Laras Geschichte: Ein wahrer Fall 

Tagelang ohne Essen und Trinken: Kleine Lara bekommt Schutz im Kinderheim „Kleine Strolche“

Ein Foto aus dem Leben von Lara: Die Zweijährige genießt das therapeutische Reiten. Foto: Kinderheim Kleine Strolche
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Ein Foto aus dem Leben von Lara: Die Zweijährige genießt das therapeutische Reiten.

Asendorf - Joy Linicus strahlt. Denn die Geschichte von Lara hat ein Happy-End: Ein zweijähriges Mädchen, das unter unvorstellbaren Bedingungen leben musste und im Kinderheim „Kleine Strolche“ in Asendorf ein Zuhause auf Zeit gefunden hat, kann ein neues Leben in einer Pflegefamilie erfahren.

„Lara kannte nichts außer ihrem Gitterbett“, blickt Bernhard Schubert als Geschäftsführer des Kinderheims auf das Schicksal von Lara. Die Schützlinge im Kinderheim „Kleine Strolche“ sind oft traumatisiert – oder brauchen besondere medizinische Betreuung. Wie Lara, deren Geschichte Joy Linicus erzählt. 24 Kapitel hat sie geschrieben und damit einen ganz besonderen „Adventskalender“ gestaltet.

Sie lässt ihre Leser teilhaben an ihrem Alltag, der von Schutz, Zuwendung und „Liebe auf Knopfdruck“ geprägt ist, wie die 21-jährige angehende Sozialpädagogin es beschreibt – aber auch von offenen Fragen, was Kindern wie Lara wirklich widerfahren ist.

Einen Tag vor Weihnachten 2018 hatten die Mitarbeiter das Kind abgeholt. „Für dich heißt es jetzt kurz vor Heiligabend, deine gewohnte Umgebung zu verlassen und dich völlig fremden Menschen hinzugeben“, heißt es in Laras Geschichte – aber genauso: „Allerdings wird es auch dein erstes ,Weihnachten’ werden, du wirst Schutz und Geborgenheit erfahren.“

Geschenke an Weihnachten - auch für Lara

Die erste Begegnung mit Lara ist erschütternd: „Nun stehst du vor uns, verhalten, ruhig, hältst einen kleinen Affen im Arm. Wir sehen ein kleines Mädchen, das einen stark verwahrlosten und extrem vernachlässigten Anschein hat.“ Über Laras Familie erfahren die Mitarbeiter so gut wie nichts.

Als Lara in der „Wiege“, ihrem neuen Zuhause auf Zeit, angekommen ist, machen die Mitarbeiter eine Entdeckung: „Du schreist extrem laut und ängstlich, sobald hygienische Tätigkeiten wie Wickeln oder Umziehen anstehen.“ Warum? Was ist der kleinen Lara widerfahren, dass sie so eine Angst entwickelt? Der starre Blick des Kindes bereitet den Mitarbeitern große Sorgen: „Du wirkst so einsam und verängstigt.“

Joy Linicus lässt ihre Leser teilhaben an einem stimmungsvollen Heiligabend mit Weihnachtsbaum und Geschenken - auch für Lara, deren Gesundheitszustand sich trotz liebevoller Zuwendung verschlechtert. Das Mädchen trinkt nichts und isst kaum, muss am zweiten Weihnachtstag in die Klinik. Nach einer Woche kann Lara ins Kinderheim zurück, wird aber engmaschig ärztlich betreut.

Anruf beim Jugendamt bringt Klarheit

Dann die lange Nacht, in der Lara plötzlich schreit: „Ich bemerke schnell: Du machst seelisch gerade etwas Schreckliches durch – was auch immer es sein mag. Ich nehme dich mit zu mir, um dich zu beruhigen und für dich da zu sein, doch die nächsten Stunden sind gefüllt von Panik, Angst, Kreischen, Weinen...“

Die weiteren Tage sind ähnlich schwer. Aber ein Telefonat mit dem Jugendamt bringt endlich Klarheit über die unzumutbaren Umstände, in den die Zweijährige leben musste: „Es war ein Ort des Grauens: dreckige, unhygienische Zustände und ein Laufgitter aus Holz, welches rundum angegessen war. Du wurdest tagelang eingesperrt, ohne Essen und Trinken.“

Joy Linicus und Bernhard Schubert erzählen im Internet die Geschichte der kleinen Lara.

Doch es gibt Hoffnung: „Es ist Februar und mittlerweile spielst du schön, beschäftigst dich mit vielen Dingen in der Natur...“ Aber wieder will Lara nicht essen, muss erneut ins Krankenhaus. Danach jedoch macht sie spürbare Fortschritte: „Es ist soweit und du kannst stückweise immer mehr Nähe zulassen, lernst die Form der Liebe erst ganz neu kennen ... Mittlerweile schaust Du uns in die Augen und kommunizierst mit uns, wenn auch nur über Körpersprache.“

Eine Pflegefamilie für Lara

Dann der Sommer: „Du lachst sehr viel und entwickelst eigene Spielideen.“ Laras Trink- und Essverhalten hat sich normalisiert, das Wickeln, Baden und Zähneputzen ist kein Problem mehr. Liebe, Schutz und Zuwendung bleiben, aber auch die Suche nach einer Pflegefamilie. Die Mitarbeiter staunen, wie gut Lara das therapeutische Reiten tut – und beobachten, wie das Mädchen eine Bindung zu den Pferden aufbaut: „Du freust dich jedes Mal, bist sehr behutsam und streichelst sie.“

Doch Joy Linicus und ihre Kollegen fragen sich auch: Welcher Abschnitt wird der nächste in Laras Leben sein? Es ist Herbst, als der alles entscheidende Anruf kommt: Für Lara ist eine Pflegefamilie gefunden. Das erste Treffen verläuft gut, weitere folgen: „Es passt einfach.“ Nach fast einem Jahr kann Lara umziehen. Joy Linicus ist glücklich: „Die kleine verlorene Kinderseele von Lara haben wir mit ganz viel Liebe und Geduld wiedergefunden. Aber es bricht mir das Herz, dass es noch so viele weitere Schicksale geben wird, die uns erreichen. Dennoch geht unsere Liebe auf Knopfdruck nicht aus, denn jeder hat ein Recht auf eine Kindheit.“

Der jüngste Schützling im Kinderheim Asendorf ist zurzeit ein Mädchen. Es ist drei Monate alt.

Weitere Infos

Die ganze Geschichte von Lara ist nachzulesen im Adventskalender des Kinderheims unter www.rittergut-kleine-strolche.de

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