Der Theologe geht in den Ruhestand / Die Konfirmanden wird er besonders vermissen / Umzug nach Verden geplant

Tschüs, Pastor Freese!

Heinz-Dieter Freese wird weiter ab und zu als Vertretungspastor arbeiten. - Foto: Mareike Hahn

Martfeld - Von Mareike Hahn. In Heinz-Dieter Freeses Lieblingsgeschichte stirbt die Kirche. Nachdem die Gemeindeglieder ihm klar gemacht haben, dass die Kirche für sie tot ist, bittet der Pfarrer zur Trauerfeier. Dabei fordert er alle Gäste auf, am Sarg Abschied zu nehmen und das Gotteshaus durch die Seitentür zu verlassen. „Sollte aber jemand unter Ihnen sein, der doch noch auf eine Wiederbelebung unserer toten Kirche hofft, soll er bitte wieder durch die große Eingangstüre zurück in die Kirche kommen“, sagt der Theologe. Tatsächlich kehren alle zurück. Denn jeder, der die tote Kirche im Sarg hat sehen wollen, erblickte sich selbst in einem Spiegel.

„,Die Kirche im Sarg‘ hat mir schon imponiert, als ich 14-jähriger Konfirmand war“, sagt Heinz-Dieter Freese. „Ich habe die Pointe sofort begriffen.“ Gerne hat er die Geschichte im Laufe seiner drei Jahrzehnte als Pastor vorgelesen. „Damals wie heute gilt: Man selbst ist die Kirche.“ Und so verwundert es nicht, dass die Erzählung eines unbekannten Verfassers heute wieder vorgelesen wird. Dann verabschiedet sich Freese offiziell aus der Kirchengemeinde Martfeld. Er geht in den Ruhestand.

Der originelle Theologe wurde 1957 in Verden geboren, nach dem Studium absolvierte er sein Vikariat in Bad Essen (Landkreis Osnabrück) und Loccum. Seine erste Pfarrstelle trat er in Alt-Garbsen bei Hannover an. Nach einem kurzen Intermezzo auf der Insel Juist war er elfeinhalb Jahre in der Kreuzkirche Nienburg und danach ebenso lange in Neudorf-Platendorf (Landkreis Gifhorn) tätig. Zuletzt wirkte Freese drei Jahre in Martfeld.

„Eigentlich hatte ich geplant, noch ein paar Jahre länger zu bleiben“, sagt er. „Aber aus gesundheitlichen Gründen habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen. Das ist mir nicht leicht gefallen.“ Rückblickend auf seine Zeit in Martfeld spricht Freese von viel Kontinuität, verweist etwa auf Gottesdienste, Besuche, Konfirmandenunterricht, Beerdigungen, Gemeindeausflüge und Jubiläumskonfirmationen.

„Ich konnte auch Neues gestalten“, freut er sich und zählt beispielhaft auf: der Besuchsdienstkreis, ein neues Kirchenbüro, ein Toilettenzugang auf dem Friedhof, eine neue Sozialwohnung im Gemeindehaus, die Kinderbibeltage „Holzbauwelten“ ...

Frustrierend findet Freese es allerdings, „dass ich es nicht geschafft habe, Menschen für die Gemeinde zu gewinnen, die bislang noch keinen Zugang hatten“. Dieses Jahr habe es in Martfeld bisher nur eine Taufe gegeben. „Das ist das Problem – nicht nur in Martfeld, aber auch: Es ist schwer, neue Gemeindeglieder zu gewinnen“, sagt Freese.

Auch als er vor 30 Jahren als Pastor anfing, gab es viele Austritte. „Damals hat mich das nicht gestört“, sagt der Theologe. „Ich wollte die Kirche verwirklichen. Den Anspruch habe ich immer noch.“ Aber Freese gibt zu: „Die Luft ist ein bisschen raus.“

Ein paar Dinge wird er vermissen, zum Beispiel die Zeit mit den Konfirmanden, sagt der Vater zweier Söhne. „Den Konfirmandenunterricht hab ich am liebsten gemacht.“ Doch er freut sich auch auf den Ruhestand. Mit seiner Frau will er in sein Elternhaus in Verden ziehen. Er möchte sich künftig in der Stadtteilarbeit im Flüsseviertel engagieren, in der Ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft EDCS und im Loccumer Arbeitskreis für Meditation. Auch seinem großen Hobby, der Luftbildarchäologie, wird Freese in Zukunft noch mehr Zeit widmen.

Ganz gibt er seinen Job indes nicht auf: Ab und zu wird er weiterhin Vertretungen übernehmen. Fest steht bereits, dass Freese den Schulanfängergottesdienst in Martfeld am 4. August (9.45 Uhr) gestaltet. „An der Kirche und ihrer Botschaft habe ich weiterhin Interesse.“

Mit Martfeld möchte Freese verbunden bleiben. Die Gemeinde habe viel zu bieten, „eine wunderschöne, helle, schlichte Kirche und ein großzügiges Gemeindehaus, viele freundliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich engagieren, unter anderem bei ,Essen auf Rädern‘“.

Der Kirchenkreis Syke-Hoya hat noch keinen Nachfolger für Heinz-Dieter Freese gefunden. Seine Vertretung in der Vakanz übernehmen die Pastoren Meike Müller, Lothar Dreyer und Karsten Damm-Wagenitz. 

Verabschiedung

Pastor Heinz-Dieter Freese wird heute um 17 Uhr in einem Gottesdienst in der Martfelder Catharinenkirche (Kirchstraße 8) offiziell verabschiedet. Anschließend gibt es Grußworte und Gegrilltes.

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