Gästeführer durch die Vergangenheit

So viel Geschichte steckt in Broksen

+
Diese Sandsteinplatte nahe dem Amtshof wurde 1561 anlässlich der Hochzeit von Albrecht II., Graf von Hoya, und Katharina von Oldenburg angefertigt.

Bruchhausen-Vilsen - Von Regine Suling. Der Garten im Brokser Amtshof atmet Geschichte. Und ist noch dazu malerisch gelegen. Da waren sich alle Gäste der Führung einig, die Dieter Borcherding kürzlich anbot. Dem Motto „In 1 000 Schritten durch Alt-Bruchhausen“ folgten Alteingesessene und Neubürger, neugierig auf das, was der Gästeführer ihnen über die gewichtige Geschichte Bruchhausens berichten würde.

Entscheidender Stopp war der Amtshof. Während sich heute in diesem Gebäude eine Zahnarztpraxis befindet, beherbergte es in den vergangenen Jahrhunderten Edelmänner, Grafen und viele Adlige mehr. 1257 fand es erstmals als mittelalterliche Burganlage seine Erwähnung. Danach übten dort 17 Grafen ihre Regierung aus. „Die Grafschaft Hoya gab es 400 Jahre“, erklärte Dieter Borcherding. „Danach kamen die Welfen für 150 Jahre. Und 1866 dann die Preußen für noch mal 50 Jahre.“

Bewegte Jahrhunderte, von denen der Amtshof und das Gelände ringsherum noch heute zeugen. Die Gäste der Führung durften einen Blick in den sonst nicht frei zugänglichen Garten werfen. Und schauten sich bei dieser Gelegenheit eine Sandsteinplatte an, die von der Hochzeit Graf Albrechts II. und Catharina von Oldenburg im Jahr 1561 zeugte. Als Catharina schließlich 1620 verstarb, war das ein besonderes Ereignis. „Das war eine pompöse Beerdigung, der Sarg wurde von einem Acht-Spänner gezogen“, erzählte Dieter Borcherding.

Dieter Borcherding (links) hat bei der Führung viel Spannendes zu erzählen.

Auch ein Klosterstein ist im Garten zu finden. Er stammt vom verfallenen Kloster Heiligenberg und sollte einst für den Wiederaufbau des zerstörten Schlosses in Bruchhausen verwendet werden. Als Graf Otto VIII. 1582 in Hoya ohne Erben verstarb, fiel sein Besitz an die Welfen. Die verbrachten fortan in Bruchhausen ihre Sommerfrische. So wie Sophie Dorothea, Herzogin von Braunschweig und Lüneburg und Großmutter von Friedrich dem Großen. Von ihrem Mann vernachlässigt, entwickelte sich eine Liebe zu Philipp Christoph Graf von Königsmarck. „Beide schrieben sich Liebesbriefe auf Französisch, mit unsichtbarer Tinte, und ließen die Briefe von Boten austauschen“, erzählte Dieter Borcherding. „Ich möchte nur Sie alleine in der Welt sehen“, schrieb Sophie Dorothea an ihren Geliebten. Als ihre Liaison und ihre gemeinsam geplante Flucht bekannt wurde, verschwand von Königsmarck im Hannoverschen Schloss spurlos – vermutlich hatte Sophie Dorotheas Gatte, Kurfürst Ernst August von Braunschweig-Lüneburg, seine Finger im Spiel. Es könnte Mord gewesen sein.

Feier zu Ehren von Sophie Dorothea im September

Eine spannende Geschichte, die dabei stets eine Verbindung nach Broksen hat. Daher soll Sophie Dorothea zu Ehren in diesem Jahr im September in Bruchhausen eine kleine Feier stattfinden.

Die Gäste der Führung verweilten lange mit Dieter Borcherding im Garten des Amtshofs und schritten dann weiter, erst zur Kirche und anschließend zu einem Fachwerkgebäude, das heute eine Hausarztpraxis beherbergt. „Früher war Bruchhausen ein eigenes Amt. Dann wurden die Ämter Hoya und Bruchhausen zusammen gelegt. Und in diesem Gebäude war der Verwaltungssitz des zweiten Verwaltungsbeamten“, berichtete Dieter Borcherding. In Neubruchhausen sei das Gebäude abgebrochen und in Bruchhausen wieder aufgebaut worden.

Seit 1882 hatte die Meliorationsgenossenschaft Syke-Bruchhausen-Hoya in dem Gebäude ihren Sitz. „Das war damals die größte Bodenvermessungsmaßnahme in Europa“, sagte Borcherding. In Hoya stach man die Weser an und nutzte deren Wasser, um die Wiesen und Weiden im Gebiet Bruchhausen und Thedinghausen durch einen eigens gebauten Kanal zu bewässern. „300 Menschen, überwiegend Wanderarbeiter, haben den Kanal damals ausgeschachtet.“

Wie viel Geschichte in den Brokser Gebäuden steckt, überraschte die Teilnehmer der Führung. Manchmal indes fehlten die Gebäude, so wie die Brokser Schlosskapelle. Oder die Schule. „Die Schule wurde in Martfeld wieder aufgebaut“, wusste der Gästeführer. „Warum ist der Bürgersteig heute so breit?“, wollte Borcherding von seinen Gästen wissen. Achselzucken. „Da war früher ein Burggraben, der vier bis fünf Meter breit war“, nannte er die verblüffende Antwort. Genau an dieser Stelle sei später der Bürgersteig entstanden.

Wer selbst einmal die Führung „In 1 000 Schritten durch Alt-Bruchhausen“ mitmachen möchte, meldet sich im „TourismusService“, Telefon 04252/930050.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Sparsam arbeiten: So pariert man ein Rinderfilet

Sparsam arbeiten: So pariert man ein Rinderfilet

Xi Jinping warnt vor Gefahren für China

Xi Jinping warnt vor Gefahren für China

Citroën C3 Aircross im Test: Aufbruch ins Abenteuerland

Citroën C3 Aircross im Test: Aufbruch ins Abenteuerland

Von Braeburn bis Boskoop: Kochen und Backen mit Äpfeln

Von Braeburn bis Boskoop: Kochen und Backen mit Äpfeln

Meistgelesene Artikel

Kein Engagement gegen Atomwaffen: „Bund nimmt totale Zerstörung in Kauf“

Kein Engagement gegen Atomwaffen: „Bund nimmt totale Zerstörung in Kauf“

Brockumer Großmarkt: „Einzäunung und Entsorgung werden verbessert“

Brockumer Großmarkt: „Einzäunung und Entsorgung werden verbessert“

Kreislandwirt befragt Landtagswahl-Kandidaten in Rehden

Kreislandwirt befragt Landtagswahl-Kandidaten in Rehden

Beratung für Gründerinnen im geschützten Rahmen

Beratung für Gründerinnen im geschützten Rahmen

Kommentare