Wie man Tiere ausbildet: Seminar bei Nina Steigerwald in Ochtmannien

Das Huhn trainiert den Menschen

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Und ab durch die Mitte: Das Huhn macht es richtig, die Seminarteilnehmerin auch. Katja Frey (links) lobt.

Ochtmannien - Von Bert Strebe. Im ersten Moment klingt es wie ein Scherz: In Ochtmannien fand am Wochenende ein Hühnerseminar statt. Was tun die Hühner da? Sie laufen eine Acht. Oder sie laufen um ein Kegelhütchen herum. Tja, denkt man. Haben wir keine anderen Probleme? Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus: Ja, wir haben andere Probleme. Und die Hühner helfen uns, sie zu lösen.

Das Seminar fand auf dem Hof der Pferdetrainerin Nina Steigerwald statt und war ein Clicker-Seminar. Clickern setzt man in der Hunde- und Pferdeerziehung ein: Wenn die Tiere etwas gut machen, bekommen sie eine Belohnung, aber weil sie manchmal zu weit weg sind, bringt man ihnen bei, das Leckerli mit dem Klick-Geräusch des Clickers zu verbinden. Wenn also der Hund in 50 Metern Entfernung durch das Clickern darauf verzichtet, dem Reh nachzustellen, weiß er gleichzeitig: Habe ich gut gemacht, gleich gibt’s was Schönes.

Aber das muss der Hund ja erst mal lernen. Und um zu wissen, wie man ihm (oder dem Pferd oder einem Zootier) die Clickerei am besten beibringt – dafür bedarf es der Hühner. Nina Steigerwald, die mit Pferden Sport treibt („Agility“) und Pferdebesitzer im Clickern schult, hat eigentlich kein Hühnerseminar veranstaltet, sondern ein Tiertrainerseminar. Nicht die Hühner sollten was lernen, sie sollten den Menschen was beibringen. Deswegen saßen fünf Damen aus verschiedenen Bundesländern um den Tisch und paukten Clicker-Theorie und übten anschließend mit den Hühnern in der Tenne. Fünf Tage lang.

Das Konzept stamme von dem Amerikaner Bob Bailey, erläutert Nina Steigerwald, die das Seminar zusammen mit der Frankfurter Tierärztin Katja Frey leitete. Hunde beispielsweise könne man auch durch Negatives beeinflussen, durch Anbrüllen, Schlagen, durch An-der-Leine-ziehen. Sie gehorchten dann aus Angst, aber sie gehorchten. Es sei weder gut für den Hund noch für den Menschen, sagt die Tiertrainerin, aber es gehe.

Mit Hühnern geht es nicht: „Wenn man ein Huhn schubst, bedroht oder schlägt, erstarrt es“, sagt Nina Steigerwald. „Es wird nicht mehr mitarbeiten.“ Hühner kann man also ausschließlich durch die sogenannte „positive Verstärkung“ dazu bringen, etwas zu tun. Und so sollte man auch Hunde und Pferde trainieren: mit Lob und Belohnung, nicht mit Strafe.

Das Huhn steht auf dem Tisch. Eine der Seminarteilnehmerinnen hält einen kleinen Körnernapf mit Clicker in der Hand. Wenn das Huhn um das Kegelhütchen herumläuft, wird geklickt – und es bekommt ein Korn. Die Teilnehmerinnen lernen, genau im richtigen Moment zu Clickern. Zu früh ist nicht gut, zu spät auch nicht. Jetzt klappt es, Katja Frey lobt: „Das war richtig!“ Positive Verstärkung – diesmal für Menschen.

Fünf Seminarmodule gibt es, jedes dauert mehrere Tage, und billig ist das auch nicht. Aber am Ende kann ein Tiertrainer nicht nur Tieren das Reagieren auf den Clicker beibringen, sondern auch Normalsterblichen die Clicker-Arbeit mit ihrem Liebling.

Nina Steigerwald will übrigens demnächst auch echte Hühnerseminare anbieten – Kurse, in denen Haushühner kleine Kunststücke lernen können. Zu hüpfen etwa. Farben zu unterscheiden. Das ist dann allerdings nicht dazu da, Probleme zu lösen. Das soll bloß Spaß machen.

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