Veränderungssperre betrifft auch Bauvorhaben von Landwirt Loerke

Keine Ausnahme für Maststall in Schwarme

Schwarme - Von Charlotte Reinhard. Es bleibt dabei: Im nördlichen Teil des Schwarmer Bruchs darf bis zu zwei Jahre lang nicht gebaut werden – ohne Ausnahme. Nachdem der Schwarmer Rat eine Veränderungssperre zum Bebauungsplan „Bruchlandschaft“ erlassen hatte (wir berichteten), diskutierten die Politiker am Montagabend in Robberts Huus darüber, ob sie für das Bauvorhaben von Landwirt Martin Loerke eine Ausnahme zulassen. Loerke will im Bruch einen Maststall für 84 000 Hähnchen errichten.

Ziel der Veränderungssperre ist es, Bauvorhaben zu verhindern, die den Zielen des Bebauungsplans (B-Plan) für das Schwarmer Bruch widersprechen. Der B-Plan hat die Intention, die Bruchlandschaft als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schützen.

„Zusätzliche Baumaßnahmen könnten dem favorisierten Landschaftskonzept zuwider laufen. Eine Ausnahme sollte besser nicht zugelassen werden“, meinte Gemeindedirektor Bernd Bormann, nachdem er den Ratsmitgliedern und den etwa 30 anwesenden Schwarmer Einwohnern die Sachlage noch einmal geschildert hatte.

„Wir vergeben Gestaltungsmöglichkeiten, wenn wir eine Ausnahme zulassen“, meinte auch Hermann Schröder (Unabhängige Wählergemeinschaft Schwarme UWG). Von einem Anwaltschreiben, das Loerke zwei Tage zuvor an die Ratsmitglieder verteilt hatte, wolle Schröder sich nicht beeindrucken lassen: „Die Anwälte drohen mit Regressforderungen wegen der Verzögerung des Baus. Wir haben uns entschlossen, einen B-Plan zu erstellen und das ist unser gutes Recht. Unsere Fraktion ist dafür, keine Ausnahme zuzulassen.“

Loerke verteilt Anwaltschreiben

Klaus Meyer-Hochheim (CDU) war anderer Meinung: „Herr Loerke hat alles richtig gemacht: Er hat sich wegen seines Bauvorhabens mit uns zusammengesetzt und uns nach einer Fläche gefragt. Lassen wir die Ausnahme nicht zu, wird er sein Bauvorhaben nicht umsetzen können. Wenn nicht in diesem Gebiet, wo dann? Landwirtschaft scheint hier nicht mehr erwünscht zu sein.“ Bormann erinnerte daran, dass noch nicht sicher sei, ob der B-Plan für das Bruch zugelassen werde. „Ob der Stall an anderer Stelle errichtet werden kann, das muss geprüft werden“, sagte er. „Aber es stimmt doch, dass der genannte Standort im Bruch am weitesten von Wohnhäusern entfernt ist“, warf Jens Otten (CDU) ein.

Albrecht Apmann (Einzelkandidat) machte seine Position deutlich: „Ich bin gegen den B-Plan für die Bruchlandschaft. Landwirtschaft, die sich entwickeln will, muss raus aus dem Wohngebiet. Keiner wollte für Loerke aktiv werden. Ich bin für eine Ausnahme.“

„Es wird hier der Anschein geweckt, dass gegen die Landwirtschaft gewettert wird, aber das ist nicht so“, entgegnete Miriam Kristionat (UWG). Mit Verweis auf die anwesenden Einwohner sagte sie: „Es geht um das Wohl der Bürger, die nicht so zahlreich erschienen wären, wenn es nur um einen weiteren Acker ginge. Die Frage ist, wie viel Schwarme noch verkraften kann.“

Nils Bienzeisler (SPD), Georg Pilz (SPD), Hermann Schröder, Ute Behrmann (UWG), Miriam Kristionat, Frank Menke (UWG) und Hermann Meyer-Toms (UWG) stimmten gegen eine Ausnahme, Albrecht Apmann, Jens Otten, Klaus Meyer-Hochheim und Frank Tecklenborg (SPD) waren dafür.

Auf Antrag von Hermann Schröder besprachen die Ratsmitglieder den Punkt „Stellungnahme der Gemeinde“ getrennt von der Beratung über eine Ausnahme von der Veränderungssperre. Der Rat stimmte darüber ab, ob er trotz fehlender Aussagen zu Auswirkungen von Schwebeteilchen-Wolken auf Flora und Fauna eine abschließende Stellungnahme zu Loerkes Bauvorhaben abgeben kann und ob er die Erschließung des Bauvorhabens als gesichert ansieht. Fast alle Politiker enthielten sich, nur zwei Mitglieder stimmten dafür.

Rubriklistenbild: © dpa

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