach Südostasien. Im Moment ist das noch kein großes Geschäftsfeld, für die Zukunft schließe ich aber ein größeres Volumen nicht aus.

Der Trend geht zu Glasflaschen.

Ja, Glas ist unser stärkstes Wachstumssegment. Wir haben schon vor einigen Jahren reagiert und Glasflaschen gestaltet, die auch auf einer festlichen Tafel gut aussehen. Der nächste Schritt ist unsere Ein-Liter-Genießerflasche in den Sorten naturelle und medium mit einer aufgeprägten Wald-Landschaft.

Hand aufs Herz: Schmeckt Vilsa-Wasser aus Glasflaschen besser?

Ansichtssache. Aber auf jeder unserer PET-Kunststoffflaschen steht, dass sie kühl, lichtgeschützt und trocken gelagert werden sollte. Geschieht das, nimmt die Verpackung keinen Einfluss auf den Geschmack des Getränks. Anders sieht es aus, wenn ein Kunde eine PET-Flasche zum Beispiel über lange Zeit im heißen Auto liegen lässt, dann kann das Wasser einen Fehlgeschmack bekommen. Der ist absolut unschädlich, es setzt sich lediglich ein Aroma aus der Flasche im Getränk ab. Die Reklamationsquote ist äußerst gering – die Kunden beanstanden gerade eine von fünf Millionen PET-Mehrwegflaschen.

Während die Zeitschrift Ökotest Vilsa classic aus der PET-Flasche in ihrer Juli-Ausgabe mit „sehr gut“ bewertet, hat ausgerechnet der Stiftung Warentest Vilsa medium kürzlich bei einem Vergleich nicht so gut geschmeckt. Es bekam so gerade noch die Note „befriedigend“. Wie erklären sich solch gravierende Unterschiede?

Ökotest überlässt die Bewertung des Geschmacks komplett den Verbrauchern. Bei Stiftung Warentest macht der Sensorik-Test, an dem sieben Personen beteiligt sind, die Hälfte der Note aus. Also alles rein subjektiv. Bei den Laborwerten vergibt auch Stiftung Warentest die Noten „sehr gut“ und „gut“ an Vilsa. Würde es so gruselig schmecken, wäre es bei den Kunden sicherlich nicht so beliebt. Das Deutsche Institut für Servicequalität hat Vilsa im März als Kundensieger bei Mineralwassern ausgezeichnet.

Stiftung Warentest müsste ja Ihr Lieblingsfeind sein. Sie suggeriert den Verbrauchern, dass die Qualität von Leitungswasser aus dem Hahn der von Mineralwasser gleichkommt.

(Lacht). Ich habe keine Feinde. Wir haben in Deutschland tatsächlich die Situation, dass wir Leitungswasser trinken können, ohne gleich krank zu werden. Was aber immer zu bedenken ist: Leitungswasser ist etwas ganz, ganz anderes als Mineralwasser von ursprünglicher Reinheit. Es kann auf sehr verschiedene Weise gewonnen werden und chemische Zusätze enthalten. Von den 120 Litern, die jeder Mensch rechnerisch täglich verbraucht, trinken wir nur einen Liter, Tee und Kaffee schon mit eingerechnet. Den Rest verbrauchen wir für die Dusche, das WC oder die Waschmaschine. Es wäre ein Frevel, hierfür kostbares Mineralwasser zu verwenden. Leitungswasser wird im Wasserwerk getestet, bis zum Verbraucher legt es einen langen Weg zurück, unter Umständen noch durch alte Bleileitungen. Darin steht es oft über Stunden, bis der Verbraucher den Hahn wieder aufdreht. Solche mikrobiologischen Risikofaktoren berücksichtigt Stiftung Warentest bei einem Vergleich mit Mineralwasser nicht.

Wir haben zwei Dürresommer in Folge erlebt. Bereitet Ihnen der Klimawandel Sorgen?

Natürlich, aber nicht in Hinblick auf die Quelle. Wenn es bei Hitze zu Engpässen kommt, liegt das an logistischen Herausforderungen wie ausbleibendem Leergut, nicht an fehlendem Wasser. Wir bleiben deutlich unter dem, was wir fördern dürften. Wir haben ein sehr enges Monitoring, wie viel Wasser wir entnehmen können, ohne dass die Qualität leidet oder die Quelle gar versiegen würde. Wir haben viermal so viele Mess- wie Entnahmestellen. Dadurch bekommen wir ein gutes Bild, was unter der Erde los ist und können die Entnahmemengen berechnen. Unsere Natur ist für uns das höchste Gut. Deshalb setzten wir uns auch für ihren Schutz und Erhalt ein.

Zur Info: Vilsa in Bruchhausen-Vilsen

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis in das Jahr 1908 zurück. Damals wurde im Luftkurort Bruchhausen-Vilsen vor den Toren Bremens eine Mineral-Quelle entdeckt. Seit 1928 befindet sich das Unternehmen Vilsa-Brunnen in vierter Generation in Familienbesitz und beschäftigt 450 Mitarbeiter. Pro Jahr werden etwa 500 Millionen Flaschen abgefüllt, bei hoher Nachfrage bis zu 2,5 Millionen Flachen am Tag.

*kreiszeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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