Hoffnung auf Gebäude für vier Millionen Euro

Kinderheim „Kleine Strolche“ soll erweitert werden

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Bernhard Schubert vor dem Grundstück, auf dem das neue Kinderheim-Gebäude entstehen soll.

Asendorf - Von Julia Kreykenbohm. Die sieben Kinder lächeln aus dem Rahmen ihrer Bilder heraus, die auf einem Schränkchen stehen. Drei Jungen und vier Mädchen. Sie wirken fröhlich, gesund, völlig normal. Das schreckliche Schicksal, was sie hinter sich haben, sieht man ihnen auf den Fotos nicht an. Ihnen wurden Knochen gebrochen, sie wurden an Pädophile verkauft und missbraucht. Nicht von Fremden – sondern von den eigenen Eltern.

Jetzt sind sie vorerst sicher, können so etwas wie eine Kindheit genießen. Denn nun leben sie bei Anja und Bernhard Schubert aus Asendorf, in einem der zwei Gebäude des Kinderheims „Kleine Strolche“. Das Ehepaar, das das Kinderheim vor neun Jahren gegründet hat und bis heute leitet, bietet den Kleinen durch diese besondere Wohnsituation direkten Familienanschluss. „Wir können ihnen zeigen, dass das Leben auch positive Dinge bereithält. Aber die seelischen Verletzungen können wir kaum heilen, das Urvertrauen nicht wieder reparieren, die Schäden, die sie durch Drogenmissbrauch schon im Mutterleib genommen haben, nicht wieder ausgleichen“, sagt Bernhard Schubert bedrückt, während er seine Schützlinge betrachtet.

Durch diese besondere Wohnsituation ergeben sich aber auch Gefahren für die Eheleute, denn die Eltern der Kinder sind nach wie vor entschlossen, ihren Nachwuchs zurückzuholen und schrecken dabei vor absolut nichts zurück. Eine Situation, die Schubert auch aus dem Haupthaus des Kinderheims kennt, denn auch dort tauchen regelmäßig erboste Eltern auf, bedrohen die Mitarbeiter und fordern ihre Kinder zurück. Aus diesem Grund wird das Gelände rund um die Uhr videoüberwacht.

Bewohner sind bis zu sechs Jahre alt

Doch von dieser Gefahr ist im Kinderheim nichts zu spüren. Fröhliches Kreischen und Plappern dringt durch die Räume des ehemaligen Bauernhauses. In einem großen Zimmer ist so etwas wie ein Mini-Kindergarten eingerichtet, denn „diese Kinder sind so traumatisiert, dass sie den Ablauf in einem normalen Kindergarten gar nicht verkraften würden“, erklärt Schubert. Ein kleines Mädchen schnappt sich ein Spielzeugauto und hält es ihm strahlend hin, ohne ein Wort zu sagen. Schubert lächelt zurück und streicht ihr über das blonde Haar.

Ihm und seiner Frau liegen die Kleinen, die alle nur bis zu sechs Jahre alt sind, am Herzen. Sie sollen nicht nur „untergebracht“ werden, sondern sich wohl und geborgen fühlen, damit die körperlichen und seelischen Wunden heilen können. Deswegen sind die Räume liebevoll gestaltet, bunte Bilder hängen überall und jede Menge Spielzeug wartet auf die kleinen Gäste. Doch es gibt inzwischen auch ein Problem: zu wenig Platz.

Darunter leiden die Mitarbeiter, die einen anspruchsvollen und kräftezehrenden Job haben. 16 von ihnen müssen sich in einen Besprechungsraum für zwölf Personen zwängen. Im Büro kann nur einer arbeiten, so dass sich bei der Dienstübergabe die übrigen mit ihren Laptops irgendwo ein Plätzchen suchen müssen. Die Verwaltung selber hat überhaupt keinen Raum mehr im Gebäude.

Schubert und drei Mitarbeiter arbeiten seit rund einem Jahr in einem Container auf dem Gelände, in dem es im Sommer brütend heiß und im Winter kalt ist. Sie sind ausgezogen, weil in der oberen Etage des Hauses ein großzügiger Wohnbereich für vier Mütter und ihre Kinder entstanden ist. Zwei Küchen, geräumige Bäder und gemütliche Schlafzimmer stehen ihnen zur Verfügung. „Wir haben alles so eingerichtet, dass wir auch selber dort wohnen wollen würden.“ Eine junge Mutter schaut herein und bestätigt: „Hier ist es anders, als in anderen Einrichtungen, in denen ich war.“

Container-Situation kein Dauerzustand

Doch die Container-Situation ist auf Dauer kein Zustand. Deswegen möchte das Kinderheim sich vergrößern. Ein kompletter Neubau mit zwei Etagen und einem Kellergeschoss soll auf dem benachbarten Feld entstehen. „Doch darin sollen nicht nur Verwaltungsräume untergebracht werden“, sagt Schubert, während er nach draußen auf das Gelände tritt, wo einige Kinder an den Spielgeräten toben. „Wir möchten auch weitere Therapieräume bauen, um Platz für Gespräche zu schaffen, und auch Zimmer für ältere Kinder zu haben, wenn beispielsweise die großen Geschwister mitkommen.“

Zudem soll die Betreuung der Säuglinge, die bisher nur in einem Raum stattfindet, einen kompletten Wohnbereich bekommen. „Die Mitarbeiterinnen sind Tag und Nacht bei den Kleinen, da wäre es schön, wenn sie auch eine kleine Küche für sich hätten.“ Somit gebe es auch Platz, um „medizinisch schwere Fälle“ zu versorgen – das heißt Kinder, die so schwer misshandelt wurden, dass sie beatmet oder rund um die Uhr überwacht werden müssen.

Schubert bleibt am Zaun stehen und blickt auf das Feld, das im Moment von Raps überwuchert ist. Knapp vier Millionen Euro wird der Neubau insgesamt kosten, der auch vom Land gefördert wird (wir berichteten). Doch ohne weitere Sponsoren oder Investoren wird es ein langer, schwieriger Weg werden, dabei ist der Bedarf schon jetzt da.

Ein kleines Mädchen kommt zu Schubert und möchte wissen, was hier vor sich geht. „Wir machen einen Bericht für die Zeitung, damit die Leute wissen, dass wir dort ein neues Gebäude bauen möchten“, erklärt er und deutet auf das Feld. „Das geht nicht“, empört sich das kleine Mädchen. „Da wohnt doch schon der Frosch!“ Schubert lacht: „Der zieht dann einfach ein bisschen näher zum Waldrand.“

Wer das Kinderheim beim Bau des neuen Gebäudes als Spender oder Investor unterstützen möchte, kann sich auf der Homepage der „Kleinen Strolche“ unter www.kinderheim-kleine-strolche.de unter der Rubrik Spenden informieren. Telefonisch ist das Heim unter 05022 /9446653 zu erreichen.

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