Abschied nehmen

Sie erfüllt letzte Wünsche: Kerstin Hillmann-Apmann ist Trauerrednerin

Kerstin Hillmann-Apmann ist in die Tätigkeit als Trauerrednerin „hineingestolpert“. Ursprünglich ist sie gelernte Einzelhandelskauffrau und arbeitete als Floristin in einem Blumengeschäft in Schwarme.
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Kerstin Hillmann-Apmann ist in die Tätigkeit als Trauerrednerin „hineingestolpert“. Ursprünglich ist sie gelernte Einzelhandelskauffrau und arbeitete als Floristin in einem Blumengeschäft in Schwarme.

Schwarme – Ob das fröhlich-alberne Lied vom Holzmichel oder Tanzmusik: Kerstin Hillmann-Apmann hat als Trauerrednerin schon einige kuriose letzte Wünsche umgesetzt.

Die sehnsüchtige Melodie von einer warmen Sopranstimme gesummt und von Streichern des großen Orchesters untermalt – in ihr klingt wehmütiger Abschied ebenso wie hoffnungsvoller Aufbruch. Eine durchaus passende musikalische Untermalung einer Trauerfeier. Der Titel dieses Evergreens aus der Feder des großen Ennio Morricone mutet hingegen in diesem Moment makaber an: „Spiel mir das Lied vom Tod“ hört die Trauergesellschaft, die zusammengekommen ist, um sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden. „Das war der ausdrückliche Wunsch des Verstorbenen. Und dann passt es auch“, sagt Kerstin Hillmann-Apmann.

Die 47-Jährige arbeitet als Trauerrednerin und meint: „Man soll schließlich den Menschen, der gegangen ist, auf der Trauerfeier wiedererkennen“. Sie weiß es daher zu schätzen, wenn sich Verstorbene bereits zu Lebzeiten geäußert haben, wie sie sich diese letzte Feier vorstellen. „Ansonsten ist das ein Rätselraten“, weiß die Schwarmerin.

Ob das fröhlich-alberne Lied vom Holzmichel oder Tanzmusik: Sie hat schon einige Wünsche umgesetzt, die man mit einer Trauerfeier nicht sofort in Verbindung bringen würde. „Wichtig ist, dass die Familie sich dabei wohlfühlt. Auf einer Beerdigung muss schließlich nicht nur traurige Musik gespielt werden“, ist ihre Auffassung.

Kerstin Hillmann-Apmann ist in Tätigkeit als Trauerrednerin „hineingestolpert“

Kerstin Hillmann-Apmann ist in ihre Tätigkeit als Trauerrednerin anfangs hineingestolpert. „Mich vor Leute hinstellen und reden, konnte ich. Ich habe als 14-Jährige schon Schlossführungen gemacht“, erzählt sie. Vor der Tätigkeit als Trauerrednerin aber hatte sie großen Respekt. Die gelernte Einzelhandelskauffrau arbeitete seinerzeit bei Thomas Loleit im Blumengeschäft in Schwarme als Floristin, gewann dort einen Einblick in das Bestattungswesen und lernte eine Trauerrednerin kennen. Kerstin Hillmann-Apmann begeisterte sich für deren Arbeit und setzte sich ein Wochenende lang mit der Rednerin zusammen, um die Tätigkeit näher kennenzulernen. „Aber überzeugt war ich danach noch nicht“, sagt die dreifache Mutter.

Durch Zufall traf Kerstin Hillmann-Apmann genau diese Trauerrednerin etwas später im Wartezimmer eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes – die Dame hatte ihre Stimme verloren und suchte dringend Hilfe. „Ich bin für sie bei einer Beerdigung eingesprungen und habe ihren Text vorgelesen. Dabei habe ich mich gut aufgehoben gefühlt“, sagt Kerstin Hillmann-Apmann. Danach war sie überzeugt: Sie bildete sich zur zertifizierten Trauerrednerin fort und gestaltet seit 2014 Trauerreden. Erst neben-, seit 2015 hauptberuflich. „Ich habe meinen eigenen Stil und meinen eigenen Weg gefunden“, sagt sie.

Als Trauerrednerin kommt sie zum Einsatz, wenn Menschen sich eine individuelle Abschiedsrede wünschen. Das ist vielfach bei Menschen der Fall, die keine Kirchenmitglieder sind. Aber auch Verstorbene, die zur Kirche zählen, werden häufig auf ihrem letzten Weg von ihr begleitet, wenn sie sich einen besonders individuellen Abschied wünschen. Manchmal wird auch die kirchliche mit der weltlichen Feier kombiniert, und Pastor und Trauerrednerin gestalten die Trauerfeier gemeinsam, erzählt sie.

Trauerrednerin hat im Gegensatz zu vielen Pastoren mehr Freiheiten in der Gestaltung

„Pastoren sind oft an Rituale gebunden“, weiß sie. Sie habe da mehr Freiheiten. Dadurch stehe der Mensch ganz besonders im Fokus. Als aktives Mitglied ihrer Kirchengemeinde ist Kerstin Hillmann-Apmann offen für jede Form der Gestaltung – jeder solle den Abschied bekommen, den er sich wünsche und der zu ihm passe, findet sie.

Zwischen 20 und 30 Minuten dauern ihre Trauerreden in der Regel. „Die 30 Minuten versuche ich nicht zu sprengen. In Bremen gibt es aber oft auch Kurzbestattungen, die nur zehn Minuten dauern“, weiß die 47-Jährige. Zur Vorbereitung setzt sie sich mit den Angehörigen zusammen, um mehr über den verstorbenen Menschen zu erfahren. „Den Angehörigen hilft es sehr, wenn man weiß, was derjenige sich für seine Trauerfeier wünscht.“ Oder wenn man Sprüche und Zitate kenne, die er gemocht habe. „Manchmal hatten die Menschen auch ein Lieblingsgedicht.“

Dann schreibt sie die Trauerrede. Das könne mal zwei oder auch vier Stunden dauern. „Am schwierigsten ist es für mich, Menschen zu beerdigen, die ich kenne. Das sind dann die Reden, an denen ich am längsten sitze, weil man da emotional ganz anders drin ist“, sagt Kerstin Hillmann-Apmann. Besonders schwer fallen ihr auch Beerdigungen von jungen Menschen oder Todesfälle von Eltern, die kleine Kinder hinterlassen. „Alle, die zum Leben und zur Familie dazugehörten, sollten auch bei der Beerdigung dabei sein“, findet sie. Deswegen seien auch Kinder bei Trauerfeiern erwünscht. „Manche hatten auch schon Hunde dabei“, erinnert sie sich.

Ihre Arbeit als Trauerrednerin schätzt Kerstin Hillmann-Apmann. Und sie gestaltet die Feiern nicht nur mit ihren Worten, sondern mitunter auch mit ihrer eigenen Musik, da sie selbst mehrere Instrumente beherrscht.

Neben den Trauerfeiern, die sie oft in Bremen, aber auch in den Regionen Sulingen, Siedenburg oder Walsrode gestaltet, widmet sie sich einem weiteren Feld: Sie ist auch als Traurednerin tätig. „Da habe ich mich erst nicht rangetraut. Aber ein Pärchen wollte mich unbedingt haben. Da habe ich noch eine Ausbildung zur Traurednerin gemacht“, sagt sie. „In Freude und in Leid“, heißt es im Eheversprechen. Sie gestaltet diese besonders freudigen, aber auch die traurigsten Momente des Lebens mit.

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