Erster Bauabschnitt abgeschlossen

Ursprünglichkeit und Moderne treffen sich im Alten Pastorenhaus in Martfeld

Personen in einem Fachwerk-Rohbau
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Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft zusammen mit Zimmermeister Tassilo Turner (rechts).

Martfeld – Im Jahr 1535 ließ der von einem Meierhof in Martfeld stammende Geistliche Otto Homfeld, nachdem er hierfür zuvor die Erlaubnis seines Hoyaer Landesherrn Graf Jobst II. erhalten hatte, im dortigen Pfarrgarten „Auf der Wurth“ ein eigenes Haus errichten. Um dieses Haus herum errichtete man später ein größeres Hallenhaus, in dem dann das Pastorenhaus über Jahrhunderte verborgen blieb.

Im vergangenen Jahr wurde unter der Schirmherrschaft des Heimat- und Verschönerungsvereins Martfeld (HVV) das Projekt „Altes Pastorenhaus“ in die Wege geleitet, das seither viel mediale Aufmerksamkeit erhalten hat und über das auch an dieser Stelle wiederholt ausführlich berichtet wurde. Nachdem die Arbeiten im Winter vorübergehend ruhten, hat das Vorhaben inzwischen wieder Fahrt aufgenommen und mit den inzwischen weitgehend abgeschlossenen Zimmererarbeiten das erste große Etappenziel erreicht. Die sich innerhalb des Vereins gebildete „Arbeitsgruppe Pastorenhaus“ nahm das zum Anlass, um in einem nunmehr anberaumten Pressetermin über den aktuellen Stand und die nächsten Schritte zu informieren.

Zu Beginn fasste Anton Bartling, Vorsitzender des HVV, die bisherigen Maßnahmen noch einmal zusammen und spannte den Bogen von der Freilegung des in dem alten, zu diesem Zweck inzwischen allerdings abgerissenen Hallenhaus verborgenen Gebäudes, über den Kauf eines passenden Grundstückes, der Gründung einer Arbeitsgemeinschaft, dem Ab- und Wiederaufbau, der Umsetzung um 140 Meter einschließlich der spektakulären Verrollung auf den letzten Metern bis hin zu den erfolgten Restaurierungen.

Dass damit auch ein bis dahin ortsbildprägendes Haus verloren ging, sei sicherlich zu bedauern, angesichts der herausragenden, weit über Martfeld hinausgehenden Bedeutung des Alten Pastorenhauses aber zu verschmerzen. Darüber hinaus ging er auch auf die große Unterstützung seitens der Bevölkerung ein, verhehlte jedoch nicht, dass im Ort selbst anfänglich etwas Skepsis geherrscht habe. Sofern alles nach Plan läuft, sollen sämtliche noch notwendig werdenden Arbeiten bis Dezember abgeschlossen sein und das Gebäude, in dem sich Ursprünglichkeit und Moderne gleichermaßen wiederfinden, dann seiner künftigen Bestimmung als Museum übergeben werden. Die Finanzierung hierfür ist nach Bartlings Angaben zu großen Teilen bereits jetzt sichergestellt.

Martin Tolksdorf aus Loge, der das Vorhaben als Architekt begleitet, wies darauf hin, dass zu dessen Durchführung auch Lösungen gefunden werden mussten, die nicht im Einklang mit den historischen Befunden stehen, die jedoch aufgrund der Vorgaben der Baubehörde unerlässlich seinen, zumal das Gebäude zukünftig öffentlich genutzt werden soll. In diesem Zusammenhang erwähnte er beispielsweise eine Stahlkonstruktion im oberen Gebäudeteil. Auch einen Betonfußboden, auf den noch Sandsteinplatten verlegt werden sollen, hat es ursprünglich nicht gegeben. Ziel sei es aber stets gewesen, diese Konstrukte so zu installieren, dass sie praktisch nicht wahrgenommen würden, ein Ansatz, der sich bislang nahezu perfekt umsetzen ließ.

Nachdem zuletzt die Staken für die späteren Lehmwände angebracht wurden, sind nach Worten des durchführenden Zimmermeisters Tassilo Turner nur noch wenige Restarbeiten zu erledigen. Neben dem Einbau von Türen, Fenstern und Klappen stehen auch noch Arbeiten an der Dachkonstruktion an. Die Auffüllung der Staken mit Lehm, wodurch sich dann, wie in früheren Zeiten üblich, durchgehend glatte Wände ergeben werden, soll in diesem Sommer erfolgen.

Der Leiter des Bauernhausarchives in Syke, Heinz Riepshoff aus Verden, verdeutlichte noch einmal, dass der Martfelder Hausforscher und Denkmalschützer Bernd Kunze schon vor langer Zeit der eigentliche Entdecker des Alten Pastorenhauses gewesen sei. Dieses wurde inzwischen einer intensiven Bauforschung unterzogen, um den vermeintlichen Urzustand möglichst genau kennenzulernen. Dabei hätten sich zwei Glücksfälle ergeben: So wurde ein Balken mit der Inschrift „Anno dm 1535“ gefunden, der eindeutig das Baujahr dokumentiert und damit frühere dendrochronologische Untersuchungen eindrucksvoll bestätigt. Außerdem konnte die ursprüngliche Herdstelle ausfindig gemacht werden. Diese beiden Befunde lassen nach seiner Einschätzung den Schluss zu, dass das in ungewöhnlich hoher und aufwendiger Bauqualität – möglicherweise unter Federführung eines auswärtigen Zimmermanns – errichtete Fachwerkhaus zunächst nur dem damaligen Pastor Otto Homfeld als Rückzugsort und Studierzimmer diente und erst nach seinem wenige Jahre später erfolgten Tod als Wohnhaus für seine Witwe umgebaut und hergerichtet wurde.

Dem Verdener stellt sich die Frage, was in den rund vier Jahren bis zum Tod des Pfarrherren Otto Homfeld hier alles passiert und beredet worden sein mag. Er äußerte die feste Überzeugung, dass das Alte Pastorenhaus seinerzeit ein Zentrum der heimischen Reformationsbewegung gewesen sein muss, in dem sich die dafür maßgeblichen Personen wie zum Beispiel der Hoyaer Graf Jobst II., die Prediger Adrian Buxschott aus Hoya und Johann Timann aus Bremen mit dem örtlichen Geistlichen Otto Homfeld getroffen haben. „Dieses Haus atmet Geschichte“, brachte er es kurz und bündig auf den Punkt, einer Meinung, der sich auch die übrigen Beteiligten anschlossen.

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