Publikum feiert Auftritt in der „Scheune“

Galina Kiseleva im Kulturcafé: Über die Grenzen der Stimmbänder hinaus

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Galina Kiseleva fasziniert ihr Publikum im Kulturcafé „Die Scheune“ als Stimm- und Improvisationswunder.

Br.-Vilsen - Von Horst Friedrichs. „Läuft da was über Playback?“Das mag sich so mancher Zuhörer gefragt haben, als sie loslegte: Galina Kiseleva, Solosängerin mit Ukulele, überraschte am Mittwochabend im Kulturcafé „Die Scheune“ in Bruchhausen-Vilsen. Denn die ersten Töne ihres Konzerts glichen eher einer jazzigen Trompete als einer Singstimme, und Galinas Miene am Mikrofon war völlig unbewegt, einschließlich ihrer Lippen. Rasch wurde jedoch klar, dass da keine Hintergrund-Konserve eingeschaltet war, sondern dass es die Musikerin selbst war, die die Trompetentöne imitierte.

Und aus der Anfangs-Überraschung wurden rasch Faszination und Bewunderung, denn die Bassistin der Band Iva Nova aus Sankt Petersburg brillierte in ihrer One-Woman-Show mit einer stimmlichen Vielfalt und Wandlungsfähigkeit ohnegleichen. Hinzu kam ihre Fähigkeit, das Publikum nicht nur in Begeisterungsstürme zu versetzen. 

Vielmehr bezog Galina Kiseleva die Zuhörer in ihre Show mit ein und entzückte sie mit kleinen „Perkussionsinstrumenten“, die sie verteilte. Rasselnd und klickend setzte dieser Mitmacheffekt der Begeisterung die Krone auf, und nach zwei mitreißenden Konzertstunden entließen die Scheunengäste die Ausnahme-Künstlerin nicht ohne zwei Zugaben in den wohlverdienten Feierabend.

„A Star was born“, resümierte Veranstalter Gustav Schmidtke nach Konzertschluss. „Was das betrifft, bin ich ziemlich sicher. Dies war Galinas Deutschlandpremiere als Solistin, und ich werde auf jeden Fall dazu beitragen, sie mit ihrem einmaligen Talent bekannter zu machen.“ Schmidtke, der mit dem Kultur- und Kunst-Verein (KuK) Bruchhausen-Vilsen und dessen Vorsitzendem Peter Schmidt-Bormann zusammenarbeitet, denkt an weitere Auftritte Galina Kiselevas im Januar oder Februar. 

Wie auch am Mittwochabend, will Schmidtke die Konzerte dann wieder gemeinsam mit dem KuK organisieren. „Auch Iva Nova wollen wir nächstes Jahr nach Bruchhausen-Vilsen holen“, kündigte Peter Schmidt-Bormann während einer Konzertpause im Gespräch mit der Kreiszeitung an.

Was die Organisation anbelangt, war das Gastspiel Galina Kiselevas in der Scheune ein absoluter Glückstreffer. Mit Iva Nova tourt Galina derzeit durch Deutschland, und erst vor zehn Tagen konnte Gustav Schmidtke den Termin in der Scheune mit ihr vereinbaren, weil erst zu dem Zeitpunkt klar war, wann sie einen tourneefreien Tag haben würde. Noch am Vorabend hatte sie mit ihrer Band einen Auftritt in Nienburg. 

Der Mittwochabend mit der Solistin Kiseleva im Luftkurort wurde dann zu einem durchschlagenden Erfolg. Schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn waren sämtliche Plätze, einschließlich der vorhandenen Treppenstufen, in der Scheune belegt. Von den insgesamt rund 60 Zuhörern waren ein Drittel russische Landsleute der Künstlerin, was dazu führte, dass sie ihre Ansagen auf Englisch, Deutsch und Russisch machte.

Galina Kiseleva stellte sich mit ihrem Künstlernamen „Bitter Candy“ vor und begleitete ihre jazzigen Songs selbst mit der als viersaitige Gitarre gestimmten Ukulele. Was hervorragend zu den Melodien aus den 20er-, 30er- und 40er-Jahren passte, waren doch die Banjo spielenden Bigbandmusiker, dem damaligen Trend entsprechend, der Einfachheit halber auf Gitarren mit nur vier statt sechs Saiten umgestiegen. Galina Kiseleva entfachte auf ihrem verstärkten Saiteninstrument mit viel Temperament eine rhythmisch hochtourige Begleitung, die sie dann bei langsamen Stücken nicht minder einfühlsam gestaltete.

Mit ihren stimmlichen Kapriolen reizte sie die Grenzen menschlichen Gesangs über atemberaubende Oktavspannen aus – sei es mit ihrer „regulären“ Stimme, der imitierten Jazztrompete oder anderen Blasinstrumente, einer Kleinmädchenstimme oder auch mit Scatgesang im Stil Louis „Satchmo“ Armstrongs. Neben bekannten Evergreens wie „All of me“ oder „Everybody Loves My Baby“ erfreute die Künstlerin ihr Publikum mit selbst geschriebenen und komponierten Liedern.

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