Matthias Stührwoldt begeistert in Schwarme

Von Tangas und Melkmaschinen

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Matthias Stührwoldt

Schwarme - Von Marion Thiermann. Zu einer Lesung mit musikalischer Untermalung hatte der Heimat-, Umwelt- und Kulturverein „Eule“ am Samstagabend in Robberts Huus nach Schwarme eingeladen. Auf dem Programm stand eine Lesung von Bauer und Autor Matthias Stührwoldt aus Stolpe, einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein direkt an der Autobahn 21.

Zwischen den humorvollen Geschichten vom Landleben spielte „Die neue deutsche Dorfkapelle méli-mélo“ um Leiterin Karin Christoph Weltmusik – von Beethoven, über ein Lied aus dem Kosovo bis hin zu „Probier‘s mal mit Gemütlichkeit“ aus dem Film Dschungelbuch – teilweise mit Gesang untermalt, aber hauptsächlich instrumental vorgetragen.

Amüsierten Besuchern tränen die Augen

Der Vorsitzende des Schwarmer Vereins Hermann Schröder begrüßte rund neunzig Gäste in der voll besetzten Bauerndiele des Robberts Huus. Er gab den Zuhörern ein Versprechen: „Wer nicht lacht, oder zumindest schmunzelt, bekommt sein Geld zurück“. Doch soweit kam es nicht.

Matthias Stührwoldt strapazierte die Lachmuskeln seiner Zuhörer und trieb einigen vor Lachen Tränen in die Augen. Nicht nur mit seinen Geschichten und Gedichten vom Landleben aus seinen mittlerweile dreizehn Büchern und acht Hörbüchern. Die Art und Weise, wie er diese vortrug und mit Mimik und Gestik unterstrich, hatte schon etwas Ähnlichkeit mit einem Comedian.

Zwischen den Geschichten spielte „Die neue deutsche Dorfkapelle méli-mélo“.

Die Inspiration für seine Werke holt er sich auf seinem Hof bei seiner alltäglichen Arbeit. Wenn er morgens die Kühe von der zwanzig Hektar großen Weide zum Melkstand treibt und beim Klackern der Melkmaschine hat er nach eigenen Angaben die besten Ideen.

Seine Lesung hielt Stührwoldt hauptsächlich up Platt, zum „Schutz der Minderheiten“ aber auch auf Hochdeutsch.

Norddeutsche sind robust und wortkarg

Seine Geschichten sind abwechslungsreich: Von „Mudder im Modder“, in der die Mutter mit ihren Gummistiefeln im Schlamm feststeckt und mit einem Frontladertrecker wieder rausgezogen wird, bis hin Erzählungen über String-Tangas seiner drei jugendlichen Töchter – wovon übrigens 941 in die Waschmaschine passen, wie Stührwoldt ausgerechnet hat.

Zudem schätzt der Autor die Moral der Norddeutschen. „Die sind robust“, wie er bei einem Open-Air-Konzert von der Band AC/DC vor zwei Jahren gerade erst wieder festgestellt hat. Wenn es regnet, setzen sie sich keine Kapuze auf, sie handeln stattdessen nach dem Motto „dor achtern wat dat wedder heller“.

Die Wortkargheit ist ebenfalls typisch norddeutsch, stellte er fest. Ein „Moin“ reicht, wer „Moin, moin“ sagt, ist schon ein Schnacker. Dass es nicht viele Worte braucht, merke man auch an den Ortsnamen im Norden. In Schleswig-Holstein zum Beispiel sind die meisten Orts- und Städtenamen auf Platt gesprochen einsilbig, ins Hochdeutsche übersetzt allerdings zweisilbig. Das mache den Vorteil vom Plattschnacken aus.

Die Besucher waren von dem Abend begeistert. Wer von Stührwoldts Geschichten nicht genug bekam, konnte in der Pause und nach der Veranstaltung seine Bücher und Hörbücher erwerben.

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