Pastoren begeistern Publikum beim Kirchenkreisfest mit besonderem Theaterstück

Wo Theologen „unter den Hammer“ kommen

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Ein Teufelchen ist beim Kirchenkreisfest auch unterwegs und lässt sich, analog zu der Geschichte von Martin Luther, mit Tintenbechern bewerfen.

Br.-Vilsen - Von Karin Neukirchen Stratmann. So ein volles Haus wünschen sich Pastoren eigentlich jeden Sonntag. So formulierte es auch Regisseur Peter Henze zu Beginn der Aufführung des Stücks „Viva la Reformation“, das während des Kirchenkreisfestes am Sonnabend in der Vilser St.-Cyriakus-Kirche zur Aufführung kam.

„Sie wissen schon, dass man jeden Sonntag in die Kirche gehen kann und nicht nur an Weihnachten und dann wieder in 500 Jahren?“, so Peter Henze zu den Besuchern in den voll besetzten Bänken. Die Gäste wurden nicht enttäuscht: Sie bekamen ein einstündiges Theaterstück serviert, von 20 Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises, sowie einiger Helfer, das zum Lachen, aber auch zum Nachdenken anregte.

In dem Stück, das Regisseur und Schauspieler Peter Henze aus Arbste geschrieben hatte, begaben sich die Akteure auf Luthers Spuren. Dabei schlüpften sie in unterschiedliche Rollen, historische Figuren – spielten aber auch sich selbst oder erdachte Personen. Zwei „Textengel“, wie Henze sie bezeichnete, die Schülerinnen Leonie und Sonja, agierten als Souffleusen. Die Geistlichen machten auf der Bühne eine gute Figur. Die teils wortgewaltigen Beiträge drangen bis in die hintersten Ecken der Kirche.

Immer wieder kamen neben den historischen auch heutige Bezüge zum Tragen, und die sorgten für viel Spaß. Während es auf der Bühne hektisch wurde – immerhin war ein Fest zu organisieren, denn Luther höchstpersönlich war angesagt – telefonierte die Pressereferentin des Kirchenkreises Miriam Unger, mehrfach mit Luther. „Wo bleiben Sie denn?“, wollte sie wissen und gab bedauernd bekannt: „Er steckt noch auf der Autobahn!“.

Pastor Thies Jarecki aus Eystrup schlüpft im Theaterstück ab und an in die Rolle des Luthers, die er wortgewaltig und mit Bravour ausfüllt.

Derweil ging es auf der Bühne nicht nur um das Frauenbild im Mittelalter, sondern auch um Luthers Leben, die politischen Wirren, seine Thesen. „Damals war richtig was los, da wurde noch gepredigt“, so Superintendent Jörn-Michael Schröder selbstkritisch. Kirchenmusiker Dietrich Wimmer untermalte Szenen mit Orgelmusik und bekam fast einen – gespielten – Nervenzusammenbruch, bis er in bester Luther-Manier die Kirche mit einem „Leckt mich am Arsch“ verließ.

Luthers Bekanntschaften mit dem Ablassprediger Johann Tetzel und mit dem Reformator Thomas Müntzer waren Höhepunkte im Stück. Luther, der kein einfacher Mensch war, wurde von Eystruper Pastor Thies Jarecki mit viel Leidenschaft gespielt. Schließlich stellten sich die Akteure die Frage: „Was bleibt von der Reformation? Müssen wir als Luthers Erben nicht alles neu schreiben?“ So verteilten die Pastorinnen und Pastoren kleine Zettel mit ihren neuen Thesen, die die Besucher ergänzen konnten. Mit einem Lied und den Ausrufen „Viva la Reformation“ endete die Aufführung. Die Zuschauer waren begeistert und dankten mit langem Applaus.

Versteigerung zum Abschluss

Vor und auch nach der Inszenierung ging das Kirchenkreisfest auf dem Kirchplatz über die Bühne, mit Unterhaltung für die jüngeren Besucher, mit Musik sowie Essen und Getränken. Den Abschluss bildete eine amerikanische Versteigerung, bei der einige der Theologen „unter den Hammer“ kamen.

Für zwei Euro konnten Besucher Mitarbeiter und Pastoren des Kirchenkreises für bestimmte Aufgaben gewinnen, neben dem kirchlichen Candle-Light-Dinner etwa ein Privatkonzert mit Profi-Kirchenmusikern im eigenen Wohnzimmer, Hilfe bei der Organisation eines Kindergeburtstags, Unterstützung im Garten und vieles mehr. Die Versteigerung der Musiker, Dietrich Wimmer und einige Bandmitglieder, erwies sich am Ende als Renner: Es kamen dabei mehr als 250 Euro zusammen.

Als es zur Versteigerung einiger Pastoren als Barkeeper kam, ergriff der Organisator von „Weyhe total“ die Gelegenheit und bot gleich 300 Euro für alle zusammen. Mit dem Erlös wird das Diakonie-Projekt „KISS“ (Kreativer Internationaler Sommerspaß) gefördert, das es Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien mit und ohne Migrationshintergrund ermöglicht, im kommenden Jahr gemeinsam mit anderen auf Sommerferienfreizeit nach Neuharlingersiel zu fahren.

Das Theaterstück „Viva la Reformation“ wird am 12. November noch einmal in Harpstedt zu sehen sein.

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