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Toter Lkw-Fahrer: Unfallfahrt per Tracking verfolgt

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Von: Wiebke Bruns

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Bei der Tat, die jetzt am Landgericht Verden verhandelt wurde, ging es um Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern einer zerstrittenen Nienburger Großfamilie. Symbo
Am Landgericht Verden wird derzeit ein Fall verhandelt, bei dem ein Lkw-Fahrer in suizidaler Absicht in den Gegenverkehr gefahren sein soll. Dabei verstarb ein 63 Jahre alter Mann. (Symbolbild) © Wiebke Bruns

Ein Lkw-Fahrer soll bei Bruchhausen-Vilsen den Wunsch gehabt haben, sich umzubringen. Stattdessen starb ein anderer Mensch. Jetzt hat der Prozess begonnen.

Verden/Br.-Vilsen – In Suizidabsicht soll ein 43 Jahre alter Angeklagter aus Sulingen am 10. November 2020 auf der B6 bei Bruchhausen-Vilsen einen Sattelzug in den Gegenverkehr gelenkt und gezielt einen Frontalzusammenstoß mit einem entgegenkommenden Sattelzug verursacht haben. Dessen 63 Jahre alter Fahrer verstarb an der Unfallstelle. Der 43-Jährige muss sich seit Donnerstag vor der 1. Großen Strafkammer des Landgericht Verden wegen Totschlag verantworten.

„Dieses Verfahren steht unter einem nicht ganz guten Stern“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk zu Beginn der Verhandlung. Vor drei Monaten war der Prozess schon einmal gestartet. Erst war die Verteidigerin aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen, dann eine beisitzende Richterin erkrankt. Das Verfahren wurde ausgesetzt. Als der Prozess am Dienstag neu starten sollte, war ein anderer beisitzender Richter mit Corona infiziert. Am Donnerstag fehlte die psychiatrische Sachverständige. Ebenfalls wegen Corona.

Prozessauftakt in Verden: Einlassung des Angeklagten verschoben

Deshalb wurden die Einlassung des Angeklagten und die Aussage seiner Ehefrau auf einen späteren Verhandlungstag verschoben. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Verden war der Tat ein Streit der Eheleute vorausgegangen und der 43-Jährige habe versucht, „sich selber durch einen Verkehrsunfall zu töten“.

Mit zirka 77 Stundenkilometer sei er auf den ihm entgegenkommenden Sattelzug eines niederländischen Unternehmens zugesteuert. „Wobei ihm gleichgültig war, ob bei dem gezielt verursachten Unfall jemand versterben wird“, so der Staatsanwalt. Ein finanzieller Schaden von insgesamt 170.000 Euro sei an den Fahrzeugen entstanden.

Seit dem frühen Morgen war der Angeklagte damals für seinen Arbeitgeber unterwegs. „Wo unser Fahrer bleiben würde“, habe sich rund drei Stunden vor dem Unglück ein Kunde erkundigt, sagte in dem Prozess ein Disponent des Sulinger Unternehmens. Daraufhin habe er den Angeklagten angerufen.

Unfallfahrer ignoriert Anrufe und SMS der Spedition

Dieser habe ihm gesagt, dass er sich „verfolgt“ fühle. Er werde „gemobbt“ und in seinem LKW „herumgewühlt“. „Ich habe gesagt, halt am Besten einmal an und ruf Deine Frau an“, schilderte der Zeuge. „Ganz ruhig, niedergeschlagen, aber nicht aufbrausend“ habe der sonst unauffällige Angeklagte gewirkt.

Nach dem Telefonat sei er besorgt gewesen und habe mit dem Betriebsleiter gesprochen. In einem zweiten Telefonat habe er dem 43-Jähigen angeboten, einen Tag Urlaub zu nehmen und man könne alles in Ruhe besprechen. Danach habe er den Angeklagten nicht mehr erreichen können.

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Dieser habe keine weiteren Kunden mehr angefahren. „Wir saßen ab zirka 16 Uhr vor dem Tracking-System“, so der Zeuge. Live verfolgten sie auf der Karte den Weg des Fahrzeugs. „Vor Sulingen machte er einen kleinen Schlenker über Wagenfeld. Der hätte schon nicht seien müssen.“ 16.30 Uhr sei der Geschäftsführer dazu geholt worden. Dann sei der Angeklagte „an Sulingen vorbei gefahren Richtung Nienburg“. „Wir haben uns sorgen gemacht.“

Um 16.45 Uhr habe man in der Firma überlegt die Polizei einzuschalten. Zehn Minuten später habe er dem Angeklagte eine SMS geschrieben. „Er möge bitte anhalten. Wir holen ihn ab.“ Doch der Angeklagte habe nicht reagiert. „Kurz nach 17 Uhr haben wir überlegt, wenn er die nächste Ausfahrt nicht nehmen würde, rufen wir die Polizei“, schilderte der Zeuge. „Dann war es leider schon zu spät“

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