100 Tage Flüchtlingshilfe: Ein Fazit

Neun Asylbegleiter für alle Fälle

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Gunda Manke

Samtgemeinde - „Ohne die Asylbegleiter wäre die Arbeit nicht zu bewältigen“, sagt Gunda Manke. Die Mitarbeiterin des Bruchhausen-Vilser Vereins „Lebenswege begleiten“ koordiniert seit dem 1. April die soziale Flüchtlingshilfe in der Samtgemeinde, unterstützt von Sozialarbeiter Ingo Rahn. Mankes Fazit der ersten 100 Tage fällt positiv aus: „Die Arbeit macht viel Spaß. Aber sie ist komplexer als vermutet.“

Rund 110 Flüchtlinge leben derzeit in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen. Die Verwaltung hält Kontakt zur Landesaufnahmebehörde, sucht Wohnungen für die Betroffenen, regelt die Finanzen und die Formalitäten bei der Ankunft. Und dann ist „Lebenswege begleiten“ an der Reihe: „Dirk Meyer aus dem Ordnungsamt sagt bescheid, wenn eine neue Familie ankommt“, erklärt Manke das Prozedere. „Jede Familie muss betreut werden. Ich gucke, welcher Asylbegleiter sich um die Neuankömmlinge kümmern kann und suche zwei Vertretungen für ihn.“

Ursprünglich wollten Manke und Rahn viele Projekte anschieben, mit den Asylbewerbern etwa Möbel bauen oder Gärten anlegen. Mittlerweile wissen sie: „Die Familien kommen mit Traumata und Krankheiten hierher, und wir müssen erst mal sehen, dass sie in den Alltag finden.“ Die ehrenamtlichen Asylbegleiter begleiten die Familien zu Behörden, zum Supermarkt und zum Arzt. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Kinder jeden Tag in die Schule gehen und dass die medizinische Versorgung gewährleistet ist“, ergänzt Manke.

Alle neun Asylbegleiter in der Samtgemeinde sind fast täglich im Einsatz, Manke koordiniert ihre Arbeit. „Und wenn ungeahnte Probleme auftauchen, zum Beispiel mit Fachärzten oder Ämtern, können sie mich oder Ingo Rahn stets anrufen, auch nach Feierabend.“

Die Sprachbarriere stelle alle Beteiligten immer wieder vor Schwierigkeiten. „Das fängt an, wenn der Arzt wissen will, ob der Asylbewerber Allergien hat“, sagt Manke. „Wir versuchen, oft Übersetzer zu Hilfe zu holen.“ Toleranz und Respekt seien auf allen Seiten gefragt: „Die Familien müssen uns völlig vertrauen, gleichzeitig möchten wir ihre Würde wahren.“ Wichtig sei, dass die Flüchtlinge schnellstmöglich Deutsch lernen: „Die Sprache ist der Schlüssel für die Integration.“

Die Bruchhausen-Vilserin lobt das große Engagement aller Beteiligten. Vereine wie die Landfrauen, Kirchenvertreter und Privatpersonen organisieren Angebote wie Begegnungscafés. „Auch die Kommunikation mit dem Rathaus klappt sehr gut“, sagt Manke. Die Asylbegleiter bezeichnet sie als „motiviertes, tolles, aktives Team“.

Einer von ihnen ist Hajo Köster. „Bei den vielen Diskussionen in den letzten Monaten, aber auch durch die Berichterstattung der Medien über Kriegsflüchtlinge reifte bei mir der Gedanke, mich einzubringen“, erzählt der Schwarmer. „Berufsbedingt musste ich mit meiner Familie öfter umziehen. Da kam uns oft zugute, dass uns neue Nachbarn oder Kollegen halfen, uns schnell zurechtzufinden. Möglicherweise auch ein Grund, mich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren.“

Die Asylbegleiter wollen den Flüchtlingen, die in ihrer Heimat alles zurücklassen mussten, beim Neustart helfen. „Die Arbeit bringt viel Positives. Die Asylbewerber erkennen es an, wenn wir ihnen zur Seite stehen“, sagt Köster. „Viel Freude bringt auch der Austausch mit den Mitstreitern.“ Er rät allen Bürgern, ebenfalls aktiv zu werden. Gunda Manke ist unter Telefon 04252/9098321 erreichbar. Aktuell sucht „Lebenswege begleiten“ ferner einen Fahrradanhänger für einen Flüchtling.

mah

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