Das Vokalensemble Harmonie aus dem russischen St. Petersburg begeistert das Publikum in der Vilser Kirche / Stimmgewaltige Sänger

Der Soundtrack eines seit Jahrhunderten gebeutelten Landes

Weil der Dirigent Alexander Andrianov krank war, trat das russische Vokalensemble Harmonie nur als Quintett in Bruchhausen-Vilsen auf. - Foto: Ulf Kaack

BR.-VILSEN -  Fünf Herren im eleganten schwarzen Zwirn und mit feierlicher Fliege um den Hals: Der hochkarätigen Optik stand das akustisch Dargebotene am Mittwochabend in der St.-Cyriakus-Kirche Vilsen keinesfalls nach. Im Gegenteil. Das Vokalensemble Harmonie aus dem russischen St. Petersburg zog das Publikum mit seinem enormen Klangspektrum von der ersten Note an in seinen Bann.

Harmonie war bereits mehrfach zu Gast in der Vilser Kirche. Bedingt durch die Krankheit ihres Dirigenten und Gründers Alexander Andrianov unverhofft zum Quintett reduziert, tat dieser Umstand der Qualität des Konzerts keinen Abbruch. Bariton Piotr Samoilim übernahm Andrianovs Part und sang ihn mit Bravour. Knapp 50 Zuhörer saßen in den Kirchenbänken und lauschten andächtig. Mit Verlaub: Die russischen Sänger hätten deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Volkslieder und Romanzen

Es war der Soundtrack eines seit Jahrhunderten gebeutelten Landes. Eine Musik, die Leichtigkeit und Lebensmut nicht zu kennen scheint. Das Abbild des unglücklichen, des trotzdem leidenschaftlichen Mütterchen Russland, das in der Vergangenheit so zahlreiche Tragödien über sein Volk brachte. Zugang fanden die Menschen dort im tiefsten Leid stets in ihrer Religion. Trotz staatlich indoktriniertem Atheismus. Melancholie und Demut drückte ihrer Kultur den prägenden Stempel auf.

In der ersten Hälfte seines Auftritts brachte das Ensemble ausschließlich geistliche Lieder zumeist wenig bekannter russischer Komponisten zu Gehör. Mit Titeln wie, ins Deutsche übersetzt, „Gottes Donner und heilige Trompeten“, „Vater unser“ oder „Ich bete an die Macht der Liebe“ wussten die stimmgewaltigen Sänger zu überzeugen. Es war Musik, die bis weit in die innere Tiefe der Zuhörer hinein wirkte.

Auch ohne das Verstehen der Texte, dem eigentlich tragenden Element der Kompositionen, war es für manch ungeübte Ohren eine durchaus schwer zu verdauende Kost.

Im zweiten Konzertteil erklangen russische Volkslieder, Romanzen und emotionsgeladene Melodien, getragen von den kräftigen Stimmen und dem harmonischen Zusammenspiel der fünf Sänger. Und auch hier dominierte die tiefe Schwermut der russischen Seele. „Steppe, Steppe überall“ beispielsweise erzählte vom langsamen Erfrierungstod eines Fuhrmanns in der Taiga, der die Liebe zu seiner Frau mit in sein Grab nahm.

Eindrucksvoll war das Stimmvolumen der Sänger vom glockenhellen Tenor bis zum tiefsten Bass. Hinzu kam eine differenzierte und facettenreiche Vortragskultur, die jedes Werk für sich zu einem Ereignis machte. Dabei zeichnete Harmonie sich nicht nur durch den wundervollen Ensembleklang aus, sondern ebenso durch die solistischen Qualitäten der einzelnen Sänger.

Mit anhaltendem, stehend vorgetragenem Applaus belohnten die Besucher in der St.-Cyriakus-Kirche Vilsen die Leistung des Vokalensembles, das sich mit dem bekannten Lied „Guten Abend, gute Nacht“ vom Auditorium verabschiedete.

Von Ulf Kaack

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