Serie „Urlaub in der Heimat“

Von mystischen Quellen und heilenden Kräutern

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Gästeführer Hans-Jürgen Wachholz bringt den Besuchern die vielen Facetten des Heiligenbergs näher.

Bruchhausen-Vilsen - Mystischer Kraftort, Ausgrabungsstätte, Treffpunkt für Naturliebhaber und Ausflugsziel für die ganze Familie - am fünften Tag unserer Sommerreise besuchen wir den Luftkurort Bruchhausen-Vilsen. Wir wandern am Heiligenberg und treffen eine Kräuterexpertin.

Von Miriam Kern und Jan Dirk Wiewelhove.

Diese Ruhe, dieses satte Grün, diese Landschaft - angekommen am Heiligenberg in Bruchhausen-Vilsen entlockt uns die Atmosphäre ein sanftes „Wow, ist das schön hier“. Zum Abschluss unserer Sommerreise machen wir mitten in der Natur Halt und wandern fernab der Straße rund um einen Ort, der die Leute seit Jahrhunderten anzieht.

Unser Ausgangspunkt ist das Forsthaus der Familie Brüning. Dieses Hotel bietet Spitzengastronomie mit regionalem Schwerpunkt und ist eine Top-Adresse für Tagungen und Seminare. 

„Unsere Region muss man schmecken“, erklärt Adelheid Brüning das Konzept der Küche. Deshalb kommen viele Zutaten aus der näheren Umgebung. Das Haus war bis 1964 als Sitz eines berittenen Förster in Betrieb und beherbergt seit 1966 einen Gastronomiebetrieb.

Mittelalterliche Wallanlagen überall

Zusammen mit Gästeführer Hans-Jürgen Wachholz machen wir uns zu Fuß auf in die Natur. Nur wenige Meter sind wir gelaufen, da weist Wachholz uns schon auf die historische Bedeutung dieses Ortes hin. Eine Ringwallanlage wird erkennbar - dank des Experten. 

Auf der Bergseite schließt sich an den Wall ein Plateau an, auf der Hangseite geht es steil bergab. „Hier stand eine große frühmittelalterliche Burganlage, die es ungebetenen Gästen schwer machte, anzugreifen“, erklärt Hobbyhistoriker Wachholz.

Die Brücke spannt sich über einer der rund 30 Quellen am Heiligenberg.

Der Heiligenberg war nicht einfach nur eine Burganlage, sondern auch für mehr als 300 Jahre Standort einer Klosteranlage mit einer Wallfahrtskirche. Zuvor wurden bereits heidnische Bräuche an den rund 30 Wasserquellen in diesem Gebiet durchgeführt, das teilweise unter Landschaftsschutz steht. Die Besonderheit hier ist, dass Wasser aus dem Boden an die Oberfläche gedrückt wird und zu einem Bach zusammenläuft, der niemals zufriert.

An der Wünschel-Quelle wurde bis vor einigen Jahren der Brauch des Osterwasserschöpfens praktiziert.

Noch bis vor einigen Jahren praktizierten Frauen an der Wünschel-Quelle zum Beispiel den Brauch des Osterwasserschöpfens. „Am Morgen des Ostersonntag mussten Jungfrauen Wasser schöpfen. Ein Teil war zum Trinken, der andere zum Waschen. Dann, so die Legende, heirate man den Wunsch-Mann“, sagt der 73-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Tiefe Täler und viele Spielplätze

Dieser Spielplatz mitten im Wald bietet viel Beschäftigung für Kinder.

Neben all der Mystik und Geschichte des Heiligenberg, ist er ein vielseitiges Ausflugsziel für die ganze Familie. Die Besucher können Wanderrouten unterschiedlicher Länge abgehen, Fahrrad fahren, die Natur genießen und die müden Beine im Kneippbecken erfrischen. 

Für Kinder sind mehrere Spielplätze auf dem Gelände verteilt. Durchzogen werden die tiefen Täler, die vor rund 12.000 Jahren entstanden sind, mit mehreren Bächen, die zum Matschen einladen.

Sommerreise: Wanderung am Heiligenberg

Zwischen dem vielen Grün am Heiligenberg lässt sich auch so manch ungeahnter Schatz entdecken. Wir treffen uns mit Christiane Mewes, die 58-Jährige ist Heilpflanzenexpertin und bietet Kräuterwanderungen in Bruchhausen-Vilsen an. In ihrem rund 2000 Quadratmeter großen Garten zeigt Mewes uns, wie vielfältig die heimische Natur sein kann.

Auf den ersten Blick sei nicht alles zu erkennen, was sich im Gras verstecke, erzählt sie. Auf ihren Wanderungen möchte Mewes den Blick der Teilnehmer schärfen. Mit bis zu 16 Personen geht sie gemeinsam in die Brokser Wiesen oder den Kanal entlang. Auf ihren Streifzügen stellt sie den Interessierten Wildkräuter und Heilpflanzen vor, bespricht Verwendungsmöglichkeiten in Küche und Hausapotheke. „Und dann ist die grüne Welt plötzlich ganz bunt“, sagt sie.

Eine Pflanze, viele Möglichkeiten 

In ihrem Garten gibt uns Mewes eine buchstäbliche Kostprobe. Sie zupft ein Blättchen von einem unscheinbaren grünen Strauch und reicht es uns. Während wir es uns auf der Zunge zergehen lassen, entfaltet sich ein süßer Geschmack an unseren Gaumen. „Das ist Stevia“, erklärt sie, die viel gelobte Alternative zum raffinierten Zucker. 

Neben der meterhohen Nachtkerze erklärt Mewes uns, was man mit den Bestandteilen der Pflanze anfangen kann. 

Wir gehen einige Schritte weiter, vorbei an Hopfen, Bärlauch und Waldmeister, halten vor einer meterhohen Pflanze mit gelben Blüten: die Nachtkerze. Die Samen enthalten mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäuren, erklärt uns Mewes. Das daraus gewonnene Öl hat beispielsweise eine beruhigende Wirkung bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Die Samen können aber auch im Müsli oder Brot verwendet werden und sogar die Wurzeln sind essbar.

Vertrauen ist verloren gegangen

Ihr Wissen hat sich Mewes über viele Jahre angeeignet. Die 58-Jährige sei mit Kräutern aufgewachsen, erzählt sie. „Ich kannte keinen Arzt.“ In den Jahren 2007 und 2008 absolvierte die hauptberufliche Schulassistentin eine Ausbildung zur Heilpflanzenexpertin an der Heilpflanzenschule in Verden. Seitdem ist sie in den Wiesen unterwegs und versucht ihre Kenntnisse weiterzugeben, denn viel Wissen und auch das Vertrauen in die Heilpflanzen sei mit der Zeit verloren gegangen.

Und auch wenn sie im Ernstfall zum Arzt gehen würde, stellt Mewes auch heute noch Tees, Tinkturen und Öle selbst her. Gerade stehen auf ihrer Fensterbank drei Schraubgläser. Darin zieht ein rötliches Gemisch aus Johanniskraut und Öl. Es habe pflegende Eigenschaften, wirke entzündungshemmend und helfe auch bei Sonnenbrand. So gerade von ihrer Tochter bestätigt. „Solche Rückmeldungen freuen mich immer sehr“, sagt Mewes.

Zuletzt ist das Johanneskraut in die Schlagzeilen geraten, weil eine Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Jakobskreuzkraut bestehen würde. Doch die Expertin zeigt im Vergleich, das deutliche Unterschiede erkennbar sind. Während das Jakobskreuzkraut zu den Korbblütlern zählt und unterschiedlich viele, fast feingliedrige Blätter besitzt, bildet das Johanneskraut gelbe Trugdolden mit stets fünf, eher rundlichen Blütenblättern. 

Sommerreise: Kräuterwandern in Bruchhausen-Vilsen

Informationen zu Gästeführungen

Wer mehr über den Heiligenberg erfahren möchte, kann an einer Gästeführung teilnehmen. Die Panoramarunde mit Hans-Jürgen Wachholz dauert rund zweieinhalb Stunden, die Wegstrecke beträgt etwa fünf Kilometer. Die nächste Tour findet am 20. August statt.

Informationen erteilt der Tourismusservice von Bruchhausen-Vilsen auf seiner Webseite. Telefon: 04252/930050.

Die nächste Kräuterwanderung mit Christiane Mewes ist für den 17. September angesetzt. Die Anmeldung erfolgt über die VHS unter Telefon 04242 976444.

Hierhin sind wir auch gereist:

Die Woche begonnen haben wir in Groß Henstedt mit einer Expedition in ein Maislabyrinth.

Auch am zweiten Tag riefen uns die Felder, allerdings ließen wir uns mit einem Bus die 300 Hektar große Heidelbeer-Anbaufläche des Fruchthofes Thiermann in Kirchdorf zeigen.

Am dritten Tag paddelten wir mit dem Kanu über die Lohne vom Dümmer See bis nach Diepholz - eine insgesamt zehn Kilometer lange Strecke.

Doch damit nicht genug Wassersport: Wir wagten uns zum Windsurfen auf den Dümmer See.

Die Gemeinde Wagenfeld haben wir am vierten Tag besucht. Zuerst haben wir mit Kattas im Tierpark gespielt, dann ging es weiter zu den Moorwelten.

Den kompletten Überblick über die Sommerreise durch den Landkreis Diepholz finden Sie hier.

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