Tage des Eisenbahnfreundes: Passagiere reisen wie zur Kaiserzeit / 6000 Besucher

Mut zum wagenradgroßen Hut

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In historisch aussehenden Gewändern trafen sich viele Eisenbahnfreunde in Bruchhausen-Vilsen, um ein „Reise-Feeling“ wie vor 100 Jahren zu erleben.

Br.-Vilsen - Von Horst Friedrichs. Sanft, lautlos und fast schwebend leichtfüßig rollt die Lok „Spreewald“ an der Bahnsteigkante aus, hinter sich Waggons über Waggons mit heiter gestimmten Fahrgästen. Punktgenau vor dem altehrwürdigen Brokser Bahnhofsgebäude kommt der Zug aus Heiligenberg zum Stehen. Auf Gleis zwei wartet schon die nächste Bahn, die gleich in Richtung Asendorf abfahren wird.

Der Bahnsteig zwischen den beiden Zügen füllt sich mit ankommenden und abfahrenden Passagieren, unter ihnen eine beträchtliche Zahl von zeitgemäß – wie vor 100 Jahren – gekleideten. Da fehlt der preußische Beamte im Gehrock, mit Stehkragen, Chemisette und Zylinder, ebenso wenig wie redegewandte Marktfrauen und vornehm-zurückhaltende Damen in sommerlich-eleganten langen Reisekleidern, beschattet von wagenradgroßen Hutkreationen.

Reisen wie zur Kaiserzeit stand in Bruchhausen-Vilsen auf dem Programm der Museums-Eisenbahn, und dazu gab‘s Kaiserwetter obendrauf. Um „Sonnenschein satt“ hätte das Motto „Dampf und Diesel satt“ mit Fug und Recht erweitert werden können. Die drei Tage des Eisenbahnfreundes, von Freitag bis Sonntag veranstaltet vom Deutschen Eisenbahn-Verein (DEV), erfreuten sich neben einem enormen Besucherandrang auch eines durchgehend strahlend blauen Himmels. Kaiser Wilhelm II (1888-1918), berühmt für stetigen Sonnenschein bei seinen öffentlichen Auftritten, hätte sein sprichwörtliches Wetter-Privileg in seiner Zeit nicht besser arrangieren können.

„Wir hatten an diesen drei Tagen 5000 bis 6000 Besucher“, sagte DEV-Pressesprecher Bernd Furch am Sonntagnachmittag, als das umfangreiche Veranstaltungsprogramm sich seinem Ende näherte. Furch weiter: „An normalen Tagen haben wir drei Züge im Fahrplan; an diesen drei Tagen waren es elf.“

Wie gewohnt kamen die Gäste der Museums-Eisenbahn aus den verschiedensten Teilen Deutschlands, unter ihnen Freunde der Museumsbahner von der Brohltalbahn mit dem bekannten „Vulkan-Express“ am Mittelrhein.

Kaiserlich gestaltete auch Elmar Böcker, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Archiv beim DEV, seinen Auftritt. Preußisch korrekt ausstaffiert mit Gehrock und Zylinder, schilderte Böcker im Gespräch mit der Kreiszeitung die Absichten, die mit dem Programmpunkt „Historische Kleidung“ verbunden seien: „Es geht uns darum, das Reisen mit der Kleinbahn darzustellen. Neben den Zügen und den Gebäuden wollen wir von der Museumsbahn in unserer Kostümierung eben auch zeigen, wie durch das preußische Kleinbahngesetz die Erschließung des ländlichen Raums ermöglicht wurde.“

Welche Bedeutung der technische Fortschritt durch die 1899 eröffnete Kleinbahn Hoya-Syke-Asendorf hatte, beschreibt Böcker an einem Beispiel: „Die Postkutsche brauchte zuvor für die Fahrt von Hoya nach Syke acht Stunden – mit mehreren Pferdewechseln wegen der Höhenunterschiede zwischen Geest und Marsch.“

Der Auftritt der historisch gewandeten Eisenbahnfreunde am Sonntag war zugleich einer der Höhepunkte des Programms, in dessen Rahmen schon ab Freitag die ersten Fahrzeuge gezeigt und Rollbockvorführungen geboten wurden. Bei letzteren wurde demonstriert, wie zu Kleinbahnzeiten Normalspur-Güterwaggons auf Schmalspur-Rollböcken zwischen Hoya, Bruchhausen-Vilsen, Asendorf und Syke verkehrten.

Eisenbahnfans und Fotografen kamen an allen drei Tagen voll auf ihre Kosten und konnten sich an Vorführungen einer stattlichen Anzahl von Dampf- und Diesel-Fahrzeugen erfreuen, die sonst nur selten gleichzeitig gezeigt werden. Zusätzlich waren Modelleisenbahnen zu sehen, teilweise mit echtem Dampf betrieben.

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