Standort am Vilser Holz verworfen / Kosten steigen auf 390000 Euro

Trotz Rückschlag: Turmbauer wollen weiter hoch hinaus

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So soll er aussehen: Der Turmbauverein hofft nach wie vor, einen Aussichtsturm in Bruchhausen-Vilsen errichten zu können.

Br.-Vilsen - Von Mareike Hahn. Und wieder muss der Turmbauverein Bruchhausen-Vilsen einen Rückschlag einstecken: Er kann den lange gewünschten Aussichtsturm nicht an dem Ort realisieren, den er dafür ins Auge gefasst hat. Außerdem dürfte das Vorhaben teurer werden als erhofft. Aufzugeben, das kommt für die Mitglieder trotzdem nicht infrage: „Wir machen weiter“, sagt Vereinsvorsitzender Bernd Schneider und verweist auf eine „große Rückendeckung in der Bevölkerung“.

Der Wunsch, in Bruchhausen-Vilsen einen Aussichtsturm zu bauen, ist beileibe nicht neu. Der Vorstand des Verschönerungsvereins befasste sich bereits in den 1970er-Jahren eine zeitlang mit eben dieser Idee, die nach seinen Angaben aus dem Jahr 1912 stammt. Im Sommer 2011 schließlich wurde es konkreter: Der Turmbauverein gründete sich, stand jedoch nur zwei Jahre später schon wieder kurz vor der Auflösung. Die Kritiker bemängelten zu wenig Zuspruch bei den Bürgern und zu wenig engagierte Mitglieder – und sahen keine Perspektive, ein solches Projekt zu finanzieren.

Nach ein paar Monaten Bedenkzeit dann ein Hoffnungsschimmer für alle, die hoch hinaus wollen: Der Verein berappelte sich noch einmal. Und es ging gut voran: Anfang 2015 guckten die Mitglieder einen Standort oberhalb des Vilser Holzes aus und ein Turmmodell namens „The Organic“, entwickelt von den Bremer Studenten Joana Platzek, Julia Flügger und Domenic Bentlage. Das Modell soll bleiben. In Sachen Standort heißt es jetzt indes: Alles auf Anfang.

„Oberhalb des Vilser Holzes gibt es leider keine Möglichkeit, ein geeignetes Grundstück zu erwerben“, erklärt Schneider. Der Verein habe sich zwar nicht auf eine bestimmte Stelle festgelegt, aber der Platz für den Turm sollte in jedem Fall auf dem Bergkamm sein. Die Besitzer der dortigen Flächen machten den Turmbauern jedoch einen Strich durch die Rechnung: „Wir haben uns intensiv bemüht, konnten ihre Vorbehalte aber nicht ausräumen“, erzählt Schneider. So hätten mehrere Eigentümer nicht nur Ruhestörungen befürchtet, sondern auch, dass die Besucher Müll hinterlassen könnten.

Nun sucht der Vorstand nach einem alternativen Standort. „Wir bevorzugen ein Grundstück am Rand der hohen Geest“, sagt Bernd Schneider. „Schließlich geht es um eine gute Aussicht.“ Ferner würde der Verein es begrüßen, wenn es in fußläufiger Nähe einen Gastronomiebetrieb gäbe.

„Das Projekt ist nicht tot,

sondern liegt nur auf Eis“

Die beiden ursprünglich ebenfalls einmal angedachten Standorte im Dillertal und oberhalb der Klostermühle Heiligenberg sind unterdessen vom Tisch: „Nahe der Bundesstraße 6, am Dillertal, ist die Aussicht nicht so prickelnd“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Und bei dem einzigen infrage kommenden Grundstück nahe der Klostermühle reicht der Platz nicht aus.“

Wenn ein neuer Ort gefunden ist, wartet die nächste Mammutaufgabe auf die Turmbauer: Sie müssen das Geld zusammen bekommen. Anvisiert waren Kosten von maximal 350000 Euro. Der konkrete Plan, den Architekt Andreas Schneider und Statiker Martin Speth auf Grundlage des Studenten-Entwurfs erstellt haben, kommt jedoch auf 390000 Euro. „Potenzial für Einsparungen besteht wohl durch eine geschickte Ausschreibung, Gespräche mit Lieferanten, Sponsoring und günstige Standortbedingungen“, sagt Bernd Schneider.

Bei der Finanzierung hofft der Verein auf Fördergelder – um diese zu beantragen, muss laut Christa Gluschak, im Rathaus zuständig für Förderprogramme, allerdings auch der Standort feststehen. Sie räume dem Vorhaben gute Chancen ein, denkbar sei etwa ein Fördersatz von 53 Prozent. Gluschak lobt den Plan als „gut durchdacht“.

Ob Zuschüsse seitens Samtgemeinde und/oder Flecken denkbar sind, vermag Samtgemeindebürgermeister Bernd Bormann noch nicht einzuschätzen. „Das Projekt ist nicht tot, sondern liegt nur auf Eis“, unterstreicht er. Nach Worten von Schneider haben erste mögliche Sponsoren „die Idee bereits begrüßt“.

Motivation ziehen Bernd Schneider und seine Mitstreiter aus der wachsenden Zahl von Vereinsmitgliedern: „Wir sind jetzt etwa 40 Leute“, sagt er. „Und wir sind ziemlich sicher, dass das Projekt in der Bevölkerung ebenfalls gut angenommen wird. Auch Leute von außerhalb haben schon angekündigt: ,Wenn ihr einen Turm habt, kommen wir vorbei.‘“

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