Neues Konzept nach 60 Jahren

Kunst von Sturhans macht Atmosphäre in der Asendorfer Kapelle hell und freundlich

Mann und Frau stehen in einer Friedhofskapelle vor einem Kreuz
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Kreuze müssen nicht dunkel und mächtig, sie können auch leicht sein, meinen Katja und Kalle Stuhrhan. Das Künstlerpaar beendet die Gestaltung der Asendorfer Friedhofskapelle.

Asendorf – Das einfallende Licht lässt die kleinen bunten Glasstücke auf den Waschbetonplatten in verschiedenen Farben glitzern. Das Kreuz links neben der Tür scheint sogar unterschiedliche Farbtöne zu haben, je nachdem, wo man sitzt. Eine Spirale auf dem Stein am Rednerpult steht als Mosaik im Einklang mit den hellen Blautönen der Kapellenfenster.

„Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis“, nickt Katja Sturhan, während ihr Blick über all das wandert. Sie und ihr Mann Kalle sind Künstler und Eigentümer der Asendorfer Kunstwerkstatt Artenreich. Der Kirchenvorstand beauftragte die beiden, der Kapelle eine neue Atmosphäre zu verleihen.

Die Kapelle wurde in den 1960er-Jahren erbaut – mit dunklen Wände, dunklem Kreuz, Heizkörpern und Waschbetonplatten. „Das mag damals schön gewesen sein, ist jetzt aber wirklich überholt“, meint die Künstlerin. Vor allem die dunkle Decke sei es gewesen, die für eine bedrückende Atmosphäre gesorgt habe. So empfanden es zuletzt viele, die diesen Ort zu traurigen Anlässen aufsuchten. Die Kirchengemeinde hatte sich für eine Neugestaltung entschieden und diese in die Hände ihres Kirchenvorstandsmitglieds gelegt.

Ausgerechnet die Decke war nicht zu verändern. Also mussten andere Elemente her, die einen Einklang mit dem Schwarz der Decke bilden konnten. So die Überlegungen des Künstlerpaares. „Wir saßen wirklich lange hier in der Kapelle“, erinnert sich Katja Sturhan an die Zeit, als sie und ihr Mann sich Gedanken über die Gestaltung gemacht haben. „Es hat uns viel Spaß gemacht, uns das alles auszudenken.“

Quasi als Grundierung begann die Umgestaltung damit, die Wände zu verputzen. Vorher waren sie gemauert, nun sind diese hell. Als nächstes hatten sich Sturhans den Fußboden aus Waschbetonplatten vorgenommen. In die quadratisch-praktischen, aber wenig schmucken Gebrauchsgegenstände arbeiteten sie Glasstücke ein, deren Farben sich an den bunten Fenstern der Kapelle angelehnten. Diese leuchten im Tageslicht in verschiedenen Rot- und Blautönen.

Was folgte, war einer der Blickpunkte der Kapelle, das Pult. Es ziert jetzt ein spiralförmiges Mosaik. Das Glas dafür haben Sturhans selbst hergestellt, erzählen sie. Verwendet haben sie aber auch Kieselsteine, die sich optisch an die Waschbetonplatten im Boden anlehnen.

Die herausforderndste Aufgabe haben sich Katja und Kalle Sturhan als letzten Schritt bewahrt: das Kreuz. „Das war schwierig, wir haben auch gedanklich mehrere Anläufe gebraucht“, erzählt Katja Sturhan.

Das zentrale Symbol sollte mit der Farbigkeit und Strahlkraft der Fenster mithalten können, nicht aber in Konkurrenz dazu treten, so der Ansatz.

Das ursprüngliche Kreuz war groß, dunkel und schwer; das neue ist das ganze Gegenteil. „Kreuze müssen nicht dunkel und mächtig sein, sie können auch leicht sein“, sind sich Katja und Kalle Sturhan einig.

„Alles deutet ein bisschen die Bewegung nach draußen an“, beschreibt Kalle Sturhan die Änderungen: Die Spirale ist zur Tür hin geöffnet, die bunten Steine auf dem Boden führen wie ein Gang zur Tür. Hier am Totenbett ist nicht das Ende, heißt schließlich die zentrale Botschaft der Christenheit.

Auch auf dem Friedhof soll in diesem Jahr einiges passieren, verraten die Künstler. Sie selbst sind schon ganz damit befasst. „Wir sind schon oft zwischen den Gräbern entlang gegangen und haben uns Gedanken gemacht“, berichten sie über die Art, wie sich der Auftragsarbeit nähern.

Katja und Kalle Sturhan leben seit 25 Jahren in Graue. Ihre Kunstwerkstatt besteht fast genau so lange. Im nächsten Jahr feiert „Artenreich“ Jubiläum. Die beiden sind froh, sich genau dort niedergelassen zu haben. „Das Regionale sorgt ganz leicht für den Kontakt zu Menschen, das gefällt mir“, erklärt Katja Sturhan. Bekannt sind sie in der Region für viele Kunstprojekte mit Kindern sowie für ihr Kursangebot. Coronabedingt sind diese Termine rar geworden.

„Wirtschaftlich gesehen war und ist die Pandemie natürlich schlecht“, bestätigt Kalle Sturhan. Normalerweise verkaufen Sturhans ihr Glas an Fachgeschäfte, von dort gelangt es zu den Kunden. Diese Läden haben nun aber schon seit Längerem ihre Türen geschlossen. Auch Kurse dürfen nicht angeboten werden. „Die Kunsttage fallen das erste Mal seit 15 Jahren aus“, bedauert Katja Sturhan.

„Aber es bleibt viel Zeit für Projekte“, versuchen Sturhans, die Lage positiv zu sehen. „Wir produzieren jetzt viel Glas“, nickt Katja. „Wir haben ganz viel ausprobiert und gelernt“, erzählt das Ehepaar. In der Asendorfer Friedhofskapelle ist mit seiner Handschrift eine ganz neue Atmosphäre entstanden.

Von Jana Niebuhr

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