Awo-Ortsverein stellt sich neu auf / Abgelehntes Mitglied ist sauer

Streit und kein Ende in Sicht

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn und Vivian Krause. Der Ortsverein Bruchhausen-Vilsen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) macht eine schwere Zeit durch. Die Differenzen mit dem Kreisverbandsvorsitzenden Peter Cohrsen scheinen unüberbrückbar, ein Ende der Auseinandersetzung ist nicht in Sicht. Umso dankbarer ist die zweite Ortsvereinsvorsitzende Kirsten Wegner-Drefs, dass sich Hans Hermann Wehrenberg jüngst bereit erklärt hat, den Vorsitz in Bruchhausen-Vilsen zu übernehmen. Er wurde bei der Jahreshauptversammlung zum Nachfolger von Bernhard Bliesath gewählt, der wiederum künftig als Schriftführer agiert.

Aus persönlichen Gründen hat Bliesath sein Amt als Vorsitzender des Ortsvereins abgegeben. Das bedeutet aber nicht, dass er auch sein Engagement auf Kreisebene zurückfährt. „Ich bin sehr froh, dass er und Hans Hermann Wehrenberg unsere Interessen im Kreisvorstand vertreten“, sagt Wegner-Drefs, die in der Versammlung im Juni ebenso wie Uwe Templin als zweite Vorsitzende bestätigt wurde. Sie ergänzt: „Wir kämpfen seit einem Jahr mit Leuten, die die Awo-Arbeit kaputtmachen wollen.“ Mit einer baldigen Lösung des Konflikts rechnet sie nicht: „Solange Herr Cohrsen da ist, wird es Probleme geben.“

Wie bereits im Januar berichtet, haben mehrere Funktionäre Streit mit dem Kreisverbandsvorsitzenden. Die Kritiker fordern eine Änderung des Arbeitsstils in der Awo, sie werfen Cohrsen Fehler und Alleingänge vor. Außerdem gehen sie angesichts zahlreicher zeitgleicher Neueintritte in Ortsvereine von einem Unterwanderungsversuch aus.

Bei der Awo bestimmen die Ortsvereine Delegierte, die wiederum den Kreisvorstand wählen. Je mehr Mitglieder in den Ortsvereinen Pro-Cohrsen eingestellt sind, desto größer sind also seine Chancen, das Amt behalten zu dürfen. Der Kreisvorstand wird alle vier Jahre gewählt, im Kreis Diepholz zuletzt 2015.

Nach Angaben von Cohrsen kam „die geballte Ladung Mitglieder“ zustande, weil einige Registrierungen wegen einer Erkrankung der Geschäftsführerin Anja Cordßen zunächst liegen geblieben seien und weil Kai-Uwe Kampe, Leiter des Awo-Sozialkaufhauses in Barrien, viel Werbung gemacht habe.

Eins der neuen Mitglieder ist Ursula Klefisch. Oder besser gesagt: Sie wollte es sein. Als die Rentnerin Ende vergangenen Jahres einen Mitgliedsantrag bei der Awo in ihrem Heimatort Bruchhausen-Vilsen einreichte, ging es ihr nach eigenen Angaben darum zu helfen. „Ich habe früher selbst einmal für die Awo gearbeitet und spende bis heute Sachen, die ich nicht mehr benötige, an ihr Sozialkaufhaus in Bruchhausen-Vilsen“, sagt sie. Doch der Ortsverein lehnte ab, sie als Mitglied aufzunehmen. „Erst wurde ich aufgenommen und der Beitrag abgebucht – und dann, etliche Zeit später, kam plötzlich eine Absage.“ Das Geld habe sie „erst auf Nachfrage“ zurückbekommen.

Klefisch versteht bis heute nicht, dass sie abgelehnt wurde. „Ich weiß gar nicht, warum“, sagt die Rentnerin.

„Der Antrag von Frau Klefisch ist in einem bestimmten Ambiente gestellt worden“, lautet die Erklärung von Kirsten Wegner-Drefs. „Mit Frau Klefisch zusammen haben 14 weitere Personen eine Mitgliedschaft beantragt. Alle Briefe lauteten gleich, alle Anträge hatten die gleiche Handschrift. Das sind ganz offensichtlich Verbündete von Peter Cohrsen.“

Zu dem Zeitpunkt habe der Ortsverein selbst nur zwölf Mitglieder gehabt. „Die Neuen hätten den Vorstand also abwählen können“, sagt Wegner-Drefs. Im Frühling habe man entschieden, die Anträge abzulehnen. Laut Wegner-Drefs war es nicht der Ortsverein selbst, der die Neulinge zunächst in seine Kartei eingetragen hatte, sondern der Kreisverband.

„Nach eingehender Prüfung und vielen Überlegungen hat der Vorstand beschlossen, Ihrem Eintrittsersuchen von Oktober nicht stattzugeben“, heißt es in dem Schreiben an Klefisch, das auf den 4. April datiert ist. Gründe werden nicht genannt.

Noch heute ärgert sich Ursula Klefisch über die Ablehnung. Die Lust auf eine Mitgliedschaft ist ihr vergangen. Von einem Unterwanderungsversuch mit ihrer Beteiligung will sie nichts wissen. „Wie kann Frau Wegner-Drefs so etwas behaupten?“, fragt die Rentnerin entrüstet. Sie habe zusammen mit einer Freundin Mitglied im Ortsverein werden wollen, fährt Klefisch fort. Mit den übrigen Antragstellern habe sie nichts zu tun. „Klar kenne ich einige aus dem Ort. Aber ich habe keinen Kontakt zu ihnen.“

Dass es Streit im Kreisverband gibt, ist Klefisch natürlich nicht neu. Sie selbst habe damit aber nichts zu tun. „Und selbst wenn, wäre das immer noch kein Grund, mich nicht als Mitglied aufzunehmen“, sagt die Bruchhausen-Vilserin.

Nachvollziehen kann sie den Zoff übrigens nicht: „Ich weiß ja nicht mal, worum es da genau geht.“

Kommentar

Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Einblicke

Von Mareike Hahn

Kirsten Wegner-Drefs redet nicht gern über den Konflikt mit Peter Cohrsen. Am liebsten möchte der Ortsverein Bruchhausen-Vilsen den Streit in der Öffentlichkeit totschweigen. Das ist zwar verständlich, aber nicht richtig. Die Awo ist ein gemeinnütziger Wohlfahrtsverband, der sich auch durch öffentliche Mittel und Spenden finanziert. Und genau deshalb haben die Menschen ein Recht darauf, auch über heikle Themen informiert zu werden. Das wäre außerdem im Sinne der Awo selbst. Denn aktuell gibt es viel Raum für Spekulationen. Die Arbeit von Peter Cohrsen stößt auf Kritik bei einigen Funktionsträgern, so viel ist klar. Sie sprechen von Alleingängen, davon, dass er die anderen Mitglieder des Kreisvorstands nicht genug einbezieht und dann auch noch, statt sich den Kritikern zu beugen, versucht, seine Freunde in den Ortsverein einzuschleusen. Kirsten Wegner-Drefs sagt, dass ihr Ortsverein für seine Interessen kämpfen muss; sie wünscht sich zudem mehr Wertschätzung für die Arbeit der Awo in Bruchhausen-Vilsen und vor allem für deren Seniorenservicebüro, das sie selbst beruflich leitet. Angst, dass es geschlossen werden könnte, muss sie aber nicht haben, denn das Büro steht nach ihren Angaben finanziell gut da. Da bleiben viele Fragen offen. Transparenz wäre der erste Schritt auf dem Weg zur Lösung des Problems.

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