Vom Zuschauerbereich an den Ratstisch: Tuschendorferin kandidiert für zwei Gremien

Verena Hruby will die Seiten wechseln

Verena Hruby

Tuschendorf - Von Mareike Hahn. Schon jetzt ist sie aus den Ratssitzungen in Martfeld nicht wegzudenken: Kaum eine Einwohnerfragestunde, in der Verena Hruby keine „Missstände“ anprangert. Auch in den politischen Gremien der Samtgemeinde hat die 37-Jährige aus Tuschendorf bereits für einigen Wirbel gesorgt. Jetzt will sie die Seiten wechseln – vom Zuhörerbereich an den Ratstisch. Hruby kandidiert bei der Kommunalwahl auf der Liste der CDU für den Martfelder Gemeinderat und den Samtgemeinderat Bruchhausen-Vilsen.

Wer Hruby kennenlernt, der merkt schnell, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. So war es auch, als 2013 das verpflichtende Mittagessen in den Krippen der Samtgemeinde eingeführt wurde. Mit dieser Pflicht und mit der Qualität der Gerichte war die zweifache Mutter ganz und gar nicht zufrieden – und machte das gegenüber der Verwaltung auch deutlich. „Da habe ich das erste Mal nachgefragt, warum was eigentlich wie ist und wer das entscheidet“, sagt sie. „So fing ich an, mich mit der Politik zu beschäftigen. Und stellte fest, dass kaum Leute mit kleinen Kindern in den Gremien sitzen.“ Wenn es nach Hruby geht, soll sich das bald ändern. „Man muss sich engagieren, wenn man was bewegen will.“

Vor anderthalb Jahren schloss sie sich dem niedersächsischen Mentoring-Programm „Politik braucht Frauen!“ an. Der Martfelder Sozialdemokrat Michael Albers war ihr Mentor. „Ich habe aber gemerkt, dass es mit der SPD nicht so passt“, sagt Hruby. „Ich habe den größeren Interessenschnitt mit der CDU. Also nahm ich Kontakt auf – und wurde mit offenen Armen aufgenommen.“

Zurzeit ist Hruby, deren jüngstes Kind zwei Jahre alt ist, in Elternzeit; bald möchte die gelernte Informatikerin ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens fortsetzen. „Die Konstellation lässt mir viel Zeit, mich in der nächsten Wahlperiode zu engagieren.“

Auch wenn Hruby mit ihrer forschen Art nicht überall auf Gegenliebe stößt – mangelnden Einsatz kann ihr schon jetzt keiner vorwerfen. Da überrascht es nicht, dass die Liste ihrer Ziele lang ist. Da wäre zunächst einmal Martfeld: Die Gemeinde müsse selbstständig bleiben und einen Vollbürgermeister bekommen, fängt Hruby an. Ein umfassendes Straßen- und Verkehrskonzept sei nötig, auch um den Schulweg sicherer zu gestalten. „Wir müssen ganz aktiv Fördermittel einwerben, um den Radwegebau und die Dorfentwicklung voranzutreiben“, ergänzt die 37-Jährige.

Um die Wirtschaftsbetriebe in Martfeld zu erhalten, wolle sie sich für individuelle Förderungen einsetzen. Ein solider Finanzhaushalt liege ihr ebenso am Herzen wie die Grundsicherung: „Wir müssen die Einkaufsmöglichkeiten erhalten und die Leerstände reduzieren. Die Politik muss dafür alles tun.“ Ferner wünsche sie sich in Martfeld einen Mehrgenerationenplatz mit Aufenthaltsqualität für die Erwachsenen und Spielmöglichkeiten für die Kinder. „Wir müssen das Dorfleben wieder in Gang bringen und dafür sorgen, dass sich die Bürger beteiligen.“

Dass viele Neuerungen viel Geld kosten, ist Hruby bewusst. Sie glaubt, dass Fördergelder den Kommunen finanziell weiterhelfen können. Eine Steuererhöhung in den kommenden fünf Jahren wolle sie verhindern.

Sparpotenzial sieht Hruby in Sachen Wohnbauförderung in Martfeld: „Das war sicher erst mal sinnvoll. Aber die Gemeinde muss so attraktiv werden, dass die Leute auch ohne Förderung herkommen wollen.“

Auf Samtgemeindeebene hat sich Hruby den Erhalt aller Schulstandorte auf die Fahnen geschrieben. Im Sozialausschuss möchte sie für die Wünsche der Eltern rund um Kindergarten und Krippe streiten – und beispielsweise flexiblere Öffnungszeiten durchsetzen. „Außerdem haben wir eine große Personalfluktuation in den Kindergärten. Dafür muss es einen Grund geben, und den müssen wir beheben.“ Gleichzeitig fordere sie mehr Transparenz und Mitsprache seitens der Eltern.

Die Tuschendorferin hat das Gefühl, dass „sich die jetzigen Ratsmitglieder zu wenig engagieren. Es fehlt an frischen Ideen und dem Willen, sie auch umzusetzen.“ Und genau das will sie ändern.

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