Theatergruppe Süstedt feiert umjubelte Premiere von „Hartklabastern“

Dank Schrittmacher springt der Funke sofort über

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Die Zuschauer zollten den Darstellern und allen Mitwirkenden nicht enden wollenden Applaus.

Br.-Vilsen - Von Horst Friedrichs. Alfred schwört auf „Made in Germany“. Das gilt auch für den Herzschrittmacher, den die Ärzte ihm einpflanzen wollen. Ohnehin von Todesängsten geplagt, muss der Ärmste am Vorabend der Operation erfahren, dass Schrittmacher nicht gleich Schrittmacher ist. Dass es auf die Batterien ankomme, offenbart ihm sein Bettnachbar Emil. Und damit nehmen die verhängnisvollen Verwicklungen ihren Lauf. „Hartklabastern“ heißt die Komödie auf Platt, mit der die Theatergruppe Süstedt am Samstagabend im ausverkauften Saal des Gasthauses Mügge in Bruchhausen-Vilsen Premiere feierte. Es gab Lachsalven und Szenenapplaus am laufenden Band.

Die Geschichte: Alkohol-komatisiert erwacht Emil, bekennende Schnapsdrossel und Schlitzohr sondergleichen, im Klinikzimmer. Mit scharfem Blick, ungetrübt trotz Hochpegelstand, erkennt er im Bettnachbarn Alfred ein willfähriges Opfer schaurig-bildhaft beschriebener Diagnosen und Prognosen.

Welche lebenswichtige Rolle deutsche Wertarbeit gerade bei Batterien für Herzschrittmacher spiele, erfährt Alfred durch Emils nervenzerfetzend bedrohliche Schilderungen. Was da alles auslaufen und sich mit sicherer Todesfolge in sämtliche Körperorgane ergießen könne, bringt den mehr und mehr geschockten Herzpatienten zu kurzentschlossenem Handeln.

„Ik nai uut“, entscheidet Alfred entsetzt – „ich hau ab“. Und auf der Stelle setzt er seinen Entschluss in die Tat um. Emil produziert sich als eifriger Fluchthelfer beim Bettlaken-Abseilen durchs Fenster, und während Alfred verschwindet, wird Emil nach der vollendeten Bettflucht seines Bettnachbarn zum Opfer seiner eigenen Durchtriebenheit. Emil ahnt ja nicht, was er heraufbeschwört, als er sich nicht nur Alfreds schönen neuen Hausmantel unter den Nagel reißt, sondern auch noch dessen komfortabler scheinenden Platz im Bett einnimmt.

Es folgt eine Verwechslung wie im wirklichen Leben. Etwas, wovor Kliniken und Patienten auch im realen Alltagsbetrieb manchmal nicht gefeit sein sollen, geschieht in durchaus plausibler Folgerichtigkeit auf den Brokser Bühnenbrettern: Emil erwacht am nächsten Vormittag aus der Narkose – mit einem großen Pflaster auf der Brust. Kaum bei vollem Verstand, erkennt er mit messerscharfer Raffinesse, welches Kapital sich aus dem in seinem Thorax bereits effektvoll werkelnden „elektrischen Gerät“ schlagen lassen könnte – sei es nun batteriebetrieben oder durch Sonnenenergie aufgeladen. Originalton Emil: „Zwei Mal im Jahr in die Sonne legen reicht.“

Die Schauspieler der Süstedter Theatergruppe ließen ein Zwei-Stunden-Bukett komödiantischer Köstlichkeiten als Feuerwerk der Heiterkeit abbrennen, das man sich mehr als einmal ansehen möchte. Mimische Spielfreude und mit Leib und Seele eingebrachtes Herzblut – letzteres in des Wortes ganzer Doppeldeutigkeit – lassen den berühmten Funken von der ersten Minute an auf das Publikum überspringen.

Harald Stellmann brillierte als Emil Schröpke mit unvergleichlicher Mimik, von der sich mancher Profi-Darsteller im deutschen Fernsehen eine Scheibe abschneiden könnte.

Als würdiger Partner für einen hinreißend komischen Austausch von Dialog-Spielbällen stand ihm Gerd Brauer als Alfred Brockmöller zur Seite. Dessen Tochter Paula (Corinna Bär) und Schwiegersohn Wilfried Grambsch (Torsten Naujoks) überzeugten mit ihrem die Lachmuskeln reizenden Erscheinungsbild ebenso wie mit ihrer begierigen Überzeugungskraft, den herzkranken Alfred zum Neuformulieren seines Testaments zu bewegen.

Oberschwester Walburga (Marika Schrader), Oberarzt Dr. Dümmel (Kersten Stellmann) und Klinikchef Professor Holstein (Jörg Neddermann) brachten die rechte Krankenhaus-Atmosphäre ins Spiel, ebenso wie Schwester Inka (Claudia Grafe) und Krankenpfleger Gerhard (Marten Brauer). Dem netten Herrn Krüsmann (Heinrich Gerdes) musste man die rührend-naive Hilfsbereitschaft einfach abnehmen. Für Musikkonserven zum anschließenden Tanz sorgte Final Sound.

Welche überraschenden Folgen das verzwickte und vertrackte Geschehen des Dreiakters „Hartklabastern“ hat, können Freunde des Theaters „op Platt“ bei weiteren Aufführungen in den kommenden Monaten erleben.

Für folgende Vorstellungen der Süstedter Theatergruppe im Gasthaus Mügge in Bruchhausen-Vilsen gibt es noch Restkarten: 13., 14., 21. und 28. Februar (jeweils um 9.30 Uhr mit Frühstück) sowie 5. März (um 14.30 Uhr mit Kaffee und Kuchen). Die Tickets sind mittwochs zwischen 19 und 20 Uhr im Gasthaus Mügge sowie telefonisch unter 04240/1561 bei Helga Zierath erhältlich.

www.suestedter-theater.de

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