Eine Chance für Martfeld

Städtebauförderung: Investitionen von 5,6 Millionen Euro möglich

Die Fehsenfeldsche Mühle ist für die Martfelder Landmarke und Dorfmittelpunkt in einem, der durch die Städtebauförderung gestärkt werden soll.
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Die Fehsenfeldsche Mühle ist für die Martfelder Landmarke und Dorfmittelpunkt in einem, der durch die Städtebauförderung gestärkt werden soll.

Martfeld – Durch das Förderprogramm „lebendige Zentren“ haben Martfeld und Schwarme die Möglichkeit, städtebauliche Maßnahmen zu 66 Prozent von Land und Bund rückzahlungsfrei finanziert zu bekommen. Anders als ursprünglich geplant jedoch nicht gemeinsam, sondern jede Kommune für sich. Eine Gelegenheit, die der Martfelder Rat dankbar ergreift. Einstimmig beschloss er am Donnerstagabend ein Entwicklungs- und Handlungskonzept, das Stadtplaner Michael Brinschwitz in der Turnhalle vorstellte. Ihre Sanierung ist ein zentraler Punkt auf einer Liste von Vorhaben. Alle Maßnahmen, öffentliche wie private, kosten nach einer Kalkulation „über den Daumen“, wie der Planer sagte, etwa 5,6 Millionen Euro. Davon hätte die Gemeinde ein Drittel, also etwa 1,8 Millionen Euro, zu tragen.

„Wir sollten diese Chance für Martfeld nutzen“, sagte Burkhardt Radke für die SPD. Er bedauerte, dass die Förderrichtlinien mitten im Prozess verändert wurden und nun keine gemeinsame Planung für Martfeld und Schwarme passieren werde. „Dieses Defizit hätten wir gern aufgearbeitet.“ Torsten Tobeck von der Unabhängigen Liste (ULM) ebenso wie Pit Brandstätter für die Grünen betonten, das Konzept sei eine Wunschliste und kein beschlossener Maßnahmenkatalog. Als „visionär“ bezeichnete Gemeindedirektor Bernd Bormann daher, was der Planer an Möglichkeiten für Martfeld zusammengetragen hatte. Neben der Flurbereinigung in Hustedt und Kleinenborstel könnte dieses Förderprogramm das Dorf nach vorn bringen. „Die finanziellen Hürdchen müssten wir dafür mal nehmen“, schlug Bormann vor.

94 Martfelder hatten sich an einer Online-Umfrage beteiligt, an der auch 105 Schwarmer und 51 Einwohner anderer Orte teilgenommen hatten. Eine andere Form der Bürgerbeteiligung sei wegen der Corona-Auflagen nicht möglich gewesen. Anton Bartling aus den Reihen der zahlreichen Zuhörer kritisierte das scharf, denn so seien die Daten nicht repräsentativ. Das Ministerium erkenne sie formal als Bürgerbeteiligung an, informierte Bernd Bormann. „Dadurch können wir uns jetzt für die Städtebauförderung bewerben und nicht erst in einem Jahr“, rechtfertigte Bürgermeisterin Marlies Plate.

Michael Brinschwitz hatte erarbeitet, dass den Martfeldern die Belebung und Nachnutzung von Leerständen ebenso wichtig sei wie die Sicherung im Versorgungs- und Bildungsbereich. Die Achse Kirche – Mühle solle gestärkt werden, stellte der Planer seine Auswertung vor.

Bernd Bormann ging detailliert auf die Auswertung der Fragebögen ein. Vor allem Gastronomie fehle den Martfeldern, ergaben verschiedene Fragestellungen. Auch Angebote für Jugendliche und Senioren vermissten die Teilnehmer der Umfrage. Ein Dorfgemeinschaftshaus (DGH) mit mehreren Funktionen fehle 21 Prozent der Befragten, damit nahm das DGH nach der Gastronomie den vordersten Platz dieser Liste ein.

Auskunft gibt die Umfrage auch zum Kaufverhalten. 20 Prozent der Martfelder, die die Fragen beantwortet haben, erledigen den Einkauf für den täglichen Bedarf in Martfeld, 39 Prozent gehen in Martfeld zum Frisör, 33 Prozent erledigen vor Ort ihre Bankgeschäfte. Wer nicht in Marfeld einkauft, tut das dafür zu 47 Prozent in Bruchhausen-Vilsen. „Ich hatte erwartet, dass dieser Wert deutlich höher ausfallen würde“, kommentierte Bormann. 40 Prozent der Befragten kaufen außerhalb der Samtgemeinde ein, acht Prozent in Schwarme. Mit sogenannten Nonfood-Artikeln decken sich die Martfelder zu 59 Prozent im Flecken ein und kaufen sie außerdem zu einem großen Anteil im Internet.

Negativ falle ihnen der schlechte ÖPNV auf (30 Prozent), positiv empfinden sie Natur und Landschaft (24 Prozent), langfristig in Martfeld wohnen möchten 78 Prozent der Teilnehmer. Die Attraktivität für Besucher bewertete die Hälfte mit „mittel“, 32 Prozent mit „gering“. 26 Prozent zögen in Erwägung, Ferienwohnungen zu schaffen, für 58 Prozent der auskunftgebenden Martfelder kam das nicht infrage.

Da das Projekt ursprünglich Martfeld und Schwarme gemeinsam betrachten sollte, gab es einige Fragen zum Miteinander. 86 der insgesamt 250 Teilnehmer sehen eine Möglichkeit der Zusammenarbeit, weil man gemeinsam stärker sei (29 Prozent) und vor gemeinsamen Herausforderungen stehe (11 Prozent). Ein Viertel der Befragten sprach sich für den Bestand beider Gemeinden aus, 15 Prozent sahen keinen Anlass für eine Zusammenarbeit, zehn Prozent führten Antipathie und Vorurteile als Grund an, nicht näher zusammenarbeiten zu wollen. „Ich dachte, das sei kein Thema mehr“, sagte Bernd Bormann zur legendären Zerstrittenheit der Nachbarn.

Für Privatleute biete das Förderprogramm zahlreiche Möglichkeiten. Später im Verfahren werde es einen eigenen Ansprechpartner für private Vorhaben geben, sagte Planer Brinschwitz auf Frage der Bürgermeisterin.

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