Martfelder sorgen sich um Boden und Wasser

Verdächtiger „Gülletourismus“

Martfeld - Der „Gülletourismus“ bereitet dem Martfelder Gemeinderat Sorgen. „Hier kommen Zigtonner mit Gülle her, nicht aus der Region, sondern vermutlich aus Vechta“, sagte Sozialdemokrat Michael Albers bei der jüngsten Ratssitzung. „Sie fahren in erster Linie zu Feldern von auswärtigen Landwirten. Darauf steht dann tagelang eine Handbreit Dünger. Das versaut uns Boden und Wasser.“ Gleichzeitig betonte der Ratsherr, dass die heimischen Bauern von seiner Kritik ausgenommen sind: „Sie wissen, wie viel Dünger auf ihre Felder aufzubringen ist.“

Um sich über das Thema zu informieren, hatte die SPD-Fraktion angeregt, Heinz Hermann Wilkens von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen einzuladen. Der Mitarbeiter des Ressorts „Ländliche Entwicklung“ („Güllebehörde“) berichtete über den „Güllekataster“. Der niedersächsische Landtag habe die Einführung dieses Katasters zur Erfassung der agrarischen Nährstoffströme 2014 beschlossen, um „Grundwasser und Boden zu schützen“.

Wilkens schilderte das Prozedere: Nach der Ermittlung der Nährstoffmengen, die in den landwirtschaftlichen Betrieben anfallen, stelle sich die Frage, ob der organische Dünger (also die Gülle) auf den eigenen Flächen verwertet werden könne oder abgegeben werden müsse. Wenn eine Abgabepflicht bestehe, müsse geprüft werden, ob die Landwirte sie einhalten. Außerdem gelte es zu kontrollieren, ob die Betriebe die Gülle im Rahmen der Vorgaben verwerten können.

Bevor das Land die neue, „effiziente düngerechtliche Kontrolle“ einführen kann, muss es jedoch erst mal auf eine Novellierung des Bundesgesetzes warten, die zurzeit in Arbeit ist. Und auch danach werden die Mitarbeiter der „Düngebehörde“ kein leichtes Spiel haben. Sie können schließlich nicht die 2,6 Millionen Hektar Ackerland in Niedersachsen persönlich kontrollieren. Deshalb soll laut Wilkens eine Datenbank helfen.

Ein Ziel ist, den derzeitigen Stickstoff-Überschuss zu reduzieren. „Ohne eine Minderung des Überangebots ist mittel- bis langfristig eine Verschlechterung der Gewässerqualität zu erwarten“, sagte Wilkens. Wie viel Stickstoff auf ein Feld ausgebracht werden darf, ist festgelegt, bei Verstößen drohen Bußgelder. Der Grenzwert liegt bei 170 Kilo Stickstoff aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft (Gülle, Mist, Kot) pro Hektar und Jahr.

Dass diese Obergrenze immer eingehalten wird, bezweifelte Heinrich Lackmann (Unabhängige Liste Martfeld): „Wenn man sieht, was auf manche Flächen gepumpt wird und dass die Tanker sogar nachts kommen – das ist doch sehr verdächtig.“ Wilkens riet, im Verdachtsfall stets die „Düngebehörde“ anzurufen. Er ist unter Telefon 0441/801366 erreichbar. 

mah

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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