Thriller-Autor Andreas Winkelmann im Gespräch

„Ich kann mich gut in Killer hineinversetzen“

+
Der Autor Andreas Winkelmann ist ein leidenschaftlicher Outdoor-Sportler. Er widmet sich gerne in Kanada der Bogenjagd, die in seinem neuesten Thriller „Killgame“ eine bedeutende Rolle spielt.

Br.-Vilsen/Hoyerhagen - Von Anne Schmidtke. In dem neuen Thriller „Killgame“ von Andreas Winkelmann geht es um eine grausame Menschenjagd in den Wäldern Kanadas. Der Hoyerhäger Schriftsteller stellt sein neuestes Werk am Samstag, 12. März, um 19.30 Uhr auf Einladung der Bücherei Bruchhausen-Vilsen im Schulforum (Auf der Loge) vor. Im Interview verrät der 47-Jährige, wie er auf die Idee für das Buch gekommen ist, warum man es lesen sollte und was er jungen Menschen rät, die eine Karriere als Autor anstreben.

Herr Winkelmann, Sie werben im Internet für die Lesung in Bruchhausen-Vilsen mit folgenden Worten: „Ich übe bereits fleißig lesen und lasse mir nebenbei Gemeinheiten für meine Gäste einfallen.“ Was also erwartet die Zuhörer?

Wenn ich das im Vorfeld hätte verraten wollen, hätte ich das getan. Bei meinen Lesungen ist es immer so, dass die Gäste etwas Besonderes erwartet. Ich lese nicht nur vor, sondern versuche, die Geschichte auch lebendig werden zu lassen und meine Gäste mit einzubeziehen. Die Bogenjagd auf Menschen, die bei „Killgame“ eine große Rolle spielt, wird auch bei der Lesung ein Thema sein.

Sind Sie vor einer Lesung nervös?

Joa. Ich mache da aber nicht viel gegen, denn das Adrenalin brauche ich ein wenig, damit ich konzentriert, fokussiert und hellwach bin für die Lesung. In dem Moment, in dem ich auf der Bühne stehe und loslege, ist die Nervosität sowieso weg. So lange der Text neu ist, und man noch nicht genau weiß, wie die ganze Show laufen soll, ist die Nervosität natürlich größer, als bei Lesungen, die man schon zehn- bis zwölfmal hinter sich gebracht hat.

Suchen Sie sich die Textpassagen für dieLesung selber aus oder gibt der Verlag Ihnen die vor?

Die suche ich selber aus. Die Passagen passe ich der Lesung an, sodass die kurzen Texte, die ich vorlese, für die Zuhörer einen Sinn ergeben. Sie sind also nicht komplett identisch mit denen, die im Buch stehen. Zudem werfen die Ausschnitte natürlich Fragen auf, die beantwortet werden, wenn man das Buch liest.

Warum spielt „Killgame“ in Kanada?

Ich bin sozusagen wie die Jungfrau zum Kinde zu dieser Geschichte gekommen. Ein Leser meiner Bücher, ein knapp 80-jähriger Mann, bot mir an, mit ihm auf seine einsame Lodge nach Kanada zu kommen und dort mit ihm mit dem Bogen zu jagen. Ihm war die Idee gekommen, weil er wusste, dass ich passionierter Outdoor-Sportler bin. Normalerweise fahre ich Kajak und steige auf Berge. Dieser Mann war mir sympathisch. Daher bin ich mit ihm im Spätsommer 2013 für knapp einen Monat nach Kanada gegangen. Er war mal Europameister im Jagdbogenschießen und hat mir dort das Jagen mit dem Bogen beigebracht.

Ich habe ihm im Gegenzug gezeigt, wie man ein Buch schreibt. Das war der Deal. Denn sein Herzenswunsch war, über seine Jagderfahrungen ein Buch zu schreiben.

Warum sollte man „Killgame“ lesen?

Bei dem Buch handelt es sich um eine ganz neue Form von Thriller, die es so auf dem deutschen Buchmarkt noch nicht gegeben hat. Hinzu kommt, dass ich 60 Prozent der Geschichte selbst erlebt habe, also eigene Erfahrungen einbringe.

Welche Erfahrungensind das?

Ich weiß zum einen, wie es ist, tief in den Wäldern in Nova Scotia in Kanada zu leben. Dort gibt es weder Strom noch Handyempfang. Zum anderen bin ich oft allein unterwegs. Ich bin mit Rucksack und Zelt ein paar Mal über die Alpen gewandert, war also auch nachts allein draußen in den Wäldern. Ich weiß, was man da empfindet, was Angst bedeuten kann.

Warum schreiben Sie Thriller?

Schriftsteller zu sein, bedeutet 70 Prozent Arbeit und 30 Prozent Talent – bei mir ist das zumindestens so. Diese 30 Prozent machen es bei mir aus, dass ich mich sehr gut in die Psychopathen, Killer und Mörder hineinversetzen kann. Das ist der Teil, der mir beim Schreiben besonders leicht fällt. Das geht mir erstaunlicherweise ganz leicht von der Hand.

Macht Ihnendas Angst?

Nein, denn im Alltag bin ich ganz normal. Ich suche mir meine Bodenständigkeit bei meinen Outdooraktivitäten.

Was macht für Sie einen guten Thriller aus?

Authentische Protagonisten, die ich gerne durch die Geschichte begleite, mit denen ich mitfiebere, mitlache und mitkämpfe. Außerdem sollte das Buch spannend sein. Der Realismus steht für mich hingegen nicht an erster Stelle. Gerade in „Killgame“ gibt es einen mystischen Aspekt. Das ist dann der Teil, der nichts mit Realismus zu tun hat. Den kann man glauben oder nicht.

Wollten Sie schonimmer Autor werden?

Ja, schon seit ich zwölf Jahre alt war. Dann hat sich das in den Jahren ein bisschen verflüchtigt, denn das Studium und die Bundeswehr kamen dazwischen.

Was haben Sie studiert?

Ich habe in Saarbrücken Sport studiert und dann einige Jahre in der kommerziellen Fitnessbranche gearbeitet. Währenddessen habe ich zehn Jahre zu Hause im stillen Kämmerlein geschrieben und meine Skripte bei Verlagen eingesandt – ohne Erfolg. Dann habe ich mir einen Agenten gesucht, und das hat gefruchtet. Seit 2010 lebe ich von der Schriftstellerei.

Was raten Sie Leuten, die Schriftssteller werden und davon leben wollen?

Man muss sich darauf einstellen, dass es länger dauert, als man es sich vorstellt. Man braucht eine Menge Disziplin und Durchhaltevermögen. Wenn ich zehn Jahre lang vor mich hinschreiben muss und niemand Notiz von mir nimmt, kann das deprimierend sein. Da geben die meisten auf. Doch wenn man das durchhält, und das nötige Talent hat, wird das zwangsläufig irgendwann zum Erfolg führen. Außerdem sollte man mindestens einen Menschen haben, der diesen Traum mitlebt. Bei mir ist das meine Frau. Sie hat nie an mir gezweifelt. Wenn sie in all den Jahren gesagt hätte: ,Mach doch mal was Vernünftiges‘, dann hätte ich vielleicht aufgegeben. Sie ist immer meine Erstleserin, obwohl sie eigentlich gar keine Krimis und Thriller mag. Das ist natürlich hartes Brot für sie (lacht).

Haben Sie schon Ideen, für ein neues Buch?

Ja, habe ich. Ich bin zwei Bücher im Voraus, das nächste und übernächste sind also schon fertig. Ideen für die Bücher danach habe ich in groben Zügen auch schon niedergeschrieben. Da mein Output für einen Verlag zu viel ist, veröffentliche ich ab 2017 meine Werke unter einem Pseudonym noch bei einem zweiten Verlag. Denn meine Geschichten möchte ich nicht in der Schreibtischschublade liegen lassen.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man in eineBuchhandlung geht, und da liegt das eigene Buch?

Für mich ist das immer noch ein merkwürdiges Gefühl. Ich gucke mir das nicht an, spreche auch keinen an, sondern gehe wieder raus, um nicht erkannt zu werden. Ich habe da noch ein kleines Problem mit (lacht).

www.andreaswinkelmann.com

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Ford Fiesta im Test: König der Kleinwagen

Ford Fiesta im Test: König der Kleinwagen

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Meistgelesene Artikel

Auf Expedition im Maislabyrinth

Auf Expedition im Maislabyrinth

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

Syker Haustechnik macht weiter – mit neuem Namen und alten Bekannten

Syker Haustechnik macht weiter – mit neuem Namen und alten Bekannten

Aus für die „Diepholz Card“

Aus für die „Diepholz Card“

Kommentare