Asendorfer Einrichtung „Kleine Strolche“ hat eigenes Trauma-Zentrum

Trotz Krise: Therapie im Kinderheim

Reiten macht Spaß – und kann die Persönlichkeit fördern. Foto: Kinderheim „Kleine Strolche“

Asendorf - Von Anke Seidel. Es sind herausfordernde Zeiten für Bernhard Schubert und sein Team. Im Kinderheim „Kleine Strolche“ ist die Corona-Pandemie auf bedrückende Weise spürbar. „Wir haben sonst vier bis fünf Anfragen am Tag“, berichtet der Geschäftsführer des Kinderheims über die Nachfrage von Jugendämtern, ein Kind in Not aufzunehmen. „Jetzt sind es vier bis fünf pro Woche.“

Das Kontaktverbot hat auch die Möglichkeiten von Mitarbeitern in Jugendämtern eingeschränkt, wie selbst Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet öffentlich beklagte. „Wir gehen davon aus, dass nur die dramatischen Fälle ans Tageslicht kommen“, sagt Bernhard Schubert über Kinder, die in Obhut genommen werden müssen.

32 Jungen und Mädchen im Alter zwischen einer Woche und 16 Jahren betreuen die Mitarbeiter im Asendorfer Kinderheim zurzeit. „Wir arbeiten in Blockschichten“, berichtet der Geschäftsführer – und blickt auf zwei Teams, die sich nicht sehen und keinen Kontakt zueinander haben. Eine Vorsichtsmaßnahme. Denn in den vergangenen Wochen hatten mehrere Mitarbeiter und Kinder Grippe-Symptome gezeigt. „Aber keiner wurde getestet“, berichtet Bernhard Schubert, denn niemand habe Kontakt zu einem Infizierten gehabt oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten.

Händeringend sucht der Geschäftsführer nach Schutzmasken, damit der persönliche Besuch bei den vier Erziehungsstellen im Außenbereich wieder möglich ist. „Zurzeit hält die Mitarbeiterin per Telefon Kontakt und berät bei Bedarf“, berichtet der Geschäftsführer.

Das Kinderheim „Kleine Strolche“ ist spezialisiert auf traumatisierte und medizinisch herausfordernde Kinder. Trotz aller gesellschaftlichen Beschränkungen laufen dort – unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen – alle Therapieangebote wie gewohnt.

„Die so wichtige Struktur und Verlässlichkeit für die Kinder ist somit jederzeit gegeben“, sagt Bernhard Schubert. Er betont: „Traumatisierte Kinder brauchen absolute Verlässlichkeit und Konstanz bei therapeutischen Angeboten und sozialen Beziehungen.“ Das Kinderheim „Kleine Strolche“ habe bereits 2018 die Entscheidung getroffen, intern ein Trauma-Zentrum aufzubauen, um nicht abhängig von externen Therapeuten und Therapieangeboten zu sein: „Davon profitiert das Kinderheim insbesondere jetzt, in der aktuellen Krisensituation.“

Wichtig sei es, Kindern und Jugendlichen unmittelbar und schnell helfen zu können, wenn ein Trauma übermächtig werde. „Übermächtig – damit sind Situationen gemeint, in denen wir sofort handeln müssen, wie zum Beispiel bei akuten Flashbacks oder dem Drang, sich selbst zu verletzen“, erläutert der Geschäftsführer – und weiß: „Aus einem Trauma gibt es kein Entkommen, und ein Trauma lässt sich nicht verschieben.“

Aber helfen kann die tiergestützte Therapie: „Tiere sind unvoreingenommen, sie scheren sich nicht um körperliche oder seelische Makel und nehmen ein Kind so an, wie es ist“, sagt Bernhard Schubert. „Tierische Neutralität ist besonders aufgrund von Stigmatisierung ein hohes Gut. Außerdem erleichtern Tiere die Kontaktaufnahme des Therapeuten zu dem Kind und ebnen den Weg zu einer tragfähigen Therapeut-Klient-Beziehung.“

Das therapeutische und heilpädagogische Reiten hat dabei einen ganz besonderen Stellenwert, auch wenn das Reiten nur einen Teil einer Therapiestunde einnimmt: „Vielmehr geht es darum, Nähe zulassen zu können. Es geht um Freundschaft und Verantwortung“, erklärt der Geschäftsführer.

Für viele Kinder sei es auch eine große Herausforderung, sich einem großen Tier zu nähern: „Wenn diese Scheu überwunden ist, ist schon ein großer Schritt in Richtung Selbstbewusstsein und Persönlichkeitsstärkung geschafft.“

Im nächsten Schritt gehe es darum, sich auf die Bewegungen des Tieres einzulassen: „Das Bewegungsmuster der Pferde überträgt sich auf den Reiter, ähnlich dem menschlichen Gang – so wird die Muskulatur gestärkt und aufgebaut“, erläutert der Geschäftsführer. Eine Therapie in freier Natur – auch das sei ein Mehrwert, heißt es zu einem dritten Aspekt.

Eines gehört in der CoronaKrise, in der Kindergärten und Schulen geschlossen bleiben, auch zum Alltag im Kinderheim „Kleine Strolche“: Schulunterricht. „Unsere schulpflichtigen Kinder werden vormittags unterrichtet“, sagt Bernhard Schubert.

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