Verwaltung informiert sich vorsorglich über Flüchtlingsunterbringung in Hallen

Für „Notfall-Szenario“ gewappnet sein

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Bruchhausen-Vilsens Ordnungsamtsleiter Volker Kammann schaute sich in der BBS-Sporthalle Nienburg um.

Br.-Vilsen - Ordnungsamtsleiter Volker Kammann spricht von einem „Notfall-Szenario“, das nach seiner Hoffnung niemals eintreten wird. Aber falls doch, dann will er gewappnet sein. Deshalb schaute sich der Mitarbeiter des Rathauses Bruchhausen-Vilsen am Montagnachmittag in der Sporthalle der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Nienburg um, die in der nächsten Zeit als Notunterkunft für Flüchtlinge dienen soll. Auch in Bruchhausen-Vilsen eine Turnhalle zu diesem Zweck umzufunktionieren, dafür gebe es derzeit „keine aktive Planung“, betont Kammann. „Aber wir müssen Vorsorge treffen für das, was auch auf uns zukommen könnte.“

135 Flüchtlinge wohnen aktuell in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, bis Februar sollen nach jetzigem Stand noch 106 dazu kommen. Bisher fährt die Samtgemeinde mit ihrem Unterbringungskonzept sehr gut: Die Flüchtlinge leben dezentral untergebracht in extra gemieteten Wohnungen. „Zurzeit werden uns von Vermietern noch 22 freie Wohnungen angeboten. Wenn wir alle belegen, kommen wir bis Februar über die Runden“, zeigt sich Kammann zuversichtlich.

Weniger optimistisch blickt er allerdings auf die neuesten Zahlen für 2016: „Aus den aktuellen Ankündigungen von Bund und Land ergibt sich rechnerisch, dass von Februar bis Juli noch weitere 193 Flüchtlinge kommen“, sagt er. „Heute ist nicht abzusehen, dass wir bis dahin viele Abgänge haben. Wo sollen wir noch so viele Wohnungen hernehmen?“

Auch wenn plötzlich ohne großen Vorlauf ein Bus mit neuen Flüchtlingen in Bruchhausen-Vilsen ankommen würde, könnte es eng werden. So geschehen im August: Da erfuhr die Samtgemeinde vier Tage vorher von der Ankunft zwölf weiterer Personen. „Wir hatten Glück, dass wir für sie schnell zwei große Wohnungen finden konnten. Bei 50 Leuten könnte das aber anders aussehen“, sagt Kammann.

In der jetzigen Situation setze sich jeder vorausschauende kommunale Mitarbeiter mit verschiedenen Varianten auseinander. Und so sei es naheliegend gewesen, sich in der frisch mit Feldbetten hergerichteten, aber am Montag noch nicht bezogenen Nienburger Halle umzugucken. „Ich konnte einiges mitnehmen“, sagt der Ordnungsamtsleiter. Sollte es in Bruchhausen-Vilsen irgendwann nötig sein, dass Flüchtlinge in einer Sporthalle leben, würde er versuchen wollen, ihre Privatsphäre so gut wie möglich zu wahren: „Ich würde Feuerwehr-Zelte in der Halle aufstellen, jede Familie hätte dann in einem Zelt ihren persönlichen Bereich.“

Zunächst aber hofft Kammann, dass es nicht soweit kommen wird. Die Samtgemeinde sucht weiterhin nach Mietwohnungen (Ansprechpartner ist Dirk Meyer, Telefon 04252/391212). Außerdem sieht Kammann die Politik auf Bundes- und Landesebene gefragt, sich mit neuen Möglichkeiten der Unterbringung von Flüchtlingen in geeigneten Immobilien zu befassen. Abzuwarten sei ferner, ob Deutschland die Menschen aus sogenannten sicheren Herkunftsländern zeitnah abschieben werde. Etwa 60, 70 Prozent der in Bruchhausen-Vilsen lebenden Flüchtlinge stammen laut Volker Kammann aus dem Balkan, könnten also betroffen sein.

Um auf Nummer sicher zu gehen, werden er und seine Kollegen sich im nächsten Schritt mit den Örtlichkeiten und den Nutzungen der heimischen Turnhallen beschäftigen und prüfen, ob und welche überhaupt infrage kämen, um Flüchtlingen ein Zuhause auf Zeit zu bieten. „Wir müssen vorbereitet sein, damit man uns im Notfall nicht auf dem falschen Fuß erwischt“, sagt Kammann. „Aber wir hoffen, dass es nicht soweit kommt.“

mah

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