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Überwachungskameras für Freibäder in Bruchhausen-Vilsen und Schwarme

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Von: Anne-Katrin Schwarze

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Freibadbetrieb im Sommer
Das Team kann es nicht leisten, Nichtschwimmer während des Badebetriebs zu betreuen. Daher nimmt die Samtgemeinde dafür demnächst Eltern in die Pflicht. Zutritt zu den beiden Freibädern bekommen nur Kinder, die von einem Erwachsenen begleitet werden oder das Schwimmzeichen in Bronze nachweisen können. © Oliver Siedenberg

Samtgemeinde – Das Verfahren gegen den oder die unbekannten Vandalen, die im Sommer 2021 2,5 Millionen Liter Wasser im Wiehe-Bad verunreinigt hatten, hat die Staatsanwaltschaft ohne Ergebnis eingestellt. Darüber informierte die Verwaltung den zuständigen Tourismusausschuss. Während ihrer Sitzung im Forum stellte die Politik 4 000 Euro zur Verfügung, um die Freibäder in Schwarme und Bruchhausen-Vilsen zur nächsten Saison mit Überwachungskameras auszustatten.

Etwa 30 000 Euro Schaden war der Samtgemeinde entstanden (wir berichteten). Kameras sollen nun ein Auge auf ungebetene Gäste haben. In einem ganz anderen Zusammenhang nimmt die Kommune Eltern noch stärker in die Pflicht, auf ihre Kinder zu achten. Ohne Schwimmabzeichen in „Bronze“, dem früheren Freischwimmer, dürfen Kinder bis einschließlich 15 Jahre das Gelände der Bäder ohne Begleitung Erwachsener nicht mehr betreten.

„Es gab eine Reihe von Problemen mit Nichtschwimmern, die aus gefährlichen Situationen von unserem Bäderteam in unseren Freibädern befreit werden mussten“, erklärte Nils Igwerks den Vorstoß der Verwaltung, die Haus- und Badeordnung für die Bäder in der Samtgemeinde zu verschärfen. „Größtenteils entstehen diese Situationen, weil Kinder, die nicht schwimmen können, alleine ins Bad kommen oder ein dazugehöriger Erwachsener zwar vor Ort ist, aber sich nicht kümmert“, erläuterte Igwerks, der im Rathaus den Bereich Bäder und Sportstätten verantwortet. „Diese Eltern friemeln am Handy rum oder chillen auf der Liegewiese“, gab er die Beobachtungen des Aufsichtsteams ungeschönt weiter.

Bei grundsätzlich nachlassender Bereitschaft der Eltern, ihren Kindern das Schwimmen beibringen zu lassen, und nach zwei Corona-Jahren, in denen die Schwimmausbildung nahezu komplett ruhen musste, dürfte der Anteil der jungen Nichtschwimmer jetzt größer sein als vor der Pandemie schon. „Die Verbände sprechen von einer Nichtschwimmer-Generation“, so Igwerks. Problematisch sei außerdem, dass ein Teil der Eltern das Badpersonal als Betreuungspersonal verstünde. „Das können wir aber nicht leisten“, betonte Igwerks. „Die Anwesenheit von Aufsichtspersonal vom Badbetreiber entbindet die Begleitperson nicht von ihrer Aufsichtspflicht“, heißt es daher in der geplanten Ergänzung der Badeordnung, die der Ausschuss einstimmig empfahl.

Ab 1. Juli soll gelten: „Für Nichtschwimmer bis einschließlich 15 Jahre hat eine geeignete volljährige Begleitperson verantwortlich die Aufsicht auszuüben. Kinder/Jugendliche ab acht bis einschließlich 15 Jahre, die ohne Begleitperson das Bad besuchen möchten, müssen mindestens das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze besitzen und das auf Verlangen vorzeigen. Können sie diesen Schwimmnachweis nicht vorzeigen, so kann ihnen der Zugang aus Sicherheitsgründen verwehrt werden.“

Die Samtgemeinde presche mit dieser Hausordnung nicht vor. „Einige Bäder haben die Bedingungen bereits“, informierte Nils Igwerks und richtete den Blick neben Wagenfeld, Diepholz, Barnstorf und Verden vor allem auf Bremen. Dort gelte eine entsprechende Regelung für alle Unter-18-Jährigen. Unvorbereitet soll Familien vor allem von älteren Kindern die Neuordnung jedoch nicht treffen. Ab Saisonbeginn werde es entsprechende Angebote geben.

Das Bäderteam werde versuchen, kostenlose Trainings- und Prüfungsmöglichkeiten für die Altersgruppe zu schaffen. Kinder und Jugendliche mit „schwimmerischen Grundfertigkeiten“ sollen nachmittags in kleinen Gruppen innerhalb einer Woche so geschult werden, dass sie die Prüfung ablegen können. Bis die Anordnung am 1. Juli in Kraft tritt, habe jeder ausreichend Gelegenheit, das nötige Schwimmabzeichen zu erwerben, so Igwerks. Für dieses Angebot werde die Samtgemeinde rechtzeitig zu Saisonbeginn umfassend Werbung machen. Angesprochen sind Kinder „mit Basiskönnen“; sie zahlen lediglich die Prüfungsgebühr von fünf Euro. „Schwimmanfänger können bei diesem Angebot leider nicht mitwirken“, erklärte Nils Igwerks den Plan.

Durch diese neuen Regeln würde ein „risikoloserer Badespaß“ erreicht, urteilt die Verwaltung und erhält Zustimmung aus der Politik. „Wir haben volles Verständnis“, sagt Ulf Schmidt für die Grünen, wollte die Änderungen aber nicht als Hemmschwelle verstanden wissen, die Bäder zu nutzen. Rudolf von Tiepermann (CDU) sprach sich für eine Kontrolle der geforderten Voraussetzungen aus, „sonst machen wir uns lächerlich“. Jens Grimpe (SPD) hielt es für wichtig, die Eltern mit in die Verantwortung zu nehmen. „Es ist ganz einfach: Schwimmkurs machen oder in Begleitung kommen“, fasste er die neuen Regeln zusammen. Ausschussvorsitzender Bernd Schneider (Grüne) sagte zu, dass die Umsetzung in den Bädern mit Fingerspitzengefühl erfolgen werde.

Zu beschließen hat die neue Ordnung der Samtgemeindeausschuss, der Ende Februar tagt. Bisher galt eine Empfehlung aus dem Fachausschuss als richtungsweisend.

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