Anekdoten aus der Vergangenheit

Verein „Gesellschaft für Familienkunde im Kreis Hoya“ aus Martfeld betreibt regionale Ahnenforschung

Henns Harries und der Verein „Gesellschaft für Familienkunde im Kreis Hoya“ beschäftigen sich mit der Ahnenforschung im Altkreis Hoya.
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Henns Harries und der Verein „Gesellschaft für Familienkunde im Kreis Hoya“ beschäftigen sich mit der Ahnenforschung im Altkreis Hoya.

Martfeld – Die Faszination über die Ortsgeschichte und die persönliche Historie vieler Familien ist es, die die Mitglieder des Vereins „Gesellschaft für Familienkunde im Kreis Hoya“ mit Sitz in Martfeld immer wieder aufs Neue motiviert, weiter zu recherchieren und neue Bücher zu schreiben.

„Momentan arbeiten wir vor allem an Ortsfamilienbüchern“, erzählt Henns Harries, Vorsitzender des Vereins. „Diese Bücher sollen keine Konkurrenz zu den Dorfchroniken sein“, unterstreicht er. Vielmehr basierten sie auf den Kirchenbüchern, in denen sämtliche Daten über Familien enthalten seien – und durchaus auch über deren unehelichen Kinder oder Häuslinge.

Auf diese Weise möchte der Verein alle Ortschaften des Altkreises Hoya abbilden. „Gerade beschäftigten wir uns mit Asendorf“, verrät der Vorsitzende. Aber auch Bücken, Martfeld, Oiste, Magelsen, Eitzendorf, Wechold und Schwarme sollen folgen. „Die Daten werden dann nach den Familiennamen strukturiert“, berichtet der Vorsitzende. Sie werden aber auch um Anekdoten und Wissenswertes angereichert, um nicht nur nackte Zahlen präsentieren zu können. So haben die Pastoren in Blender beispielsweise die Namen der ehelichen Kinder waagerecht und die der unehelichen Kinder hochkant in die Kirchenbücher geschrieben.

Die Daten, die sich in den Ortsfamilienbüchern niederschlagen, stammen aus den Jahren 1583 bis 1910. Geburten der letzten 110, Hochzeiten der vergangenen 80 und Todesfälle der letzten 30 Jahre dürften aus Datenschutzgründen noch nicht ausgewertet werden. Insofern entschieden sich die Aktiven im Verein für einen Zeitraum bis 1910. Dafür werden nicht nur die Ortskirchenbücher ausgewertet, sondern auch die anderer Gemeinden. Zum Beispiel dann, wenn Menschen in die Orte gezogen oder aber weggezogen seien. „Dann holen wir uns die Daten aus den anderen Kirchenbüchern“, so Henns Harries.

Die Ortsfamilienbücher sollen später einmal in Buchform verkauft werden, eventuell auch als CD. Die Daten aus Asendorf hat der Verein aktuell online auf seiner Webseite www.familienkunde-hoya.de veröffentlicht – praktisch als Testlauf. „Wir wollen sehen, wie das angenommen wird“, sagt Henns Harries.

Darüber hinaus plant der Verein, die „Zeitschrift für Familienkunde und Geschichte“ in unregelmäßigen Abständen kostenlos als PDF-Dokument herauszugeben. Das seien immer etwa 20 bis 30 Seiten, in denen es um Flurbezeichnungen oder Dorf- und Familiengeschichten gehe.

Bei seiner Arbeit beschäftigt sich der Verein mit dem Kreis Hoya, der von 1889 bis 1932 bestand. „Wir gehen aber auch in Randgebiete und machen auch Ortsfamilienbücher für die Gemeinden Wietzen und Balge“, erzählt Henns Harries. Warum er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter so ein großes Engagement an den Tag legen, hat er schnell erzählt. „Weil wir Lust dazu haben.“ Und weil sie bei der Recherche immer wieder auf spannende Ereignisse und neue Erkenntnisse stoßen. Dass Adelige mit einem Fackelzug in Hoya bestattet wurden oder ein Kind mit sechs Fingern an der Hand geboren worden sei, zum Beispiel.

Manchmal stolpern sie aber auch über Namen, deren Bekanntheitsgrade bis in die Gegenwart hineinreichen: Bei seiner Arbeit für das Ortsfamilienbuch Eitzendorf und für den Höfeteil der Eitzendorfer Chronik stellte Henns Harries fest, dass die Familie des Grünen-Politikers Jürgen Trittin ursprünglich aus Eitzendorf komme. Einer der Söhne sei 1750/60 nach Delmenhorst gegangen. „Und von ihm stammt Jürgen Trittin ab“, berichtet er.

Von Regine Suling-williges

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