SELBSTVERSUCH

Sport per Zoom: Der Kampf gegen den Schweinehund

Trainerin Ines Mannott heizt den Kursteilnehmern mit guter Stimmung ordentlich ein.
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Trainerin Ines Mannott heizt den Kursteilnehmern mit guter Stimmung ordentlich ein.

Br.-Vilsen/Eystrup – Meine guten Vorsätze für dieses Jahr habe ich schon nach wenigen Tagen wieder über Bord geworfen. Eigentlich wollte ich den Weihnachtskilos den Kampf ansagen und endlich mehr Sport treiben. Aber wegen der Pandemie finden eh keine Sportkurse statt, und die Motivation, allein vor dem Fernseher herumzuturnen, fehlt mir definitiv. Doch mit dieser Ausrede stoße ich bei Ines Mannott auf taube Ohren.

Denn die Fitness- und Aerobictrainerin bietet online über die Konferenzplattform Zoom einen Bauch-Beine-Po-Kurs an.

„Aufgrund der aktuellen Situation müssen wir auf Sportkurse in den Hallen verzichten. Trotzdem können wir zusammen schwitzen, und zwar jeder von zu Hause aus“, sagt die 36-Jährige. Ich kämpfe zwar gegen meinen inneren Schweinehund, doch Mannott hat mich überzeugt: Es gibt keine Ausreden mehr!

Bevor es ans Schwitzen geht, schickt mir die Trainerin noch jeweils zwei sogenannte Meeting-Ids und Passwörter, mit denen ich mich einloggen kann. „Der Umgang mit Zoom ist wirklich sehr, sehr einfach“, verspricht Mannott. Bereits im ersten Lockdown habe sie positive Erfahrungen mit dem Programm gemacht. „Falls es während des Kurses aber doch zu technischen Problemen kommt, einfach in die Kamera winken oder mir eine Nachricht schreiben, dann helfe ich“, meint die Bruchhausen-Vilserin, die seit acht Jahren als Trainerin tätig ist.

Hanteln im Einsatz: Als Alternative können die Teilnehmer auch Wasserflaschen nutzen.

Gut, das Einloggen wäre schon mal erledigt. Jetzt benötige ich nur noch ein Plätzchen für meine Gymnastik-Matte, ein Handtuch sowie etwas zu trinken. In meinem kleinen Zuhause gar nicht so einfach. Aber ich entscheide mich für das Schlafzimmer, rücke die Kommode etwas beiseite und stelle mir ein Tischchen bereit, auf dem der Laptop stehen soll. Ines Mannott meinte noch, dass viel Platz nicht vonnöten sein würde. Jetzt brauche ich noch Hanteln. „Wer keine hat, kann auch Wasserflaschen nehmen“, sagt die Kursleiterin. Zum Glück finde noch Hanteln von meinem Freund – allerdings wiegen die ganze 2,5 Kilo. Na ja, das wird schon klappen.

Gespannt sitze ich nun auf meiner Gymnastik-Matte und warte, bis es losgeht. So langsam trudeln auch die anderen Teilnehmer online ein. Wie schön! Alle meine Leidensgenossen sind weiblich. „Schade, dass keine Männer mitmachen. Aber so manch einer würde bei uns wohl auch gar nicht mithalten können“, scherzt Mannott. Oha, jetzt mache ich mir doch Gedanken, ob ich als Sportmuffel die 60 Minuten überhaupt überstehe, ohne mich zu blamieren. „Keine Angst, jeder macht, so gut er kann, und keiner wird ausgelacht“, beruhigt mich die Trainerin, die neben dem Bauch-Beine-Po-Kurs auch Zumba-Training anbietet.

Da fällt mir ein: Was ist, wenn mich gleich alle sehen und hören, wie ich keuchend und schwitzend auf meiner Matte kauere? „Viele Teilnehmer haben die Kamera aus, obwohl ich es immer schöner finde, wenn man sich gegenseitig sieht. Außerdem kann ich so beobachten, ob alle mitmachen, aber ich kontrolliere nicht. Zudem schalte ich den Ton zu Beginn des Kurses aus“, erzählt Mannott und kann mich etwas beruhigen.

Jetzt noch kurz die Sportleggings zurechtrücken, den Pferdeschwanz richten und sogleich ertönt Mannotts Stimme aus meinen Lautsprecherboxen. „Wir geben gleich Vollgas!“, kündigt sie an und schaltet die Musik an. Los geht es mit einem Aufwärmprogramm: Ausfallschritte nach rechts und links und zeitgleich die Arme dazu bewegen. Danach stehen „Hampelmänner“ an. Immer wieder zählt die Trainerin runter: „5,4,3,2,1“. Die nächste Übung: Ganz schnell auf der Stelle trippeln. „Los Mädels, wir wollen schwitzen. Das ziehen wir jetzt durch. Vollgas! Jippi!“, ruft Mannott in die Kamera und verbreitet damit ordentlich Stimmung. Du meine Güte, ist das anstrengend. Mein Online-Yoga-Kurs vor einigen Wochen war wirklich nichts dagegen. Die ersten Schweißperlen laufen mir schon nach wenigen Minuten über die Stirn.

Bei der nächsten Übung kommen die Hanteln ins Spiel. Breitbeinig und mit gebeugten Knien sollen die Teilnehmer nun die Arme vor sich auseinander und wieder zusammen führen – natürlich mit zusätzlichem Gewicht in den Händen. „Den Rücken gerade halten und schön atmen“, leitet die Trainerin an. Oha, mit den 2,5 Kilo-Hanteln habe ich mich wohl doch etwas überschätzt. Meine Arme fühlen sich jetzt schon an wie Gummi.

Anschließend stehen sogenannte Lunges – tiefe, abwechselnde Ausfallschritte nach vorne – auf dem Programm. Die seien laut Trainerin „prima für den Po“. „Besonders solltet ihr es jetzt in der Oberschenkelmuskulatur merken“, sagt Ines Mannott. Oh ja, und wie ich es merke. Um einen Muskelkater werde ich nicht herumkommen.

Nach einer kurzen Unterbrechung geht es gnadenlos weiter. Im Vierfüßlerstand sollen wir nun abwechselnd unsere Beine nach hinten ausstrecken. Gar nicht so einfach, jetzt noch den Blick auf den Laptop zu richten – wenn zeitgleich meine Katze um mich herumtigert und mir die Sicht auf den Bildschirm versperrt.

Ines Mannott hat kein Erbarmen und leitet direkt zur nächsten Übung über: Es geht runter in die Liegestütze. Himmel, ich bin froh, wenn ich die überhaupt hinbekomme, und jetzt soll ich auch noch eine Hand vom Boden abheben und meinen Arm inklusive Hantel nach innen und außen strecken. Nach ein paar Mal liege ich keuchend und zitternd auf dem Boden. Gut, dass ich die Kamera ausgeschaltet habe. Das schützt mich allerdings nicht vor dem belustigten Blick meines Freundes, der sich währenddessen genüsslich ein Würstchen in den Mund schiebt. Gemein! Zusätzlich heizt mir auch noch die Trainerin ein: „Ich hoffe nicht, dass ihr schummelt. Jeder macht, so gut er kann.“

Jetzt geht es meinem Speckbäuchlein an den Kragen: Alle legen sich auf den Rücken, verschränken die Arme hinter dem Kopf und führen ihre Ellenbogen abwechselnd über Kreuz an die Knie. „Die Übung ist super für die seitliche Bauchmuskulatur. Haltet durch! Wir schaffen das!“, strahlt die Trainerin freudig in die Kamera. Danach kann ich endlich einen Moment liegen bleiben, bis ich sogleich meine Beine wieder abwechselnd gerade in die Höhe strecken soll. „Bloß nicht absetzen“, leitet Mannott die Gruppe weiter an. Ich sehe regelrecht, wie meine Bauchmuskeln anfangen, zu zittern und es in meinen Beinen zieht.

So langsam bin ich wirklich am Ende meiner Kräfte. Aber der Trainerin reicht das noch nicht: „Wir waren schon so fleißig. Zuletzt geht es jetzt noch in den Unterarm-Liegestütz.“ Nebenbei stellt sie schon einmal die Stoppuhr. „Der Körper muss eine Linie sein. Drückt euren Po nach unten“, weist die 36-Jährige die Gruppe an. Schon nach wenigen Sekunden sagt mir mein Körper: Es reicht. Was ist los? Du machst sonst auch nicht so viel Sport.“ Endlich sind die Strapazen der vergangenen 55 Minuten überstanden. Fast. Zum Abschluss steht Dehnen an. Danach ist es geschafft, und Ines Mannott schaltet den Ton wieder an, sodass sich alle Teilnehmer hören können.

Nach einer freundlichen Verabschiedung klappe ich meinen Laptop zu und bin wirklich stolz auf mich, etwas für meinen Körper getan zu haben. Wie die Trainerin versprochen hatte, bin ich tatsächlich so richtig ins Schwitzen gekommen – oder besser gesagt: Ich bin klitschnass. Trotz all der Anstrengungen und dem sich anbahnenden Muskelkater fühle ich mich unglaublich gut. Zwar sind die Weihnachtskilos durch das eine Mal nicht verschwunden, aber wenigstens habe ich meine Motivation wiedergefunden, meine Vorsätze für dieses Jahr in die Tat umzusetzen: dem Speck den Kampf ansagen.

Von Nala Harries

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