Bluttat: Landgericht verurteilt 33-Jährigen

Vier Jahre Haft für vorsätzlichen Vollrausch

Asendorf/Verden - Von Wiebke Bruns. Für die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Verden besteht kein Zweifel, dass der Angeklagte (33) aus Süstedt am 22. Dezember 2015 einen 83 Jahre alten Mann in Asendorf-Hohenmoor getötet hat. Wegen einer nicht auszuschließenden Schuldunfähigkeit wurde er nicht – wie angeklagt – wegen Totschlags verurteilt, sondern wegen vorsätzlichen Vollrausches zu vier Jahren Haft. Weil Schwerkriminalität als einziger Haftgrund somit nicht mehr bestand, wurde der Haftbefehl aufgehoben – und der Familienvater sofort aus der Untersuchungshaft entlassen.

An besagtem Dezemberabend hatten der Angeklagte, dessen Onkel und der Bruder des Getöteten auf dem Hof des Opfers ein Schwein geräuchert und dabei reichlich getrunken. Der 83-Jährige hielt sich in seiner Wohnung auf. Die anderen Männer saßen draußen im Bereich von Wohnwagen, in denen der Onkel des Angeklagten damals lebte.

Nach Überzeugung der Ersten Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt hat sich der Angeklagte gezielt „raufgesoffen auf 3,4 bis 3,5 Promille“. Er habe sich vorsätzlich in den Rausch versetzt, weil er wusste, dass er dann strafrechtlich nicht belangt werden könne.

Das Gericht konnte nur schwer Licht in das Dunkel des Geschehens bringen. Der Angeklagte schwieg. „Der Onkel hat von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht und der Bruder des Getöteten hat keine Erinnerung“, hieß es in der Urteilsbegründung. Der 62-Jährige war ähnlich stark betrunken wie der Angeklagte.

Die Schwurgerichtskammer stützt sich in ihrem Urteil auf objektive Spuren. Es stehe fest, „dass der Angeklagte die Person gewesen ist, die den 83-Jährigen getötet hat“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk: „Der 83-Jährige wurde mit 20 Stichen beziehungsweise Schnitten getötet und ihm wurde die Kehle durchgeschnitten.“ Außerdem war der Senior gewürgt worden.

In Betracht gezogen habe man als Täter auch den Onkel des Angeklagten und den Bruder des Getöteten, doch anders als diese Männer habe nur der Angeklagte Blut des Opfers an seinen Fingern gehabt und „großflächige Blutspritzer auf der Oberbekleidung“. Der Angeklagte wurde von der Polizei schlafend auf dem Hof gefunden. „Neben ihm lag ein Messer, so dass kein Zweifel bestehen kann, dass er den 83-Jährigen getötet hat“, so Stronczyk.

In ihren Plädoyers stellten die Verteidiger Mirko Roßkamp und Raban Funk klar: Für sie war es ein fahrlässiger Vollrausch, sie forderten eine Bewährungsstrafe. Das Gericht blieb aber nur knapp unter dem Antrag der Ersten Staatsanwältin, die viereinhalb Jahre Haft forderte.

Weil kein Hang zum übermäßigen Konsum von Alkohol bestehe, so hieß es, muss der 33-Jährige auch nicht in eine Entziehungsanstalt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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