Bald weniger Osterfeuer?

Sozialausschuss der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen diskutiert mögliche Osterfeuer-Verordnung

Das traditionelle Osterfeuer in Scholen 2018: In einer dem Sozialausschuss vorgestellten Verordnung soll die Brauchtumspflege durch die Feuer in der Samtgemeinde in den Vordergrund gestellt werden – nicht das Entsorgen von Abfallprodukten.
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Das traditionelle Osterfeuer in Scholen 2018: In einer dem Sozialausschuss vorgestellten Verordnung soll die Brauchtumspflege durch die Feuer in der Samtgemeinde in den Vordergrund gestellt werden – nicht das Entsorgen von Abfallprodukten.

Samtgemeinde – „Das ist ein heißes Eisen, das wir jetzt anfassen“, sagte Michael Albers während der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen im Forum des Schulzentrums. Dort ging es um eine mögliche neue Verordnung zur Regelung von Brauchtumsfeuern – in diesem Sinne sind Osterfeuer gemeint.

Im Jahr 2014 habe das Land Niedersachsen beschlossen, Brauchtumsfeuer nicht stärker zu reglementieren, erklärte Volker Kammann, Fachbereichsleiter Bürgerservice der Samtgemeindeverwaltung. „Seitdem ist die Zahl der angemeldeten Osterfeuer bei uns wieder gestiegen“, sagte er. Im Jahr 2019 seien es 75 gewesen. „Es gibt eine bröckelnde Akzeptanz in der Bevölkerung hinsichtlich er Anzahl der Feuer“, meinte Volker Kammann. In den vergangenen Jahren habe die Anzahl der Beschwerden zugenommen. Deswegen habe die Verwaltung eine Verordnung erarbeitet, um dem entgegenzuwirken. „Es ist nicht so, dass diese Verordnung sofort durchgepeitscht werden muss, aber der Druck, so etwas stärker zu reglementieren, wird kommen“, prophezeite der Fachbereichsleiter.

Verordnung hebt Brauchtum hervor

In der vorgelegten Verordnung gehe es hauptsächlich darum, das Abbrennen von Osterfeuern in ein rechtliches Rahmenkonstrukt einzubinden, und somit Regeln auch im Sinne des Umweltschutzes einzuführen. So dienen Osterfeuer per Definition der Verordnung der Brauchtumspflege und sind nur dann zulässig, wenn „eine in der Ortsgemeinschaft verankerte Gemeinschaft, Organisation oder ein Verein das Feuer ausrichtet“, heißt es in der Vorlage. „Privatpersonen dürfen dann grundsätzlich keine Feuer mehr anzünden“, konkretisierte Volker Kammann.

Weil dann zusätzlich auch immer die Brauchtumspflege im Vordergrund stehe, ergänzte Michael Albers: „Brauchtum heißt nicht, Abfall loswerden. Das ist nicht Sinn eines Osterfeuers.“ Wer ein Osterfeuer also vorrangig zum Entsorgen von Grünschnitt nutzen wolle, dürfe es das nicht mehr, wenn die Verordnung durchgesetzt werden würde.

Ein dritter Punkt der Verordnung – vielleicht der wichtigste – sieht eine deutliche Reduzierung der Brauchtumsfeuer in der Samtgemeinde vor. In der jetzigen Version wären am Karsamstag und Ostersonntag je 23 Feuer möglich. Zustande komme das durch eine gesetzlich vorgeschriebene Grenzziehung. „Das müssen wir machen“, erklärte Volker Kammann. Innerhalb der Grenzen sei jeweils nur ein regulär angemeldetes Feuer möglich. Willkürliche Abgrenzungen seien nicht erlaubt. „Es muss nachvollziehbar sein“, sagte er. „Am striktesten wäre ein Feuer pro Mitgliedsgemeinde“, meinte der Leiter des Bürgerservices. „Das ist aber deutlich zu wenig.“ Deswegen habe sich die Verwaltung entschieden, sich an den 23 ehemals eigenständigen Gemeinden zu orientieren, die es zum Zeitpunkt der Gründung der Samtgemeinde im Jahr 1974 gegeben hatte. Auch wenn diese Eingrenzung derzeit nur ein Vorschlag seitens der Verwaltung sei, „ist eine Reduzierung der Brauchtumsfeuer in der Samtgemeinde, meiner Meinung nach, alternativlos“, meinte Volker Kammann.

Gemeinderäte sollen Stellung beziehen

Ausschussmitglied Klaus Masemann meinte im Hinblick auf die dadurch erschwerte Entsorgung von Grünschnitt: „Wir brauchen einen Plan B, bevor wir eine solche Verordnung beschließen. Der Abfall bleibt und müsste dann anders entsorgt werden.“ Erst dann sollte die Politik über den Erlass der Verordnung nachdenken. Reinhard Thöle, Vorsitzender der SPD-Fraktion, stimmte zu und meinte, dass zuerst Lösungsmöglichkeiten erläutert und präsentiert werden sollen. „Sonst hauen die Bürger uns die Verordnung um die Ohren“, sagte er, weil es dann so rüberkomme, dass die Politik den Anwohnern das Osterfeuer kaputtmache. Fraktionsvorsitzender der Grünen, Ulf Schmidt, empfahl daher, keine voreiligen Beschlüsse zu fassen. Er meinte jedoch auch, dass er eine Entscheidung bis zum kommenden Frühjahr begrüße, um im Falle von Corona-Lockerungen Lösungen für die Osterfeuer 2021 vorlegen zu können.

Der Ausschuss einigte sich letztlich darauf, die Mitgliedsgemeinden bei der Entscheidungsfindung einzubeziehen. Deren Stellungnahmen sollen in der nächsten Sozialausschusssitzung erörtert und an den Samtgemeinderat weitergegeben werden. Die einzelnen Gemeinden werden demnach zwar eingebunden, die Verantwortung der Beschlussfassung obliege dennoch der Samtgemeinde, erklärte Michael Albers. Deswegen empfahl der Sozialausschuss dem Samtgemeinderat, eine entsprechende Beschlussfassung für 2021 vorzubereiten, die es dann zu beschließen gelte.

Von Jannick Ripking

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